VOLLMOND 1-2022

10 VOLLMOND 1/2022 GENUSS im Mondseeland Dös beste Getränk, wann i wiadawöll denk, wann i nur a wen´g kost, is allweil der Most. * * * G enaugenommen brauchst zu die- sen Zeilen des Mu n d a r t d i c h - ters Franz Hö- nig nichts mehr zu sagen. Hönig ist gebürtiger Rieder und war von 1909 bis 1937 Bürgermeister von Krems- münster. Der Most hat ihn also ein Leben lang begleitet. Denn sowohl im innviertleri- schen Ried als auch im most- viertlerischen Kremsmünster ist der Most mehr als nur die Landessäure. Wen wunderts da, dass eines der bedeu- tendsten Bücher Hönigs den Titel „Dà Mostschädl“ trägt. Eine Bezeichnung übrigens, mit der die Leute aus diesen Regionen noch heute leben müssen. Apropos heute: Franz Hö- nig hätte sicherlich seine Freude daran, wenn er sehen könnte, welcher Beliebtheit sich der Most wieder erfreut. Nach dem Krieg verschwand der Most schier gänzlich von der Bildfläche. Das „arme Leute-Getränk“ war nicht mehr „in“, würde man heute sagen. Picksüße Limonaden und vor allem Bier liefen dem Most den Rang ab und ließen ihn in der Versenkung ver- schwinden. Bis in den Neunzigerjahren die Trendumkehr kam und heute liegt der Most gänzlich im Zeitgeist. Mehr noch: Der Most wird als Kultgetränk geschlürft und hat es damit bis in die feinsten Kreise ge- schafft. Auch wenn er dort mit Kohlensäure angereichert Cidre heißt und das Mascherl einer französischen Speziali- tät umgehängt bekommt. Ein Cidre hätte bei der Mostolympiade im Troad- kastn in Oberhofen keine Chance. Bis zum 6. März können Moste eingereicht werden. Am 9. März tagt dann eine zehnköpfe Jury um Gold-, Silber- und Bronzeme- daillen zu vergeben und am nächsten Tag findet die große Preisverleihung statt. Zum zehnten Mal veran- staltet Troadkastn-Wirt Hans Endesgrabner diese Most- olympiade und jedes Jahr sind an die 60 Teilnehmer mit dabei. Wer kann mitmachen? Endesgrabner: Grundsätz- lich jeder, der selbst einen Most hergestellt hat. Er muss den Most in einer klaren zwei Liter-Flasche bis zum 6. März zu uns bringen. Wir vergeben dann eine Startnummer und dann landet der Most vor der Jury. Was wird bewertet? Endesgrabner: Es geht um Reinheit, Farbe, Gesamt- eindruck und natürlich um den Geschmack. Bewerten wird nach dem umgekehrten Schulnotensystem. Also der Fünfer ist die beste Note. Wieso erfreut sich der Most wieder zunehmender Be- liebtheit? Endesgrabner: Weil der Most ein reines Naturprodukt ist und der Trend allgemein in diese Richtung geht. Auf- fallend ist, dass viele junge Leute bei der Mostolympiade mitmachen. Was ist ein richtig guter Most? Endesgrabner: Geschmä- cker sind natürlich verschie- den. Aber für mich sind die Biertrinker ein Maßstab. Wenn die nach dem ersten Glas Most ein zweites be- stellen und nicht auf Bier um- schwenken, dann ist der Most wirklich gut. Wie viele von den einge- reichten Most-Kostproben haben in den vergangenen Jahren eine Goldmedaille erreicht? Endesgrabner: Das ist ver- schieden. Aber bis zu zehn Goldmedaillen können es schon werden, die bei der Siegerehrung dann über- reicht werden. Übrigens: Zur Siegerehrung ist jeder Teil- nehmer mit zwei Begleitper- sonen eingeladen. Für alle gibt’s ein Bratl gratis. Für jeden eingereichten Most müssen acht Euro Startgeld bezahlt werden. Rupert Lenzenweger Mostolympiade in Oberhofen Einreichungen sind bis zum 6. März beim Troadkastn möglich

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