VOLLMOND 2-2025

VOLLMOND 2/2025 13 In Tansania wurde Jasmin Wendl vom Bauherren gebeten, ei- ne Wand in einem neu gebauten Gästehaus zu gestalten. „Mutig zu sein, einfach ,Ja, zu sagen und los zu gehen… das ist meist der Anfang von etwas Wun- dervollem.“ Jasmin Wendl Afrika war für Sie kein Neu- land. Wie oft waren Sie schon dort und was faszi- niert Sie an diesem Konti- nent? Jasmin: „Es war bereits mei- ne dritte Reise nach Afrika, gemeinsam mit einer sehr guten Freundin. Das Leben in Uganda und Tansania war mir schon vertraut, Kenya sowie auch die Westküste von Sene- gal über Gambia, Sierra Leo- ne, Liberia und Ghana war allerdings ganz neu für mich. Das Faszinierende sind neben den vielfältigen Landschaften vor allem die Begegnungen mit den Menschen und Kul- turen. Man erlebt die Armut hautnah, aber gleichzeitig er- fährt man unglaubliche Gast- freundschaft, Leichtigkeit und Urvertrauen. Diese Ein- stellung zum Leben beein- druckt mich jedes Mal aufs Neue. Das färbt auch auf das eigene Gemüt ab. Man wird flexibel, muss sich immer wieder auf Überraschungen einstellen und lernt, einen ,Gang runter zu schalten , und seine Zufriedenheit weniger von materiellen Dingen ab- hängig zu machen. Wo haben Sie bei dieser Reise geschlafen? Jasmin: „Nur mit einem Rucksack zu reisen ermög- licht viel Flexibilität. Mit der Einstellung, sich an den Lebensstandard der Einhei- mischen anpassen zu wol- len und tiefem Vertrauen darauf, immer die richtigen Menschen zu treffen haben wir sehr viele berührende Erfahrungen diesbezüglich machen dürfen. So hat sich für uns immer wieder ein Nachtquartier ergeben. Oft hat jemand einen gekannt, der wieder einen kennt, der einen Schlafplatz für uns hat- te. Und manchmal führte uns der Zufall auch an Orte, an denen ich mich kreativ aus- leben durfte. So konnte ich in einem neuen Gästehaus in Tansania einige Wände mit meinen Gemälden gestalten.“ Mit Urlaub hat das aber nichts zu tun? Jasmin: „Naja, wenn man ,Urlaub , mit Ent- spannung in Verbindung bringt, dann vielleicht nicht. Aber mein Antrieb zu Reisen ist die Neugierde, das Gefühl, etwas lernen zu wollen und meinen Horizont zu erweitern. Und das geht einfach nur, wenn man sich aus der Komfort- zone wagt. Diesmal wollte ich erfahren, wie es ist, ohne Zeitlimit los- zuziehen. Ich habe mein Auto verkauft und meine Wohnung aufgegeben und bin in die völlige Freiheit gestartet. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich nach drei Monaten festgestellt, dass ich vieles in meinem Leben beginne zu vermissen. Ganz besonders den Raum um meine Kreati- vität voll und ganz zu leben“. Wie war es, nach so langer Zeit in einer gänzlich ande- ren Welt wieder daheim zu sein? Jasmin: „Das Heimkommen ist für mich immer etwas Be- sonderes, weil ich nie so zu- rückkehre, wie ich losgezo- gen bin. Ich fühle mich ver- bunden zu meiner Heimat. So sehr ich mich auf eine bevor- stehende Reise freue und von ganzem Herzen dankbar bin, diese Erfahrungen machen zu dürfen, so sehr schätze ich auch mein Zuhause - ein Ort an dem mir alle Möglichkei- ten offen stehen.“ Gibt es etwas, dass Sie von Ihrer Reise mitgebracht ha- ben? Jasmin: „Neben vielen Er- fahrungen und persönlichem Wachstum habe ich Material für meine Gemälde mit nach- hause gebracht. Viele mei- ner Werke entstehen nun auf diesem „Baobab-Material“, welches aus einer Faser des Affenbrotbaumes hergestellt wird und für mich mehr als nur der Untergrund meiner Werke ist. Dieses Material trägt viele Emotionen und kulturelle Hintergründe aus Afrika mit, die es besonders einzigartig machen.“ Womit bemalen Sie ihre „af- rikanischen Leinwände“? Jasmin : „Von Lacken über Acryl bis hin zu Lehm liebe ich es, zu experimentieren und meist entstehen dabei abstrahierte Portraits. Mein Fokus liegt nicht darauf, je- manden real abzubilden, son- dern auf dem Ausdruck der Emotionen und Geschichten, die hinter den Gesichtern ver- borgen sind.“ Jasmin Wendl ist 28 Jahre alt, lebt in Mondsee. Freischaffende Künstlerin, autodidakt. Ihre erste Vernissage steht am 10. Mai um 18 Uhr im Firmen- gebäude von Ebner Bau in St. Lorenz auf dem Programm.

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