DOPPELPUNKT August 2025

Der STRAWANZER Sollten Sie in nächster Zeit das Schreibmaschinenmuseum in Wattens besuchen, können Sie folgenden Eintrag im Gästebuch finden: „Die Tippmaschine ist sehr lustig und die Führung war sehr interessant.“ Mit diesem Satz hat sich meine achtjähri- ge Enkelin im Buch verewigt und bringt damit unseren Besuch in diesem österreichweit einzigartigen Museum auf den Punkt. * * * M ehr als 600 funktionsfähige Schreibmaschi- nenmodelle werden in Wa t t ens liebevoll präsentiert. Darunter auch eines der ersten Model- le von Peter Mitterdorfer. Der lebte in Partschins in Südtirol, war Tischler und Tausendsassa und baute vor genau 160 Jahren aus Holz die erste Schreibma- schine, die halbwegs zu- verlässig funktionierte. Da- mit hat sich Mitterdorfer in die Geschichtsbücher offizi- ell als Erfinder der Schreib- maschine eingetragen. Die ersten Versuche eine Schreibmaschine zu bau- en, reichen über 200 Jahre zurück. 1821 war es Karl Drais, der für seinen erblin- deten Vater eine „Schreib- clavier“ genannte Maschine baute. Dabei wurden die 25 Buchstaben in das Papier ein- geprägt. Noch früher war Henry Mill dran. Dem Engländer wurde 1714 ein Patent für eine Schreibmaschine erteilt. Ob Mill aber tatsächlich eine funktionierende Maschine gebaut hat, ist nicht bekannt. Sicher ist hingegen, dass die Schreibmaschine ab 1900 einen ungeahnten Aufschwung erlebte. Schreibmaschinenfabriken wurden allerorts gegründet und die Kreativität der Entwickler kannte kaum Grenzen. So entstand um 1910 bei den bisher nur als Fahrzeugfabrik bekannten Wanderer-Werken in Schönau eine Schreibmaschine, die auch addieren konnte. Also qua- si der analoge Urgroßvater von Exel. Auch so eine Maschine steht im Museum in Wattens, das dem Sammler Jörg Thien zu verdanken ist und vor 23 Jahren gegründet wurde. Ein Besuch des Museums in Wattens ist nicht nur ein Streif- zug durch die Zeit von 1884 bis in die Gegenwart. Es ist auch ein Spaziergang durch ein Kurio- sitätenkabinett mit vielen absonderlichen Kons- truktionen, die den Weg zur modernen Schreibmaschine be- gleitet haben. Und wer einmal selbst seinen Namen in Blinden- schrift tippen oder über eine chinesi- sche Schreibma- schine mit 2.500 Zeichen staunen möchte, kommt hier auch auf sei- ne Rechnung. Der Eintritt ins Mu- seum ist frei. Geöff- net ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr und am Mittwoch auch noch zusätzlich von 9 bis 12 Uhr. Übrigens: Olympia stellte als letz- ter namhafter Schreibmaschinen-Hersteller vor gut zehn Jahren die Produktion ein. Seither verkauft nur mehr die Firma Royal Consumer Information Products, Inc. aus Hart- ford in Connecticut neue Schreibmaschinen. Rupert Lenzenweger Lustige „Tippmaschine“ Diese Wanderer- Schreibmaschine (lin- kes Bild) ist ein me- chanisches Wunder- werk, das nicht nur schreiben, sondern auch rechnen kann. Die Schreibmaschine auf dem rechten Bild schreibt in Blinden- schrift. Bilder: Rule

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