DOPPELPUNKT Oktober 2022

Seite 26 Oktober 2022 Das Interview D ie Olympischen Spiele 1972 in Mün- chen sind den meisten von uns nicht durch sportliche Leistungen in Erinnerung. Die ers- ten Gedanken an Mün- chen drehen sich um Terror und einen ver- suchten Befreiungs- schlag von Geiseln, bei dem insgesamt 14 Menschen ums Leben kamen. Wesentlich erfreulichere Er- innerungen an die Olympi- schen Spiele vor genau 50 Jahren hat der Lochener Ge- wichtheber Hans Anglberger. Der war als damals 21-Jäh- riger einer von 541 Fackel- läufern, die die olympische Flamme durch Österreich tru- gen. Wieso wurden gerade Sie als Fackelträger ausge- wählt? Anglberger: „Das war gar nicht so einfach. Von den 541 Fackelträgern durften drei Gewichtheber sein. Zwei aus der allgemeinen Klasse und ein Junior. Ich startete damals noch in der Juniorenklasse und für den Fackellauf gab es eine eigene Ausscheidung, die über fast ein Jahr ging. Ich war in dieser Zeit lange auf dem zweiten Platz. Dann konnte ich ganz überraschend die Staatsmeisterschaft in der allgemeinen Klasse gewinnen und habe mich damit im letz- ten Moment als Fackelträger qualifiziert.“ Wie ist der Fackellauf dann abgelaufen? Anglberger: „Ich bin am 21. August 1972 schon früh am Morgen mit unserem Vereins- obmann Peter Schnabl nach Neulengbach gefahren. Dort wurde mir dann gegen 10 Uhr das Feuer überreicht und ich musste genau einen Kilome- ter nach St. Pölten damit lau- fen. Im Grunde genommen war es nur ein schnelleres ge- hen, weil ich musste ja auf- passen, dass mir das Feuer nicht ausging. Klingt jetzt im Nachhinein betrachtet nicht recht spektakulär. Aber für mich und auch dem Gewicht- heberverband war das eine große Ehre. Die Fackel habe ich immer noch als schöne Er- innerung.“ In München bei den Olym- pischen Spielen waren Sie aber nicht? Anglberger: „Nicht als Teil- nehmer. Aber gemeinsam mit einigen Vereinskollegen aus Lochen sind wir nach Mün- chen zu den Gewichtheber- Bewerben gefahren um die österreichischen Teilnehmer anzufeuern. Das war ein paar Tage vor dem schrecklichen Attentat.“ Aber später waren Sie dann Teilnehmer bei olympischen Spielen? Anglberger: „Nicht in der allgemeinen Klasse, da bin ich zweimal ganz knapp am Olympia-Limit gescheitert. Aber bei den Spielen für die Masters, also quasi für die äl- teren Herren, habe ich zwi- schen 1977 und 2009 drei- mal an den Spielen teilge- nommen, die immer ein Jahr nach den regulären Olympi- schen Spielen ausgetragen werden. Und ich habe einmal Gold und zweimal Silber ge- wonnen.“ Drei Medaillen mit einem ganz besonderen Platz in Ihrer „Sammlung“? Anglberger: „Das kann man schon so sagen. Eine olym- pische Medaille ist für jeden Sportler etwas ganz besonde- res und glänzt entspre- chend hell. Aber auch die neun Europameis- tertitel und die acht Weltmeistertitel sind absolute Höhepunk- te meiner sportlichen Karriere.“ Und es könnten noch mehr werden. Anglberger: „Stimmt. Anfang Dezember sind in Orlando wieder Weltmeisterschaften. Darauf habe ich jetzt mein ganzes Training ausgerichtet. Denn da möchte ich nicht nur dabei sein, son- dern selbstverständ- lich auch meinen Welt- meistertitel verteidi- gen.“ Sie sind inzwischen über 70 Jahre alt und immer noch topfit. Wel- ches Rezept für Ihre ewige Jugend haben Sie? Anglberger: „Immer im Training bleiben. Ich trainie- re mehrmals die Woche und habe immer noch viel Spaß am Sport. Und dann setze ich mir stets Ziele, für die es sich lohnt, den ganzen Aufwand zu betreiben. Und dankbar muss ich für meine Gesund- heit sein, die gewissermaßen die Basis für alle diese Erfol- ge ist.“ Interview: Rupert Lenzenweger Hans Anglberger trug vor 50 Jahren die olympische Flamme Richtung München Hans Anglberger bei der Übernahme der olympischen Flam- me vor 50 Jahren in Neulengbach. Bild: privat

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