VOLLMOND 1-2024

VOLLMOND 1/2024 15 4 Goldhaubenfrauen aus Oberwang haben für den VOLLMOND die Punschkrapferl verkostet. Von links: Maria Schindlauer, Resi Strobl, Michaela Hintermaier, Ernestine Wienerroither, Maria Schindlauer und Maria Knoblechner. Alle Bilder: Rule S chon rein optisch trennt sich die Spreu vom Weizen. Fast schon Kunstwerke die Krapferl vom Obauer. Appetitlich und verführerisch die von Ölz. Der Rest ist Einheitsbrei. Sieht man von den Punsch-Herzen ab, die vom Geschmack her mit den beiden Siegern einigermaßen mithalten können. Mit ihrem Preis von 5,99 Euro aber den Vogel abschießen und mindestens doppelt so teuer sind, wie alle anderen Produkte. Die billigsten Punschkrapfen kosten 2,29 Euro oder umgerechnet 92 Cent je 100 Gramm. Diese Krapfen sind es auch, die sich auf den ersten Blick kaum von einander unterscheiden. Erst beim An- schneiden zeigt sich, dass es doch einige Unterschiede gibt. Das macht sich dann auch beim Geschmack bemerkbar. Von „viel zu fest“ über „teigig“ bis „schmeckt chemisch“ spannt sich dabei das Urteil unserer Jurorinnen. Aber nicht alles ist schlecht an den billigen Punschkrapfen. So schmeckt manches Krapferl durchaus „aromatisch“ oder überrascht mit einer „fluffigen“ Konsistenz. Lediglich die bei- den letzten Produkte in unserem Test ha- ben den Oberwanger Goldhaubenfrauen gar nicht geschmeckt. Dabei muss jetzt fairerweise gesagt werden, dass es kein Grundrezept für „das Punschkrapferl“ gibt. Diese typisch österreichische Süßspeise lässt somit vie- le Interpretationsmöglichkeiten zu. Die heute aber allgemein gängige Form als Würfel mit einer rosa Glasur dürfte in Wien entstanden sein. Dort wurden erst- mals auch Biskuitteig, Marmelade, Rum oder Punsch und Schokolade verarbeitet. Dass der Rum vor allem dazu dienen soll, den Geschmack des eventuell schon alten Teiges zu überdecken, ist ein Gerücht, das heute noch gerne verbreitet wird. Nichtsdestotrotz ist das Punschkrapferl eine der beliebtesten Süßspeisen in Ös- terreich. Das zeigt auch ein Blick in die Supermarktregale, in denen die Krapferl nicht nur mit rosa Glasur angeboten wer- den, sondern auch mit weißem Zucker- guss oder in dunklem Schokoladenman- tel. Und auch die Form kann variieren. So gibt es nicht nur Punsch-Herzen wie bei uns im Test, sondern auch Punsch- torten oder Punschschnitten. Außerdem werden heutzutage die im Lebensmittel- handel erhältlichen Punschkrapfen häu- fig mit Rum- oder Punscharoma statt Al- kohol hergestellt. Rupert Lenzenweger 5 6 7 8

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