DOPPELPUNKT Mai 2019
Vorgestellt Seite 14 erzlichst Franz Wendl, steht handschriftlich auf der ersten Seite des Buches, das seit wenigen Tagen bei mir im Regal steht und das ich an einem langenAbend in einem Zug gelesen habe. Obwohl der Franz zu mir gesagt hat, dass ich eigent- lich nur die ersten und die letzten Seiten lesen müsste, um einen Eindruck von seinem Leben zu gewinnen, das inzwischen gut 75 Jahre dauert. Aber wie das halt so ist. Da blätterst ein Buch durch, hantelst dich von Bild zu Bild, von Ka- pitel zu Kapitel und bist immer mehr fasziniert von dem was du liest. Franz Wendl ist ein bunter Hund. Bekannt als Sportler und Vielreisender, als ehemaliger Wirt der Mondseer Rösslbar und als beinahe täglicher Stammgast beim Frauenschuh. Seine Reisevor- träge locken Besucher aus nah und fern und seine Fotos verzaubern jeden Betrachter. Das ist die eine Seite des Franz Wendls. Auf der anderen Seite steckt im stets umtriebigen Franz ein Philosoph, der dich schon nach einem kurzen Gespräch zum Denken anregt. Und wenn er von seinem Leben erzählt, kommst aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bis zu seinem 50. Geburtstag war Franz Wendl Metzger und Wirt. Dann hat er sich auf sein Fahr- rad geschwungen, ist nach Assisi gefahren und hat damit seinem Leben eine völlig neue Wendung gegeben. Mit im Gepäck hatte er einen Fotoapparat, mit dem er bis dahin nichts im Sinn hatte und zu dem er auf höchst sonderliche Weise kam. Irgendwann hat die Kamera ein Gast in der Rössl- bar liegen gelassen und auch nach drei Jahren am Fundamt nicht abgeholt. Franz schenkte den Ap- parat seinem Schwager, dem er schon bald gestohlen wurde. Nach Monaten tauchte die Kamera als Diebesgut in Wien wieder auf und wurde nach Mondsee zurückgebracht. Spätestens jetzt war Franz Wendl klar: Wir beide gehören zusammen. Der Fotoapparat hat Franz Wendl gelernt, Dinge auf andere Weise zu sehen. Wie von selbst kam der „fotografische Blick“, der notwendig ist, um ganz besondere Bilder entstehen zu lassen. Und so kam Franz Wendl aus Assisi nicht nur mit ei- ner völlig neuen Lebenseinstellung zurück, sondern auch mit 1.700 Dias, mit denen er seine ers- te Diaschau gestaltete. Dutzende derartige Reisereportagen sollten in den nächsten 25 Jahren fol- gen. Über Reisen nach Kuba oder in die Sahara, nach Kasachstan oder auf die kleine kanarische Insel El Hierro. Um nur ein paar zu nennen. 75 Jahre, Zeit um Bilanz zu ziehen? Nicht für Franz Wendl. Der lässt sich nach wie vor von je- dem Tag neu überraschen und bleibt aktiv wie eh und je. Und so hat er vor wenigen Tagen die Neuauflage eines Bücherls über die Entsteheung von „Schwarzinidien” bei Mondsee herausge- geben. Rupert Lenzenweger In Salzburg n In Salzburg wird die Fußballmeisterschaft beendet. Die Vereine haben zu wenig Spieler. n In Untertauern wird das Elektrizitätswerk in Betrieb genommen. n Andreas Rohracher wird zum Erzbischof gewählt. n Während des Sommers dürfen als Energiesparmaßnahme keine elektrischen Glühbirnen verkauft werden. n Ein vom Halleiner Augustinerkloster ausgehender Großbrand vernichtet nicht nur Kloster und Kirche, sondern auch mehrere Häuser. n Benito Mussolini besucht Salzburg und trifft sich hier auch mit Adolf Hitler. Im Flachgau n Der Thalgauer Engelbert Weiss wird am 28. August zum Tode verurteilt, nachdem er 1939 die von den Nazis verbotenen „revolutionären Sozialisten“ neu gegründet hat. Weiß wird am Karfreitag 1944 enthauptet. Noch heute erinnert eine Gedenktafel in Thalgau an Engelbert Weiss. n In Mondsee stirbt der Bildhauer Leo von Moos. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören auch die Marmorbüste des Turnvaters Friedrich Jahn in Oberndorf. n In Straßwalchen wird ein „Bauernmäderllager“ abgehalten. n In Seekirchen wird eine neue Gemeinschaftswäscherei in Betrieb genommen. Was war 1949 sonst noch los? Kleiner Lauser. Franz Wendl mit sei- nem ersten Teddy-Bären. Immer auf Trab. Auch mit seinen 75 Jah- ren ist Franz Wendl quirlig wie eh und je. Bilder: privat H Franz Wendl Tausendsassa und Weltenbummler, Mondsee geb. 17. September 1943 n Geboren wurden sonst noch: Janis Joplin, amerikanische Rock- und Popsängerin; Roy Black, deutscher Schlagersänger; George Harrison, Sänger und Gitarrist der Beatles; Klaus Maria Brandauer, österreichischer Schauspieler; Oskar Lafontaine, ehemaliger deut- scher SPD-Ministerpräsident des Saarlandes und Königin Silvia von Schweden.
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