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Seite 2 Meinungen Jänner 2019 A lle Jahre wieder: Wir ha- ben den Kaffeesud der vergangenen Wochen nicht auf dem Komposthaufen entsorgt, sondern ordentlich gesammelt um daraus für Sie, geneigte Leserin, wohlwollender Leser, die Zukunft zu lesen. Erfahren Sie nur hier bei uns, was uns 2019 bringen wird. Jänner. Eigentlich ist ja auf den neuen Teststrecken auf der Westautobahn eine Spit- zengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern erlaubt. Tatsächlich wird aber im Durchschnitt nur um zwei Stundenkilometer schneller gefahren. Für Verkehrsminis- ter Norbert Hofer ein Grund, zwischen Mondsee und Salz- burg das Tempolimit auf 190 Stundenkilometer zu erhö- hen. Die logische Erklärung: „Wenn pro 10 Stundenkilome- ter über der 130er-Regelung eh nur um zwei Stundenkilometer schneller gefahren wird, dann brauchen wir ein 190er-Li- mit, damit tatsächlich alle 140 Stundenkilometer fahren.“ Neben den blauen Parteikol- legen jubeln nur Mitglieder verschiedener Porsche- und Ferrari-Clubs über diese Ent- scheidung. Februar. Wieder Aufregung um das dreirädrige Lasten- moped von Straßwalchenes Bürgermeisterkandidat Johan- nes Baumann. Nachdem das Vehikel im heurigen Sommer schon einmal auf einem Be- hindertenparkplatz abgestellt wurde, steht es jetzt plötzlich quer auf einem Zebrastrei- fen und behindert damit nicht nur die Fußgänger, sondern versperrt auch eine ganze Fahrspur. Aber niemand weiß, wie die Vespa Ape dort hin- gekommen ist. Da liegt die Vermutung nahe, dass das in Italien gebaute Fahrzeug mit einer Software für Italien aus- geliefert wurde. Und dort ist kreuz und quer parken schließ- lich ganz normal. März. Wir müssen am letz- ten Wochenende wieder die Uhren auf Sommerzeit umstel- len, nachdem es der EU nicht gelungen ist, eine einheitli- che Regelung zu finden. Da meldet sich der ehemalige Ge- meindebundpräsident Helmut Mödlhammer aus Hallwang zu Wort und fordert, die Zeitumstellung zu einer An- gelegenheit der Gemeinden zu machen. „Wie oft habe ich bei meinen Besuchen in den Ge- meinden von Bürgermeistern hören müssen, dass in ihren Gemeinden die Zeit etwas anders geht. Wieso also nicht auch in der Praxis umstellen?“, begründet Mödlhammer seine Forderung. April. DieDiskussion, obFranz Xaver Gruber Gitarre spielen konnte, oder nicht, nimmt in Berndorf kein Ende und gip- felt darin, dass über Nacht irgendwelche Spaßvögel le- bensgroße Beatles-Puppen aus Pappmaché neben das Gruber- Denkmal auf die Berndorfer Friedhofsmauer setzen. Dabei spielt John Lennon Posaune, Paul MacCartney wird eine Zither verpasst. George Harri- son wird mit einem Dudelsack dargestellt und Ringo Starr hält sich an einer riesigen Har- fe fest. Plötzlich fällt gar nicht mehr auf, dass Franz Xaver Gruber vielleicht ein falsches Instrument in Händen hält. Mai. Im Tauziehen um den beim Tunnelbau der HL- Strecke anfallenden Aushub zeichnete sich eine neue Lösung ab. Die beiden um- triebigen Fantasiana-Betreiber Erich Wagner und Heinz Grabler möchten das Aushub- material zum Märchenpark nach Straßwalchen transpor- tieren lassen um daraus dann die österreichischen Alpen im Maßstab 1:100 nachzubauen. Die dafür notwendigen Ein- reichpläne an die Gemeinde Straßwalchen wurden mit Mil- limeterangaben versehen. Juni. Eine Historikerkommis- sion kommt eher durch Zufall darauf, dass es heuer genau 201 Jahre her ist, dass