DOPPELPUNKT April2024

Ingenieur Cesare Vecelli benannte nach seiner Tochter Flavia den spektakulärsten Hafen der Welt. So kamen wir am nächsten Tag nach Porto Flavia und zum Zuckerhut Sardiniens. Jetzt verbindest die ersten Gedanken an die zweitgrößte Insel im Mittelmeer nicht un- bedingt mit Industrieruinen. Solche aber sind Porto Flavia und das Masua-Bergmassiv. Vor gut hundert Jahren wur- den dort blei- und zinkhalti- ge Steine abgebaut, die für die Hütten in Nord Europa wertvolle Rohstoffe waren. Wie aber soll das Gestein auf Schiffe verladen werden, wenn es weit und breit keinen Hafen dafür gibt? Der Inge- nieur Cesare Vecelli hatte die Idee und schuf eine Berg- werkslösung und einen See- hafen, der noch heute welt- weit einzigartig ist. Vecelli ließ vom Abbaugebiet weg zwei 600 Meter lange Stollen in den Berg treiben. Die Stol- len liegen übereinander und münden lotrecht über dem Meer. Im oberen Stollen wur- den von Zügen die Silos im unteren Tunnel beladen. Die konnten bis zu zehn Tausend Tonnen Material fassen. Über ein Förderband wurden mit einem beweglichen Arm dann das Blei und Zink auf Dampf- schiffe verladen. Obwohl von vielen Exper- ten Cesare Vecellis kühner Wohnmobilstellplatz mit eigener Terrasse, Grill und Hänge- matte. Alessandro hat einfach an alles gedacht. Plan als komplette Spinnerei abgetan wurde, gab die Berg- baugesellschaft grünes Licht. So entstand zwischen 1922 bis 1924 diese atemberauben- de Anlage, die nicht nur zur damaligen Zeit eine herausra- gende Ingenieursleistung war. Cesare Vecelli benannte diese weltweit einzigarti- ge Hafenanlage nach seiner Tochter Flavia. Die Bedeutung von Porto Flavia nahm in den 1960er Jahren nach dem Rückgang der Bergbauaktivitäten ab. Komplett geschlossen wurde der Hafen, als die Minera- lienproduktion in Masua in den 1990er Jahren eingestellt wurde. Heute ist die Anlage im Besitz einer öffentlichen Gesellschaft, die sich um die Restaurierung und Erhaltung kümmert. Seit einigen Jahren sind die Minen von Masua und Porto Flavia auch eine UNESCO-Welterbestätte. Stündlich finden Führun- gen durch den oberen Stollen des Porto Flavia statt, die auf einem großen Plateau dreißig Meter über dem Meer endet. Von hier aus wurde einst der bewegliche Arm zum Be- laden der Schiffe erreicht. Heute ist dieser Balkon in erster Linie ein hervorragen- der Standort für den Blick auf den 132 Meter hohen „Pan di Zucchero“. Rupert Lenzenweger Der Eingang zum 600 Meter langen Stollen, der zum Hafen am Berg führt. Noch heute gilt der Porto Flavia als unerreichte Meisterleistung der Ingenieurskunst.

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