VOLLMOND 1-2018
FAHRTWIND eines der Paradiese Monte- negros. Bis zu 2.000 Meter hoch führen die Passstraßen. Kurvenreich schlängeln sich die Wege durch das Gebirgs- massiv der Dinariden, dessen höchster Berg mit 2.522 Me- ter der Bobotov Kuk ist. Rund um diesen mächtigen Koloss breiten sich eine hochalpine Landschaft aus, die gänzlich unberührt scheint. Viele Kilo- meter gondeln wir praktisch alleine durch die Einschicht. Nur hier und da ein Bauer, der nicht nur seine Landwirt- schaft betreibt, sondern auch Unterkünfte anbietet. In klei- nen Holzbaracken, die drei- eckig in die Landschaft gestellt werden, kann man für ein paar Euro übernachten. Und weil die Bauern auch Rösser im Stall haben, kommen neben den Wanderern auch immer mehr Reiter in diese Gegend. In Niksic hatten wir eine Nacht Quartier im Haus von Devin Stanisic bezogen. Der scheint so etwas wie ein Mul- tiunternehmer im Ort zu sein. Vor 15 Jahren war er Moto Cross Champion von Monte- negro, hat er uns erzählt, wäh- rend er jede Schraube unserer Hondas genau betrachtet um dann festzustellen: „Harleys sind das aber nicht. Und auch keine BMWs“. Stanisic ist auch Taxiunternehmer und veranstaltet Busreisen. Das ist unübersehbar, denn im riesigen Garten seines Hau- ses stehen dutzende ausge- musterte Busse vor allem aus Deutschland und Österreich. Gemeinsam mit einem An- gestellten haucht er den alten Bussen wieder Leben ein und lädt dann seine Landsleute zu Fahrten ins Blaue. Eine davon führt auch an den Pivsko Jezero. Das ist der größte Stausee des Landes und wurde von 1971 bis 1976 errichtet. Dabei wurde auch die Kleinstadt Pluzine über- flutet. Die Bewohner wur- den abgesiedelt und erhielten neue Häuser am Seeufer. Dar- über hinaus ist der 33 Kilo- meter lange und nur wenige 100 Meter breite See zu ei- nem Ausflugszentrum für die einheimische Bevölkerung geworden. „An den Wochen- enden fahren wir gerne zum Baden oder zum Fischen an den Pivsko Jezero“, erzählte uns Devin Stanisic und hat uns diesen kleinen Umweg auf unserer Fahrt in den Dur- mitor Nationalpark ans Herz gelegt. Tatsächlich entpuppt sich die Gegend rund um den See als imposanter Fjord, der sich bis an die Grenze nach Bosnien schlängelt. Dorthin verkaufen die Montenegriner übrigens auch einen Großteil des Stroms, den sie im Kraft- werk an der Talsperre erzeu- gen. Südöstlich des Durmitors liegt gleich der nächste Nati- onalpark, der Biogradska Go- ra. Der ist auch hochgebirgig und mit 56,5 Quadratkilome- tern der kleinste Nationalpark des Landes. Dafür stehen hier aber die höchsten Bäume, zu- sammengewachsen zu einen dichten Urwald, durch den bisher nur eine schmale Stra- ße geführt hat. Die wird jetzt großzügig ausgebaut, was uns eine unerwartete Gelände- etappe über mehr als 30 Ki- lometer Länge beschert hat. Loser Schotter, tiefe Schlag- löcher und querstehende Bau- fahrzeuge als beinahe unüber- windliche Schikanen freuen zwar meinen Sohn auf seiner geländegängigen Transalp. Meine ausschließlich auf Straßenbetrieb ausgerichtete CBR bringen sie hingegen an ihre Grenzen. Und so hump- le, stolpere und rutsche ich mehr als eine Stunde durch den Urwald. Und wäre uns nicht hin und wieder ein Auto entgegen gekommen hätte ich geschworen, dass diese Stra- ße ins absolute Niemandsland führt und irgendwann einmal völlig abrupt einfach zu Ende sein wird. Dem war aber nicht so. Irgendwann sah ich wieder zumindest bröckerlweise Asphalt. Die Schlaglöcher wurden kleiner als die Räder unserer Motorräder und wir landeten in Bijelo Polie, nahe der Grenze zu Serbien. Dass wird dort dann auch noch mit dem Hotel Dvor eines der besten Häuser des Landes als Nachtquartier fanden, ließ so- fort manche Strapaze bei der Anreise vergessen. Das Hotel Dvor schmückt sich mit drei Sternen und ist auch für unsere Verhältnisse jeden einzelnen vert. Für das Doppelzimmer mit reichhal- tigem Frühstück haben wird 40 Euro bezahlt. Das zeigt: Auf schmalen Straßen durch schroffe Felsen. So geht es an das Südufer des Skutarisees.
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