VOLLMOND 4-2020
VOLLMOND 4/2020 15 4 5 7 8 5 Sie verkosteten die Saucen Tartare: Geschäftsführer David Pöllmann und seine Mitarbeiter Manuel Achleitner, Christina Edtmayer, Tho- mas Handl und Günther Achleitner (von links). Alle Bilder: Rule te. Wer dennoch eine gute Sauce Tarta- re sucht und schon beim Hofer ist, der braucht nur zur BBQ-Sauce greifen, die von unseren Testern auf den zweiten Platz gereiht wurde und mit 33 Cent je 100 Milliliter noch immer zu den billigs- ten Saucen gehört. Abseits des reinen Geschmackstests ist uns noch etwas aufgefallen, worüber sich wohl auch schon jeder geärgert haben dürfte. Nämlich: Wie bekomme ich die Sauce aus den schlanken Flaschen, die uns Felix, Kuner und Spar vor die Nase stellen. In der Praxis geht das eigentlich nur mit dem Löffelstiel. Und dass das sehr oft in einer unsäglichen Kleckserei endet, hat wohl auch schon jeder selbst erlebt... „Geschenk für die junge Hausfrau“ ist der Titel eines Standardwerkes, das seit 1861 vielen jungen Russinnen zur Ehe geschenkt wurde. Geschrieben hat das Kochbuch Jelena Molochovetsch und ihr ist es dabei darum gegangen, ungeübten Köchinnen möglichst viele Grundrezepte auf einfache Art näher zu bringen. Und was bitte hat das jetzt alles mit Sauce Tartare zu tun? Ganz einfach: In „Ge- schenk für die junge Hausfrau“ wird erst- mals eine Rezept-Urversion dieser Sauce mit Senf, Eigelb, Zucker, Olivenöl, Salz, viel Essig, hart gekochten Eiern, frischen Gurken, eingelegten Pilzen, Frühlings- zwiebeln, Dill, Kapern und Oliven be- schrieben. „Erfinder“ dieser Sauce dürften aller- dings französische Köche gewesen sein, die im 19. Jahrhundert in Diensten von russischen Adeligen standen. Einer die- ser Köche war Urbain Dubois und der verwöhnte bereits um 1850 den Prinzen Aleksej Orlox mit einer „Mayonnaise à la Tartare“. Mit Mongolen oder Tartaren hat die Sauce allerdings nichts zu tun und wo- her der Name tatsächlich stammt, ist ein Rätsel. Vermutet wird, dass der Name einfach auf die exotische Herkunft dieser Sauce hindeuten soll und die schon zu Beginn des 20. Jahrhundert praktisch in ganz Europa bekannt war und seither in mehr oder weniger großen Abwandlun- gen in England zum Fisch genauso ge- reicht wird, wie bei uns zum Roastbeef, zu Gemüse oder kalten Braten und in den südlichen Ländern zu allen Arten von Meeresfrüchten.
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