DOPPELPUNKT August 2025
Die Reportage Seite 12 August 2025 Zwischen Spä I n Berndorf bei Salzburg feiert Georg Babi heuer das 10 jährige Bestehen seiner Instrumentenbau- firma. In der alten Malerwerkstätte seines Vaters werden jeden Tag Gitarren und Kontrabässe repa- riert, restauriert und gebaut. „Als Kind habe ich Klari- nette gespielt, als Jugendli- cher habe ich dann Gitarren Unterricht genommen und Gitarren gesammelt. Kleine- re Reparaturen habe ich da bereits auf eigene Faust ge- macht. Für eine zerbrochene Jazz Gitarre aus den 60er Jahren, die ich auf ebay er- steigert habe, benötigte ich aber professionelle Hilfe. In der Werkstatt eines Ins- trumentenbauers aus dem Salzkammergut wusste ich: das ist das richtige für mich. Genau das möchte ich auch machen“, erzählt Georg Ba- bi. „Diese Jazz Gitarre habe ich immer noch.“ So besuchte der gelern- te Maler die HTBLA für Kunsthandwerk und Design in Hallstatt, die eine eigene Fachrichtung für Streich- und Saiteninstrumtene- nerzeugung anbietet. Die anfängliche Begeisterung entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft, und so schloss der Berndorfer auch die Meisterprüfung ab. An- schließend arbeitete er vier Jahre in Hallein bei einem Geigenbaumeister, der auch Kontrabässe baut. Babi, der zu dem Zeitpunkt bereits selbst Kontrabass Spieler war, entdeckte so die großen Instrumente auf eine ganz neue Art und Weise für sich. Und als sein Vater, Malermeister Gottfried Ba- bi, vor 10 Jahren in Pension ging, war das der perfekte Anlass um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und die hausinterne Werk- statt in seine eigene Instru- mentenbauwerkstatt zu ver- wandeln. Schon nach kurzer Zeit stand für den Jungunter- nehmer fest, dass er sich da- bei auf Kontrabässe und Gi- tarren spezialisieren möchte. Holz, Holz, Holz Das Um und Auf beim Instrumentenbau ist die Aus- wahl des richtigen Gehölzes. Nicht jedes Holz ist aufgrund verschiedener Schwing- eigenschaften für jedes Instrument geeignet. Bei Streichinstrumenten wird für den Boden und die Zargen Ahornholz verwendet, für die Decke Fichte. Besonders beliebt ist die Haselfichte. Wichtig ist, dass das Gehölz sehr langsam wächst. Daher stammen auch die feinen Ringe, die die Kontrabässe zieren. Dann muss das Holz jahrelang liegen, bevor die Verarbeitung beginnen kann. Der Stamm darf nicht ge- sägt, sondern muss gespalten werden. Das ist besonders aufwändig, aber nur so kann gewährleistet werden, dass das Holz richtig schwingt. Möglichst astfrei und ge- rade soll es außerdem sein. Bezogen wird das Holz von Georg Babi vorwiegend aus Südtirol, dem Salzkammer- gut und Bosnien. Bei Gitar- ren werden auch exotischere Gehölze verarbeitet. Reparatur ist nicht gleich Restauration Bei Reparaturen werden Kleinigkeiten repariert, etwa Risse im Holz. Restauratio- nen hingegen sind viel um- fangreicher. Getauscht wird in der Regel nichts, der Alt- bestand bleibt so weit wie möglich erhalten. Auf Ab- schleifungen wird verzich- tet, die Patina soll unbedingt erhalten bleiben. Das ältes- te Instrument, das in Babis
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