DOPPELPUNKT April 2020
Vorgestellt Seite 14 ie Ferse ist das Problem beim Socken stricken. Das weiß ich noch von meiner Großmutter. Die hat viel gestrickt. Für die ganze Familie Westen und Pullover, Handschuhe, Schals, natürlich auch Socken. Und einmal ist sogar eine junge Handarbeitslehrerin zur Oma gekommen: „Könnten Sie mir bitte zeigen, wie man bei Socken Fersen strickt? Ich kann das einfach nicht.“ Ob die junge Lehrerin jemals eine ordentliche Ferse zusammen gebracht hat, kann ich jetzt beim besten Willen nicht sagen. Aber eines weiß ich: Die Fersen bei den Socken von der Schleedorfer Fuchsbäuerin Maria Weissl sind genauso schön, wie es die Fersen bei Oma waren. Ja, Maria Weissl ist eine grandiose Sockenstrick-Meisterin. Oder wie willst das sonst nennen, wenn jemand in 15 Jahren über 1.000 Paar So- cken gestrickt hat? Obwohl, passieren kann immer et- was. „Neulich habe ich eine Socke gestrickt, die hatte plötzlich zwei Fersen. Das ist mir auch noch nie passiert“, lacht Maria Weissl, die überhaupt eine recht fröhliche Person ist. Auch dann noch, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt. Und die war wirk- lich alles andere als glücklich. Der Vater blieb im Krieg. Die Mutter starb, als Maria vier war. Als Waisenmäderl kam sie zu einer Stiefmutter, wie es sie sonst nur in Märchen gibt. Hart und unge- recht. Hunger war der ständige Begleiter durch den Alltag, gefrorene Füße waren das tägliche Er- gebnis nach dem einstündigen Schulweg durch den tiefen Schnee. Wie froh wäre die Maria damals gewesen, wenn sie ein Paar solcher Socken gehabt hätte, wie sie sie heute fast täglich strickt. Die Wolle dafür kauft sie in der Umgebung. Überall dort, wo es Wolle gerade zu einem günsti- gen Preis gibt. Und da kann es schon passieren, dass sich Maria auf´s Fahrradl schwingt, um von Schleedorf nach Lochen zu radeln. Oder sogar nach Mattighofen, wo es auch ein Geschäft gibt, das immer wieder günstige Wolle im Sortiment hat. Wirklich mit dem Rad? „Ja. Ich fahre gerne mit dem Fahrrad und seit ich ein E-Bike habe, bin ich noch mehr auf zwei Rädern unterwegs“, lacht die bald 82-jährige Fuchsbäuerin. Mehr als 1.000 Paar Socken. Was macht man damit? „Verschenken“, sagt die Maria. An die Fa- milie, an Freunde und Bekannte. Zum Geburtstag und zu Weihnachten. Zu Ostern oder einfach nur als Gastgeschenk. Und da brauch ich wohl jetzt nicht mehr extra erwähnen, dass die Socken überall große Freude auslösen. Fast alle Schleedorfer kennen Maria Weissl aber auch noch von wo anders her. Nämlich vom Friedhof. Um den hat sie sich mehr als 30 Jahre lang liebevoll gekümmert. Hat Gräber gepflegt und Wege gesäubert, Hecken geschnitten und Mist entsorgt. Offiziell hat sie diese Tätigkeit jetzt eingestellt und deshalb vom Pfarrer und Pfarrkirchenrat auch eine große Dankesurkunde bekom- men. Trotzdem ist Maria nach wie vor hin und wieder auf dem Friedhof und schaut ein bisserl auf Ordnung. Natürlich nur dann, wenn sie nicht gerade Socken strickt. Rupert Lenzenweger In Salzburg n Am Gipfelkreuz des Großglockners wird von einen national- sozialisten Bergführer die Hakenkreuzfahne gehisst. n Josef „Buwi“ Bradl bricht sich auf der Köhlergrabenschanze in Zell am See nach einem Probesprung Schien- und Wadenbein. n Alle Bürgermeister des Landes werden aufgerufen, alle Ehren- bürgerschaften seit 1933 wieder aufzuheben. n Das zweite Großglockner Automobil- und Motorradrennen findet als „Großer Bergpreis von Deutschland“ statt. n Im Augustiner Bräustübl dürfen Gäste nur mehr von Männer bedient werden. Im Flachgau n Michel Neuhofer wird zum Obmann des Fremdenverkehrs- vereins Mattsee gewählt. n Der spätere Schriftsteller Franz Braumann beginnt in Straßwalchen als Volksschullehrer. n Köstendorf wird als Gemeinde aufgelöst und der Gemeinde Neumarkt zugeschlagen. n In Seekirchen und Oberndorf werden Hauptschulen gegründet. n Adolf Hitler führt am 7. April den Spatenstich für den Bau der Autobahn vom Walserberg bis Eugendorf durch. n Die Westbahnstrecke zwischen Salzburg und Steindorf wird elektrifiziert. Was war 1938 sonst noch los? MariaWeissl , gerade einmal drei Jah- re alt. Bild: privat Maria Weissl bei einer ihrer Lieblingsbe- schäftigungen. Dem Stricken von Wollso- cken. Bild: Rule D Maria Weissl Fuchsbäuerin Schleedorf geb. 13. Mai 1938 n Geboren wurden 1946 sonst noch: Helmut Berner, ehemaliger Direktor der Hauptschule Seekirchen; Romy Schneider, Schau- spielerin; Adriano Celentano, italienischer Schauspieler und Sänger; Tony Marshall, deutscher Schlagersänger; Otto Rehhagel, ehe- maliger deutscher Fußballtrainer und Christiane Hörbiger, Schauspielerin.
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