DOPPELPUNKT März 2020

Frauen haben ihre Kinder mitgebracht. So, ich glaube, jetzt weißt Du alles, was noch irgendwie wichtig ist. Für Postenkommandant Karl Schrems ist der späte Nachmittag ins Land gezogen. Um diese Zeit geht er gerne ins Kaffeehaus. Das ist nicht weit. Nur quer über die Straße. Der Kommandant ist von seinem Posten sozusagen weg und auch wieder nicht, weil ja eh alle wissen wo er ist. Und wenn ihn jemand dringend braucht. Naja, einfach nur quer über die Straße. Gendarmerie-Aussenstelle, gewissermaßen. Kaum hat der Maurer einen Sitzplatz in der Außenstelle gefun- den, erfährt er über Funk, dass die Kollegen aus der großen Stadt gleich eintreffen werden. Alkohol-Kontrolle im Ort. Schon war die bisher gute Laune weg. Weil das war das letzte, was der Schrems heute noch brauchte. Irgendwelche Autofahrer kontrollieren, ob sie Alkohol getrunken haben. Und das auch noch am helllichten Tag. Das wäre dem Postenkommandanten nie eingefallen und er kann sich nur vorstellen, dass den Kollegen in der Stadt einfach nur fad ist. Ungefähr zur gleichen Zeit, als die Stadtinger unter den mürri- schen Blicken Schrems den Alkomat in Stellung brachten, verließ Elfi Schreckenberger mit zwei ihrer drei Kinder die Tupper-Par- ty. Und nach nicht einmal einem halben Kilometer ging´s Schlag auf Schlag. Verkehrskontrolle. Papiere. Warnweste und Pannen- dreieck. Und blasen. Elfi hatte fast ein Promille. Konnte sich das aber nicht erklären und begann mit den Beamten ein lebhaftes Ge- spräch, um den Disput einmal nur von der ganz vorsichtigen Seite zu betrachten. Die Burschen und das eine Mädchen in Uniform waren überzeugt, mit Elfi Schreckenberger jetzt eine Alkolenkerin gefasst zu haben. Die aber wehrte sich heftig, behauptet überzeu- gend, schon seit Tagen keinen Alkohol getrunken zu haben. Puh, da ging´s zu, das sag ich dir. Hin und wieder wurden die Worte sogar lauter. Auf beiden Seiten. Nur der Karl Schrems sagte nichts. Dem war das eher nur peinlich. Weil Elfis Mann, guter Freund vom Karl. Kegelbruder und Sitznachbar im Stadion, Wanderspezi und Stammtischbruder. Deshalb hätte er die Elfi nie kontrolliert. Und siehst, deshalb schicken die vom Landeskommando auch im- mer wieder fremde Patrouillen zu Alkoholkontrollen und überlas- sen das nicht den örtlichen Polizisten. Aber das will ich jetzt nur so ganz nebenbei gesagt haben. Und vielleicht denkst daran, wenn dich in den nächsten Tagen oder Wochenende ein dir unbekanntes Amtsorgan zur Verkehrskontrolle bittet. Wenn wir jetzt wieder unseren Blick auf Elfi und die Polizisten werfen, dann sind wir bei einer Phase angelangt, in der Elfi einfach behauptet, dass der Alkomat kaputt ist. Was die Beamten natürlich heftigst verneinen. Und jetzt horch aufmerksam zu. Weil das ich dir jetzt berichte, ist entweder eine Fügung Gottes, eine unglaub- liche Portion Frechheit oder das untrügliche Gefühl einer Mutter für ihre Kinder. Wahrscheinlich aber eine Mischung aus allem. Elfi bringt die Polizisten so weit, dass sie mit Hilfe ihrer Kinder den Alkomat überprüfen. Und jetzt kommt die Überraschung. Hätten die beiden Knirpse Führerschein, wären die auch weg. Beide Kin- der weit über 0,5 Promille. Da bricht der härteste Gesetzeshüter weg und verflucht die Technik und gibt kleinlaut zu, dass auch ein Alkomat