VOLLMOND 2-2002

ze behalten. Viele Kinder sind wahre „Münzwerfmeis- ter“ und bessern sich so ihr Taschengeld auf. N aturalien waren im Mit- telalter der Zins, den Pächter ihren Lehnsherren bringen mussten. Und weil damals aber Eier als „flüs- siges Fleisch“ angesehen wurden, durften sie in der Fastenzeit nicht gegessen werden. Also wurden die Eier gekocht, um sie für die Tage nach der Fastenzeit haltbar zu machen. Das ist mit ein Grund für die Entste- hung der Ostereier. O mega und Alpha, also die griechischen Buch- staben für Ende und Anfang, finden wird auf den Oster- kerzen, meist weiße, große, aus Wachs bestehende Kerze, auf der neben einem großen roten Kreuz oft auch die Jahreszahl steht. Entzündet werden Osterkerzen zu Be- ginn der Osternachtsfeier am Osterfeuer. P ecken ist ein großer Spaß und wird mit den Ostereiern gemacht. Ein Spiel für die ganze Familie, bei dem es darum geht, dem anderen das Ei einzuschla- gen. Sieger ist derjenige, dessen Ei alle (manchmal auch hinterhältige und nicht ganz regelkonforme) An- griffe übersteht. Q uatsch oder nicht? Wenn es zu Ostern regnet, geben die Kühe das ganze Jahr viel Milch. Außerdem wird es an jedem Sonntag bis Pfingsten regnet. Das besagt zumindest eine alte Bauern- regel aus Lettland. R atschen ersetzen die Os- terglocken, wenn diese am Gründonnerstag nach Rom fliegen. Ratschen sind Knattergeräte, die meist von den Ratschenbuam selbst ge- bastelt werden. Die Ratschen sind bis zur Osternacht im Einsatz. Dann kommen die Glocken wieder aus Rom zurück. Übrigens: Seit 2015 ist das Ratschen in der Kar- woche von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe an- erkannt. S peisenweihe ist eine der ältesten österlichen Tradi- tionen und gibt es seit mehr als tausend Jahren. Heutzu- tage werden neben Fleisch- waren vor allem Eier und Milchprodukte zur Weihe am Ostersonntag mitgebracht. T aufpatinnen bringen am Osterwochenende ihren Schützlingen ein riesiges Osterkipferl. Dieser Brauch ist vor allem in Teilen der Steiermark aber auch im Mühl- und Traunviertel weit verbreitet. Das Briochekip- ferl im Großformat mit bis zu einem halben Meter Durch- messer wird auch „Godnkip- ferl“ genannt. U ri et Orbi ist der Segen, den der Papst am Oster- sonntag in die Welt hinaus schickt. Jährlich kommen Tausende Pilger nach Rom, um bei diesem Ostergruß des Papstes am Petersplatz dabei zu sein. Hunderte Fern- sehstationen übertragen den „Segen für die Stadt und den Erdkreis“ auch live. V erschleppt werden in einigen Orten im Salz- kammergut in der Nacht von Ostersonntag auf Oster- montag Gegenstände die frei herumstehen und ein Rad haben. Das nennt sich dann „Oarradeln“ (Eierradeln) und ist wahrscheinlich nur für die ein Spaß, die das Zeug ver- schleppen. W asser wird von Pries- tern in der Osternacht geweiht und wird dann gerne für die Taufen des folgen- den Jahres hergenommen. Außerdem wird Wasser für die Häuser der Gemeinde geweiht, um diese damit vor Unheil zu schützen. X P war noch vor dem Kreuz das erste Chris- tusmonogramm. Ab den zweiten Jahrhundert wurde dieses Zeichen von Christen verwendet um ihren Glauben zu repräsentieren. Heute fin- det sich XP noch relativ oft auf Osterkerzen. Y sop ist ein relativ häufi- ges Wildkraut, das auch als Bienen- oder Eisenkraut bekannt ist und in jüngster Zeit eine Renaissance als Würz- und Heilkraut erlebt. Mit Ysop kann man aber als natürliche Farbe Ostereiern einen grünlichen Farbton verpassen. Z ickig gibt sich hin und wieder der Palmesel. Selbst geballte Manneskraft hilft dann oft nichts mehr. Der Esel bleibt stur und schon so mancher als Jesu verkleidete Ministrant musste die letzten Schritte zur Kir- chen statt auf dem Rücken des Esels auf „Schuster Rap- pen“ zurücklegen. VOLLMOND 2/2020 33

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