DOPPELPUNKT Dezember 2023

macht habe. Daheim beginnt dann das Aussortieren. Das dauert viele Tage. Wenn dann am Schluss 30 oder 40 wirk- lich gelungene Bilder heraus- kommen, war es eine erfolg- reiche Expedition. Diese Bil- der müssen dann auch noch digital bearbeitet werden. Da- zu brauche ich auch noch ein- mal gut eine Stunde pro Bild. Erst dann bin ich wirklich zu- frieden. Haben Sie Lieblingstiere, die Sie besonders gerne fo- tografieren? Hesch: Lieblingstiere wür- de ich jetzt nicht sagen. Aber Vögel faszinieren mich schon sehr. Rotwild oder Gemsen überraschen auch immer wie- der als Motive und wer einmal Hirsche während der Brunft- zeit vor der Linse hatte, wird diese Augenblicke nie verges- sen. Um zu guten Bildern zu kommen, müssen Sie oft auch tarnen und täuschen? Hesch: Ein Tarnzelt oder ein Tarnüberwurf sind recht nützlich. Allerdings muss ich mein Zelt oft vor dem ei- gentlichen Fototermin auf- bauen. Weil beispielswei- se besonders Rehe sehr vor- sichtig sind. Die haben ein fotografisches Gedächtnis und wenn sich in ihrer Um- gebung auch nur Kleinigkei- ten verändern, bekommen sie das sofort mit und mei- den dann eine Zeitlang den Platz. Erst wenn sich die Tie- re sicher sind, dass von mei- nem Tarnzelt keine Gefahr ausgeht, kann ich mit dem Fotografieren beginnen. Jetzt eine technische Fra- ge: Welche Ausrüstung be- nützen Sie? Hesch: Ich habe ein Teleob- jektiv mit 400 mm Brennwei- te, die ich mit einem Konver- ter auf 560 Millimeter ver- längern kann. Mit 1:2.8 ist das Objektiv sehr lichtstark. Trotzdem brauche ich oft 16.000 ISO, um genug Licht für Verschlusszeiten bis zu ei- ner sechstausendstel Sekunde zu haben. Und so kurz muss ich belichten, wenn ich etwa die Flügel eines Eisvogels ge- stochen scharf haben möchte. Sie geben Ihr Wissen auch weiter? Hesch: Ich mache regelmä- ßig Workshops und organisie- re auch immer wieder Foto- reisen in ganz Europa für ei- ne begrenzte Teilnehmerzahl. Ich halte aber auch Multime- dia-Vorträge, bei denen ich Einblick in die Welt meiner Sekundenbruchteile nach dem Fang: Fischadler startet mit seiner Beute. Bilder (3): Manfred Hesch faszinierenden Bilder gebe. Interview:RupertLenzenweger Das komplette Interview mit Manfred Hesch können Sie als Podcast auf www.flach- gau.tv/Podcasts hören. Mit diesem Bild vom fischenden Eisvogel konnte Manfred Hesch die Juroren überzeugen und wurde dafür als bester Wildtier- fotograf Österreichs ausgezeichnet.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0