VOLLMOND 3-2026
10 VOLLMOND 3/2026 REPORTAGE aus dem Mondseeland So oft wie Peter Simonischek stand kein anderer Schauspieler als Jedermann auf der Bühne des Salzburger Domplatzes. Von 2002 bis 2009 war er bei 91 Vorstellungen der Hauptdarsteller im Spiel um das Leben und Sterben des reichen Mannes. Simonischek mag vielleicht in Salzburg mit seinen acht Saisonen als „Rekord-Jedermann“ gelten, Willi Meingast aus Mondsee kann er damit aber nicht das Wasser reichen. Wenn Meingast heu- er Ende August zum letzten Mal begleitet von den Guten Werken ins Grab steigt, dann beendet er eine 20-jährige Karriere als Jedermann mit mehr als 120 Vorstellungen. Die Jedermann-Aufführun- gen auf der Karlsbühne mitten im Ortszentrum von Mondsee gehören seit mehr als 100 Jah- ren zum fixen Kulturprogramm und ziehen Zuschauer aus nah und fern an. In den vergange- nen 20 Jahren hat diese Auffüh- rungen Willi Meingast als Je- dermann g e p r ä g t . Nicht nur als Hauptdars t e l l er, sondern auch als Regisseur. Als sol- cher wird er künf- tig weiter das En- semble leiten, das sich gerade in einem Umbruch befindet. Denn neben dem Jedermann stehen auch noch andere Dar- steller heuer zum letzten Mal auf der Bühne. Wie fließend dabei der Übergang gestaltet wird, zeigt sich bei Willi Mein- gast. Der wechselt sich schon bei den heurigen sechs Vorstel- lungen mit seinem Nachfolger Philipp Hackl ab. „Bei uns vollzieht sich mo- mentan gewissermaßen ein Generationenwechsel“, sagt Willi Meingast und spricht als Regisseur, der in Zukunft so gut wie alle tragenden Rollen doppelt besetzt sehen möchte: „Dabei legen wir großen Wert darauf, dass es zu keinem qua- litativen Unterschied kommt“. Anderseits wird es dadurch ei- ne gewisse Flexibilität während der intensiven Sommer-Spiel- zeit geben. „So ein Übergang kann nicht von heute auf morgen erfolgen, weil wir dazu ja auch die pas- senden Schauspieler brauchen. Deshalb sind wir auch laufend auf der Suche nach Talenten“, macht Meingast allen Mut, die zwar Interesse hätten, sich aber bisher noch nie auf eine Bühne getraut haben. Der Mondseer Mundart-Je- dermann entstand einst als Kontrast zum elitären Salz- burger Pendant. Weil sich vie- le Menschen den Besuch dort nicht leisten konnten, schrieb Franz Löser die „Festspiele des kleinen Mannes“. Selbst Hugo von Hofmannsthal war von der Idee angetan und auch Thea- terlegende Max Reinhardt Jedermann ver
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