DOPPELPUNKT Oktober 2022
FAHRTWIND gewöhnliche Ausstrahlung. Leipzig. Einst lautstarker Rufer nach Freiheit in je- nen letzten Tagen der DDR, mit einer der Gallionsfigu- ren dieses Aufstands, Kurt Masur, dem damaligen Di- rigenten des berühmten Ge- wandhausorchesters, danach ein bisschen in Schieflage geraten ob der rechten Um- triebe, immer schon Messe- stadt und Schmelztiegel. Da ist man dann schon ein biss- chen naiv als Tourist aus dem Mondseeland, wenn auf einer Straßenkreuzung plötzlich die Polizisten anfangen, sich mit schusssicheren Westen und Helmen auszurüsten, wäh- rend eine Straße weiter im- mer mehr schwarz gekleidete Menschen aufgeregt Pläne für die Demo schmieden. Nicht gerade urlaubsgeeignet. Also weiter, bitte endlich ans Meer. Das nächste Meer wäre wohl die Ostsee, das nächste Ziel Rostock. Wenn schon, denn, bitte. Dazwischen ein Vor- beiflitzen auf der Autobahn an Berlin (man kann ein- fach nicht alles besichtigen), vorbei am einladend blauen Wannsee mit dem passenden Song im Auto: „Wann seh ich dich endlich wieder?“. Rostock ist defintiv touris- tisch. Dementprechend wäre ein frühes Buchen von Hotel- zimmern durchaus klug. Bei der Einfahrt in die hoteleige- ne Garage dann eine sensatio- nelle Begegnung: ein vorbei- gehender Fußgänger blickt auf das Auto, deutet, das Fenster herunter zu lassen. Ach du liebe Güte, ist was kaputt??? Im besten ober- österreichischen Dialekt: „I hob ja scho a boa moi Autos mit an Soizburga Kennzeichn gsehng, oba an Vöcklabru- cker nu nie!“ Der junge Ros- Tochter und Mutter auf Campingurlaub der besonderen Art. Weites Land an der Ostsee.
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