DOPPELPUNKT April 2026

das Projekt. Also schrieb Henrik Galeen die Geschich- te um und erfand den Vampir Graf Orlok, der als Nosferatu sein Unwesen treibt. Heute ist die Orava Burg die wichtigste Touristenat- traktion in der Nordslowakei und es wird alles dafür getan, den Gruselfaktor aufrecht zu erhalten. Sarg und Leichen- wagen warten schon beim ersten Burgtor auf die Besu- cher. Eine lebensgroße Figur des Nosferatu ist im Film- museum zu sehen, das im obersten Geschoss der Burg eingerichtet ist, denn der Hor- rorfilm aus dem Jahren 1922 ist beileibe nicht der einzige Streifen, für den die Burg als imposante Kulisse herhalten musste. So wurden 1996 Sze- nen für den mittelalterlichen Fantasyfilm „Dragonheart“ gedreht. 1984 entstand die tschechoslowakisch-deut- sche Märchenverfilmung von König Drosselbart mit der Schauspielerin Maria Schell. 2020 war das Filmteam von Netflix zu Gast und drehte seine Streamingserie „Dracu- la“. Damit schließt sich quasi nach 98 Jahren der Kreis zu Nosferatu. Von all diesen Projekten wird im Filmmuseum erzählt, das du dir als Besucher aber im wahrsten Sinne des Wor- tes über hunderte Stufen er- steigen musst. Alleine der Aufstieg zur Burg ist eine He- rausforderung. 300 steile Me- ter, die nur wirklich gut Trai- nierte und normalgewichtige Kinder ohne Zwischenrast bewältigen. Wann die Geschichte der Ovara-Burg (deutsch: Awa- renburg) genau beginnt, ist nicht bekannt. Wie viele Bur- gen in der Slowakei dürfte zunächst eine Holzburg wie einAdlerhorst auf dem Felsen gestanden haben, die nach dem Tartareneinfall 1241 nie- dergerissen und durch einen Steinbau ersetzt wurde. Die- se steinerne Burg wurde ur- sprünglich im romanischen und gotischen Stil errichtet, später im Stil der Renaissance und Neugotik umgebaut. Die Form wurde dabei dem Burg- felsen angepasst. Die Geschichte dazu kommt von Wikipedia: 1556 kam die Burg in die Hände der Thurzos die viel umbau- ten und der Burg bis 1611 schließlich die heutige Form gaben. Nach dem Aussterben der Thurzos hatte die Burg mehrere Besitzer, die sich jedoch kaum darum kümmer- ten. Die größte Katastrophe suchte die Burg im Jahr 1800 heim, als sie ausbrannte und für ihre Verwalter unbrauch- bar wurde. Größere Rekons- truktionsarbeiten zur Rettung der Burg erfolgten erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute besteht das Burg- areal aus dem Komplex der unteren, mittleren und obe- ren Burg mit Palästen, Forti- fikationen und Türmen. Für die Besucher ist vor allem die Verbindung der drei Ein- gangstore durch einen Tunnel interessant, unter dem sich unterirdische Gänge befin- den. Auf der Burg ist auch der Sitz des Museums Orava mit mehreren Ausstellungen. Dabei spannt sich der Bogen vom bereits erwähnten Film- museum bis hin naturwissen- schaftlichen, ethnographi- schen und archäologischen Ausstellungen. Rupert Lenzenweger Mit jedem Stockwerk das du als Burgbesucher erklimmst wird der Ausblick atemberaubender. Ganz oben angekommen liegt dir das gesamte Orava-Tal zu Füßen. Von der Steinzeit bis zu den Filmkulissen. Das Museum in der Burg zeigt gleich mehrere Ausstellungen.

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