DOPPELPUNKT Juni 2025

Das Interview Seite 15 Juni 2025 F ür viele ist die Honigbiene ein fliegendes Insekt das Blüten bestäubt und Honig produziert. Dass diese Biene und ihr Sozialleben sowie ihre Vermehrung hoch komplex ist, ist weniger bekannt. Weiters darf natürlich nicht der wirtschaftliche Faktor des Honigs vergessen werden. Gibt es eine neue Superbiene? Alleine im Bundesland Salz- burg gibt es etwa 28.000 Bie- nenvölker mit circa 50.000 Bienen pro Volk. Es gibt viele Umweltfaktoren und Schädlin- ge, die es auf unsere Honigbie- ne abgesehen haben. Einer da- von ist die Varroamilbe. Nun wurde eine resistente Biene ge- gen diese Varroamilbe gezüch- tet. Ist sie eine Superbiene und die endgültige Lösung des Pro- blems? Wir baten die Bienen- experten Andreas Brandl, Re- ferent für ökologische Bienen- haltung Salzburg, André Ar- nold, Obmann des Imker-Ver- eins in Seekirchen und Andreas Brieger, Obmann des Landes- verband für Imkerei und Bie- nenzucht in Salzburg zum In- terview. Was ist die Varroamilbe, wo- her kommt sie und was sind die Probleme für die Imkerei? Die Varroamilbe wurde Anfang der 1980 Jahre aus dem asia- tischen Raum eingeschleppt. Sie vermehrt sich im Bienen- stock, in dem sie die Larven an- beißt und sich dort entwickelt. Auf adulten Bienen sitzt sie als Schädling auf und kann so mit der Biene als blinder Passagier mitfliegen und sich auf andere Bienenstöcke ausbreiten. Die asiatische Honigbiene konn- te sich über lange Zeit gut an diesen Schädling anpassen und kommt damit zurecht. Auch die heimischen Wildbienenar- ten sind durch die Varroamil- be nicht gefährdet, da die Wild- bienen im Herbst sterben und sich der Schädling somit nicht weiter vermehren kann. Unsere heimische Honigbiene ist nicht so gut angepasst und kann we- sentlich schlechter damit umge- hen. Aber sie ist nicht wehrlos. Was weißt nicht wehrlos? Einige Bienen können durch den Geruch der Larven erken- nen ob sich ein Schädling in der Brutkammer befindet. Die- se wird dann ausgesondert. Das funktioniert aber nur bis zu ei- nem gewissen Grad an Befall. Sind zu viele Milben vorhan- den ist das Bienenvolk macht- los und der Bienenstock ist ver- loren. Was passiert wenn der Befall zu hoch ist? Ganz wichtig ist die engma- schige Überwachung des Bie- nenstockes durch den Imker. Das ist zeitintensiv und darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Milben sind immer in jedem Stock vorhanden. Ist der Milbenbefall zu hoch, wird es problematisch. Daher muss un- bedingt rechtzeitig eingegriffen werden. Welche Möglichkeiten gibt es gegen einen zu hohen Mil- benbefall vor zu gehen? Es gibt die biotechnischen Maßnahmen, also eine natürli- che Entnahme der Milbe über Fangwaben, und dann gibt es noch die medizinische Behand- lung mit Ameisen- oder Oxal- säure mit der jeweils vorge- schriebenen Behandlungsme- thode. Dies erfolgt immer nach der Honigernte um Verunreini- gungen zu vermeiden. Das hört sich im ersten Mo- ment sehr kompliziert an, ist es das auch? Eigentlich nicht. Das Wich- tigste ist die ständige Kontrol- le. Und falls ein Befall gege- ben ist, muss rechtzeitig mit der richtigen Methode eingegriffen werden. Aber es ist viel Wissen und Können nötig. Daher ist es unbedingt notwendig eine fun- dierte Ausbildung in der Imke- rei zu haben und ein Bienen- volk sollte nur von fachkundi- gen Personen gehalten werden. Was hat es nun mit der resis- tenten Biene, der Superbie- ne, auf sich? Ist das nicht ei- ne viel einfachere Möglich- keit, weil keine Kontrolle not- wendig ist? Bienenzüchtungen werden schon seit Jahren von den Im- kern vorgenommen. Es geht da immer um verschiedene Anla- gen, die ich züchten möchte. Ich werde zum Beispiel nicht mit einem stechfreudigen Volk weiterarbeiten, wenn ein ande- res Volk ganz harmlos ist. Das ist eine ganz normale Zucht- selektion, die der Imker vor- nimmt. Diese Resistenz gegen eine Schädlingsart, in dem Fall die Varroamilbe, ist nur eine weitere Züchtung. Es wird sich zeigen wie sich das entwickelt. Jede Züchtung hat Vor- und Nachteile. Die varroamilbenre- sistenten Bienen können aktu- ell nur unter sehr kontrollierten Bedingungen gehalten werden. Die Varroamilbe ist nur ein Schädling, der die Honigbie- ne bedroht. Was schädigt sie noch? Ja, das stimmt. Es gibt viele verschiedene Faktoren die der Honigbiene gefährlich wer- den können. In Süditalien gibt es den Beutenkäfer. Er steht in den Startlöchern und wir hof- fen, dass der Käfer nicht bald auch in Österreich auftritt. Lei- der halten sich Bienen wenig an Staatsgrenzen. Ein weite- rer Schädling ist die asiatische Hornisse. Sie wurde im Jahr 2024 das erste Mal in Öster- reich gesichtet. Aber der Kli- mawandel setzt den Bienen am meisten zu. Zu warmes Winter lässt das Volk nicht zur Ruhe kommen. Die Bienen sind da- durch im Dauerstress. Weiters macht sich mittlerweile auch der fehlende Regen stark be- merkbar, weil deshalb die Blü- tenbestände wesentlich weni- ger werden. Interview: Nicole Lenzenweger Andreas Brandl, Referent für ökologische Bienenhaltung Salzburg, Andreas Brieger, Obmann des Landesverband für Imkerei und Bie- nenzucht in Salzburg und André Arnold, Obmann des Imker-Vereins in Seekirchen (von links) beantworteten unsere Fragen. Imkerfest 25. Mai, ab 11 Uhr, Seekirchen Stadplatz Es gibt Honig, Herzhaftes, Hei- matklänge mit der Seekirchner Böhmische, eine Tombola und ein Kinderprogramm. Bild: Adobe Stock

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