VOLLMOND 4-2018
August 2018 SAGE AUS DEM MONDSEELAND erleuchtet. Die Orgel spielte die herrlichsten Melodien und es ertönte wunderbarer Ge- sang. Das waren die Buchel- mandln, die dort in der Nacht ihren Gottesdienst abhielten. Da wollte ein sehr neugieriger Mensch die Männlein sehen und schlich sich heimlich in die Kirche. Sofort hörte das Orgelspielen und Singen auf und die Lichter erloschen. Seit- dem hielten die Buchelmandln keinen Gottesdienst mehr in dieser Kirche. Auch am Wolfgangsee leuch- teten früher die Buchelmänn- chen den Menschen, die mit ihren Booten in der Finsternis auf dem See fuhren. Nie hatte sie aber ein Mensch zu sehen bekommen, höchstens eine Hand von ihnen, die ein strah- lendes Lichtlein trug. Früher gab es noch um den See alte Leute die erzählten, dass sie von diesen Seegeistern mit ihren Lichtern bei Nacht und n früheren Zei- ten konnten die Fischer nicht selten kleine Männlein mit Fackeln auf dem See dahinschwe- ben sehen. Das waren die Buchelmandln, die sich in den Sommernächten am Mondsee zeigten. Obwohl sie oft nahe an die Fischerboote herankamen, taten sie den Fi- schern nichts. Man konnte von ihnen nur einen ausgestreckten Arm sehen, der die brennende Fackel aus Buchenholz trug. Viele Sagen erzählen von den Buchelmandln. Einmal fuhr ein Fischer mit seinem Einbaum nach Hause, da kam ein Buchelmandl ganz in seine Nähe als ob es ihm heimleuchten wollte. Da er- laubte sich der Fischer einen Spaß und sagte: „Geh gib mir Feuer für meine Tabakpfeife!“ Kaum hatte er das gesagt, so saß auch schon das Mandl ne- ben ihm im Boot. Im selben Augenblick begann das Boot zu sinken. Der Fischer, der nicht schwimmen konnte, hat- te große Angst. Er ruderte was er konnte und erreichte mit letzter Kraft seine Fischerhüt- te. Da war das Buchelmandl verschwunden. Der ausgestan- dene Schrecken war für den Fi- scher die Strafe und auch eine Warnung die Buchelmandl nie mehr zu belästigen und nicht ihre Ruhe zu stören. Wenn in Unterach am Atter- see die Fischer oder Flößer bei Nacht und Nebel den Heimweg nicht mehr wussten, riefen sie einfach: „Buchelmandel hilf uns!“ Da setzte sich ein Mandl mit seinem Licht ganz vorn in das Boot und zeigt den Weg zur Schiffhütte. Aber wehe dem der es wagte mit einem Buchelmandl zu scherzen oder gar zu verspotten. Der wurde in den See geworfen und musste ertrinken. In Unterach war einmal in der Thomasnacht die Kirche hell Nebel sicher ans Land gewie- sen worden sind. Sagenquelle aus dem Buch: Wundersames Mondseeland. Sagen, Legenden, Erzählungen für Kinder und Erwachsene. Gesammelt und neu erzählt von Anton Reisinger, illustriert von Agneta Gräfin von Almeida, Verlag omnipublica, ISBN-10: 3-9502162-4-3, Euro 14,00 Verkauf: Museum Mondsee- land, neben der Basilika.
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