DOPPELPUNKT Februar 2022
Seite 14 Das aktuelle Interview Februar 2022 30 Jahre Bierkabarett in Obertrum hat einen Na- men: Raoul Grabner. Seit drei Jahrzehnten ist er der unermüdliche Motor hinter dieser Flachgauer Kulturinsti- tution. Ich frage jetzt einmal ganz naiv: Wie hat das alles be- gonnen? Weil Sie seit jeher ein Kabarett-Fan waren? Grabner: Nein, ganz und gar nicht. Vor mehr als 30 Jahren hat mich kein Kabarett inte- ressiert. Eher Jazz oder Ver- nissagen. Und dann bin ich einmal durch Obertrum spa- ziert und die Tür zum Bier- keller der Brauerei stand of- fen. Vollgeräumt mit Gerüm- pel von vielen Umbauten. Trotzdem habe ich sofort ge- spürt, dass das ein idealer Ver- anstaltungsraum wäre. Ich ha- be dann mit dem Brauereibe- sitzer gesprochen und der hat gesagt, dass ich ihm einmal ein Konzept vorlegen soll. Al- so habe ich begonnen, mir al- le möglichen Veranstaltungen anzusehen. Und so bin ich dann schließlich beim Kaba- rett gelandet. Der Brauereibe- sitzer hat grünes Licht gege- ben mit den Worten: „Probie- ren sie es halt, weil es wird eh nichts daraus werden.“ Kabarett am Land war da- mals ein großes Wagnis? Grabner: Ja und nein. Im Grund hat ja nicht viel pas- sieren können. Also habe ich Peter Blaikner eingeladen. Er war der Erste, der auf der Bühne des Bierkabaretts stand und ist auch jetzt am 27. Jän- ner wieder zu Gast. Einen sei- ner ersten Auftritte hatte auch Günter Grünwald bei uns. Da- mals noch vor recht schütte- rem Publikum. Aber wie der durchgestartet ist, brauche ich eh nicht zu sagen. Dass er am 30. Mai wieder bei uns ist, freut mich ganz beson- ders. Ich habe ihm von un- serem 30-Jahre-Jubiläum er- zählt und da hat er zugesagt und konnte sich sogar noch auf seine Auftritte im Ober- trumer Bierkabarett erinnern. 30 Jahre Bierkabarett und 300 Vorstellungen. Da läuft nicht alles nach Plan. Wel- che lustigen Vorkommnis- se fallen Ihnen da spantan ein? Grabner: Da fällt mir aufAn- hieb ein Auftritt der Brennes- seln ein. Das war noch im al- ten Keller und in einer Szene wurde ein Schuss aus einem Revolver abgefeuert. Aber die Brennesseln haben die Platz- patrone mit einer Tränengas- patrone verwechselt. Als die Zuschauer ganz vorne aufge- standen und gegangen sind, habe ich mich zunächst gar nicht ausgekannt. Erst als ich in der Pause von der Verwech- selung erfahren habe, war mir diese plötzliche Flucht klar. Gut kann ich mich auch noch auf den Auftritt eines Trans- vestiten erinnern. Der war so toll als Frau hergerichtet, dass sie (ihn) ein Zuschauer nach der Show unbedingt kennen- lernen wollte. Als er vergeb- lich nach der Frau gesucht hat, haben wir ihm gesagt, dass die schon in ihr Zimmer ge- gangen ist, weil sie sich nicht gut gefühlt hat. Ich glaube, der Verehrer hat nie erfahren, dass die Frau auf der Bühne eigentlich ein Mann war. Da fällt mir auch noch ein, dass einmal während ei- ner Vorstellung das Misch- pult abgebrannt ist. Natür- lich war schlagartig der ganze Strom weg. Aber der Kabaret- tist hatte zufällig sein eigenes Mischpult im Auto. Wir bau- ten schnell um und nach einer Viertel Stunde ging es weiter mit dem Programm. Es wird aber nicht nur lusti- ge Situationen gegeben ha- ben. Wie oft haben Sie sich geärgert in den vergange- nen Jahren? Grabner: Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Aber richtig geärgert? Habe ich mich eigentlich kaum. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Kabarettis- „Probieren Sie es halt, wird eh nix ...” 27. Jänner Blaikner, Messner, Baumann „Plauschangriff“ 24. Februar Christoph Fälbl „Fälbl Melange“ 28. März Walter Kammerhofer „Für immer und ewig“ 28. April Roland Düringer „Freier Lauf“ 30. Mai Günter Grünwald „Definitiv vielleicht“ 30. Juni Nina Hartmann „Endlich Hausfrau“ 2022 Das Jubiläumsprogramm Raoul Grabner hat für das Jubiläums-Jahr ein besonders erle- senes Programm auf die Beine gestellt.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0