kaputt sein kann. Erst daheim gibt´s die Strafpredigt für die Kinder. Weil Ver- kehrskontrolle hin, Verkehrskontrolle her. Es kann doch wirklich nicht sein, dass sich die Sprösslinge schon wieder hinter dem Rü- cken ihrer Mütter über die Bowle her gemacht haben. Für Karl Schrems geht ein letztlich doch eher ruhiger Tag zu Ende. Die Kollegen aus der Stadt sind nach der einzigen Alkohol- kontrolle mit ihrem vermeintlich kaputten Alkomaten abgezogen. Gerade rechtzeitig, so dass sich vor Dienstschluss für den Karl noch ein Bier und ein Schnapserl im Kaffeehaus ausgehen. Und sich die Erkenntnis einstellen kann, dass er sich am Morgen doch nicht getäuscht hat, der Karl. Als ihm zwischen den letzten verwir- renden Träumen und den ersten klaren Gedanken die Erkenntnis kam, dass heute nix passieren wird. n März 2020 Aktuelle Rundschau Seite 23 Hons Petutsching begeisterte in Henndorf Bildung hat er genug, geboren wurde er in einer Vollmondnacht oh- ne genauerem Datum und dass er kein Atomphysiker ist, sieht man ihm schon von weitem an. Kurzum: Hons Petutschnig ist Österreichs bekanntester Bauer und derzeit einer der meistgefragtesten Kaba- rettisten Österreichs. Dabei begeistert der Hons nicht nur im Inter- net auf You Tube, sondern auch auf den Kleinkunstbühnen des Lan- des. Und so verzauberte er jüngst auch das Publikum in der Waller- seehalle mit seinem Programm „der Teufel fährt Lada.“ Dabei er- zählt er höchst amüsant und in tiefstem Dialekt, was der Zutzelbau- er, der Kloatzenbauer und der Dorfpfarrer gemeinsam haben. So ist allen dreien vor kurzem die Frau davon gelaufen. Aber auch die Ehe vom Hons ist in Gefahr. Weil der neue Chef von seiner Frau bedient alle Klischees: Hat Geld und fährt SUV, hört Ö1, sieht verdammt gut aus und verzaubert mit seinem Charme im Handumdrehen. Aber trotzdem: Der Schönling hat die Rechnung ohne den Hons gemacht. Der kontert mit einem dreckigen Stallmantel, nennt die Dinge beim Namen und fährt einen alten Lada. Bild: Albert Moser B ücherfreunde wissen längst: Die größteAuswahl an gut sortierten Büchern ver- schiedenster Sachgebiete, Lite- ratur, Kinderbüchern oder so- wie eine große Anzahl an Ton- trägern gibt es alljährlich beim Buchbasar der Entwicklungs- hilfe Wallersee in der HLW Neumarkt. Heuer steht die- ser Pflichttermin für alle Bü- cherfreunde und Leseratten am 19. und 20. März auf dem Pro- gramm. Wer hier einkauft, findet nicht nur Klassiker und Raritäten fürs Bücherregal. Er tut auch etwas Gutes, denn der Reinerlös aus diesem Flohmarkt kommt stets Entwicklungsprojekten zugute. Heuer sind es indische Taglöh- nerkinder denen unter die Arme gegriffen wird. Denn so wie bei uns ist auch in Indien Bildung ein „Türöffner“, der es ermög- licht, extremer Armut und Dis- kriminierung zu entfliehen. Viele Kinder von Tagelöhnern brechen aber die Schule vorzei- tig ab, da sie im Unterricht nicht Buchbasar für indische Kinder mitkommen und ihnen zu Hau- se niemand helfen kann, weil die Eltern Analphabeten sind. Buchbasar: 19. März von 16 bis 20 Uhr. 20. März, von 9 bis 16 Uhr im Foyer der HLW Neumarkt. Nähere Aus- künfte und Spendenannah- me: Familie Bermadinger, Tel 0650/4311007 Kindern von indischen Tag- löhnern kommt der Erlös aus dem Buchbasar zugute.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0