das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ geschrie- ben und komponiert wurde. Landeshauptmann Wilfried Haslauer ist begeistert und befiehlt sofort eine mehrjähri- ge Landesausstellung in allen Salzburger Gemeinden. Al- le freien Wiesen werden mit riesigen Werbetafeln vollge- pflastert auf denen weiß auf violetten Grund nur „201“ zu lesen ist. Die Begeisterung beim Publikum hält sich eher in Grenzen, was bei Lan- desausstellungen jetzt nichts außergewöhnliches ist. Juli. Nix wird´s mit den Mi- nialpen rund ums Fantasiana. Schon in erster Instanz haben die Gemeindeväter einen ne- gativen Bescheid ausgestellt. Ausschlaggebend waren die Ergebnisse von internationalen Mathematikern, die man bei der Umrechnung der Einreich- pläne zu Rate gezogen hat. Demnach würde der im Plan mit einer Höhe von 3798000 Millimeter angegebene Groß- glockner tatsächlich immer noch knapp 40 Meter hoch werden und wäre damit 2,35 Mal so hoch wie der „Hofer- Turm“, der seit Beginn dieses Jahres das neue Wahrzeichen von Straßwalchen ist. August. Die auf 2027 ver- schobene Landesausstellung in Mondsee über die Pfahl- baukultur wird um weitere 30 Jahre verschoben. In Mondsee wird jetzt krampfhaft nach Al- ternativen gesucht. So soll auch eine neue Version des Films „Sound of music“ gedreht wer- den. Statt der „Trapp-Familie“ soll die „Trump-Familie“ im Mittelpunkt stehen. Kritiker befürchten deshalb einen Flop in Amerika. September. Die Lochener sind nach wie vor auf der Suche nach einem Pächter für den Bräugasthof im Ortszentrum. Angebote von Macdonald und Bürgerking wurden bisher ab- gelehnt. Auch Starbucks hätte Interesse an dem Lokal. Mehr Glück haben da schon die See- kirchner mit ihrem Hofwirt. Da übernimmt bereits der vierte Wirt in diesem Jahr das Gasthaus. Oktober. Der Wein der Fried- burger Hobbywinzer wird völlig überraschend vom Fein- schmeckermagazin „Falstaff“ zum besten Tropfen des Jahres gekürt, obwohl die Friedburger ihrenWeingar nicht eingereicht haben. Des Rätsels Lösung: Star-Winzer Leo Hillinger hat seinen Urlaub anonym im Eisenbahnerheim in Zell am Wallersee verbracht und dort zufällig Lengaus Bürgermeis- ter Erich Rippl getroffen. Der hat Hillinger ein Flascherl des 2018 gekelterten „Jahrhun- dertweins“ geschenkt. Diesen Wein reicht Hillinger irrtüm- lich zur Prämierung ein. Als das Versehen bemerkt wird, ist es bereits zu spät, die Aus- zeichnung schon vergeben. Das große Geschäft bleibt dennoch aus, weil die Friedburger nur mehr 13 Flaschen dieses edlen Tropfens haben. November. In verschiede- nen Lebensmittelgeschäften tauchen einzeln in Plastik ver- packte Bananen, Orangen, Zitronen und Mandarinen auf. Natürlich sind die Früchte vor dem Verpacken geschält worden, weil es sonst mög- lich wäre, dass Weichmacher, die mit dem Spritzwasser auf die Schalen gelangt sind, die Plastikverpackung angreifen und zerstören. Die EU überlegt ein Pfandsystem auf solche Plastik-Obst-Verpackungen einzuführen, beugt sich dann aber doch dem Druck der Be- triebe, die sich weltweit auf die Produktion solcher Obstver- packungsfolien spezialisiert haben. Dezember. Inder ZeitungDop- pelpunkt wird eine ganzseitige Entschuldigung abgedruckt, weil in diesem Jahr wieder einmal so gut wie nix von dem eingetreten ist, was der Kaffeesud im Dezember 2018 eigentlich vorausgesagt hat. Alpenglühen in Straßwalchen und Beatles auf der Berndorfer Friedhofsmaue r

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