VOLLMOND 4-2018

VOLLMOND 4-2018

August INTERVIEW AUS DEM MONDSEELAND Die Begegnungszone im Ortszentrum von Thalgau strahlt in die- sen Tagen südländisches Flair aus. Alle Bilder: Rule I rgendwie abergläubisch? Auf alle Fälle wollte Jo- hann Grubinger nicht im Büro des Bürgermeisters Platz nehmen, bevor er nicht auch wirklich dazu gewählt worden war. Eigentlich be- schlossene Sache. „Aber man weiß ja nie“, lacht das neue Gemeindeoberhaupt 48 Stun- den nach seiner Wahl zum Bür- germeister. Und sitzt nicht nur auf dem Sessel, sondern hat auch schon das Aussehen des Büros verändert. Drei großfor- matige Bilder des Thalgauer Künstlers Othmar Eiterer zie- ren die Wände. Die passen da gut hin und entsprechen auch dem Geschmack von Johann Grubinger. Der früher Einrich- tungsberater war und dabei viel mit Architekten zusammenge- arbeitet hat. Also ein Schön- geist? „Ja, eigentlich schon ein bisserl“, sagt Grubinger und stapelt damit etwas tief. Weil genau genommen war er es, der in den vergangenen Jahren der Gemeinde ein neues Gesicht gegeben hat. Gemeinsam mit dem seit wenigen Tagen „Alt“- Bürgermeister Martin Greis- berger hat er die Begegnungs- zone erfunden und auch in die Praxis umgesetzt. Sieben Jahre hat das gedauert, aber jetzt hat Thalgau ein Ortszentrum, um das es von vielen Gemeinden beneidet wird. Dass das neue Gesicht auch den ursprüngli- chen Kritikern dieses Projektes jetzt gefällt, freut Grubinger. Und so will er künftig auch sei- ne Politik gestalten. Grubinger: „Ich glaube, dass wir in Zukunft nur etwas weiter- bringen, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir brauchen kein Hick-hack son- dern einen respektvollen Um- gang miteinander. Ich meine das jetzt nicht nur politisch, sondern über alle Bereiche hinweg. Da- zu gehört auch, dass wir Projek- te wirklich ernsthaft angehen. Wenn etwas passiert, dann muss das von Grund auf angepackt werden. Nur so kommt dann auch brauchbares heraus.“ Welche Projekte sind es, die sie in Zukunft so „ernsthaft“ angehen wollen? Grubinger: „Das müssen jetzt gar nicht so große Dinge sein, wie sie in den vergange- nen Jahren geschaffen wurden. Ich sag jetzt einmal so: Wenn Umbau des Gemeindeamtes und der geplante Neubau der Feuerwehr Unterdorf abge- schlossen sind, dann haben wir die Hardware erledigt. Unsere Aufgabe muss es jetzt sein, der Hardware auch eine Softwa- re zu verpassen. Das beginnt bespielsweise damit, dass sich die Kulturschaffenden enger als bisher zusammenschlie- ßen. Dass sich das Brauchtum vernetzt und dass wir Politiker noch mehr als bisher die Bürger bei Projekten einbinden. Dann kann wirklich etwas entstehen und das ist für mich auch die einzige Möglichkeit, dass sich Gemeinden auch in Zukunft noch gewisse Spielräume er- halten können.“ Spielräume? Wozu und wie sollen die aussehen? Grubinger: „Seien wir uns ehrlich. Von den übergeordne- ten Instanzen wird immer mehr auf die Gemeinden abgewälzt. Wir sind knapp davor, nur mehr Verwaltungs- und Voll- zugsbehörde zu sein. So weit darf es nicht kommen. Die Gemeinden sollten Pioniere sein bei der Entwicklungsar- beit. Deshalb ist Thalgau auch im Zusammenschluss der Zu- kunftsorte. Das sind rund ein Dutzend österreichische Ge- meinden, die einen regen Er- fahrungsaustausch miteinan- der pflegen. So kann jeder vom anderen lernen. Ein Beispiel: In Zukunft wird es nicht mehr genügen, nur Gewerbeflächen für Betriebe bereit zu stellen. Weil es gibt inzwischen vie- le erfolgreiche Firmen die oft nicht mehr brauchen, als einen schnellen Internetanschluss. Ist der nicht da, wandern nicht nur die Firmen ab, sondern auch die Menschen die dahinter ste- cken. Also ein doppelter Ver- lust für eine Gemeinde. Solche Bedürfnisse und Erfordernisse zu erkennen wird immer mehr unsere Aufgabe sein.“ „Die Hardware haben wir, brauchen wir die Soft Zur PERSON: Johann Grubinger wur- de am 2. Oktober 1971 geboren und lebt mit seiner Lebensgefähr- tin Sandra und seinem Sohn Jonas am Zacherl- gut. Das ist ein Bauern- hof auf dem tiergestüt- ze Therapien für Kinder angeboten werden. Auf dem Hof gibt es Pferde, Schafe, Lämmer, Zie- gen, Hühner und Kune- kune-Schweine, die sich durch eine besonders soziale Ader auszeich- nen und die Lieblinge am Bauernhof sind.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0