VOLLMOND 4-2025
Der Teufel ist halt S eit 30 Jahren ist Peter Birgel Schauspieler beim Mondseer Jeder- mann. Zunächst als Jedermanns Kumpel und seit 18 Jahren als Teu- fel, der für ihn neben dem Jedermann die schönste Rolle mit allen Facetten ist. Müssen Sie nach fast zwei Jahrzehnten als Teufel den Text immer wieder neu ler- nen? Oder anders gefragt: Würde Sie jemand mit- ten in der Nacht aus dem Tiefschlaf wecken und Ih- nen ein Stichwort aus dem Stück zuwerfen … Birgel: „…Müsste ich nicht einmal die Augen aufma- chen, um meine Antwort darauf zu geben. Natürlich habe ich nach all den Jah- ren den Text intus. Obwohl es selten schon vorkommt, dass mir nach einer Vor- stellung die Souffleuse sagt, dass ich einen Satz ausge- lassen habe. Aber das pas- siert im Eifer des Gefechts und fällt niemanden auf.“ Apropos „Eifer des Ge- fechts“. Ihre Rolle ist ja auch körperlich recht he- rausfordernd. Wie bereiten Sie sich darauf vor? Birgel: „Ich wärme mich vor meinen Auftritten auf. Ich laufe ein Stückerl, ma- che Lockerungs-, Dehn- und Stimmübungen. Weil die Rolle des Teufels lebt ja davon, dass er halt ein klei- nes Springginkerl ist und von einer Bühnenseite auf die andere fetzt. Gerade das macht diese Rolle so lebhaft und überzeugend. Man hat Freiheiten, die andere Rol- len nicht bieten. Oder anders gesagt: da kann ich mich austoben. Weil es ist ja auch wirklich zum Ärgern. Da bist als Teufel felsenfest überzeugt, dass dir die Seele des Jeder- manns nach dessen lotter- haftem Leben gehört. Dann verlierst nach Verhand- lungen mit dem Glauben, der Jedermann bereut und kommt doch noch in den Himmel.“ Wie lange dauert es, bis der Teufel für seinen Auftritt fertig ist? Birgel: „Das Schminken ist jedes Mal eine Proze- dur und dauert bis zu einer halben Stunde. Noch auf- wändiger ist dann aber das Abschminken. Nur mit du- schen ist es da nicht getan. Und es kann schon vorkom- men, dass sich noch einige Tage nach der Aufführung unter meinen Fingernägeln Schminke findet. Aber auch auf dem Hemdkragen oder der Bettwäsche. So wie mir geht es noch dem Mamon, der ähnlich aufwän- dig bemalt wird wie ich.“ Wie schwierig ist es eigent- lich, das En- semble bei- sammen zu halten, nachdem ja jedes Jahr zur Hauptur- laubszeit gespielt wird? Birgel: „Natürlich ist das eine gewisse Herausforderung, weil wir in manchen Szenen bis zu 80 Darsteller auf die Bühne bringen müs- sen. Aber für alle Rollen gibt es Doppelbesetzungen, so dass wir schon ein bisserl jonglieren können. Nur für den Jedermann und den Teufel gibt es derzeit kei- nen Ersatz. Aber da müssen der Willi Meingast – das ist unser Jedermann – und ich halt durch.“ Also keine Besetzungspro- bleme? Birgel: „Ja und nein. Wenn jemand einmal mitspielen möchte, ist er gerne gese- hen. Kinder könnten wir brauchen, aber auch jünge- re Tanzpaare.“ Wie lange wird es Sie noch als Teufel geben? Birgel: „Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil ich es nicht weiß. So zeich- nen sich beispielsweise in nächster Zeit einige Um- strukturierungen im Füh- rungsbereich der Spiel- gemeinschaft ab. Schauen wir einmal, wie sich das alles entwickeln wird. Und schließlich werde ich auch nicht jünger.“ Bei Schlechtwetter wird im Saal des Schlosses gespielt. Birgel: „Natürlich sind die Aufführungen auf der Frei- luftbühne für die Zuschauer beeindruckender. Aber ich persönlich spiele auch nicht ungerne im Schloss. Da ist das Publikum wesentlich näher. Die Scheinwerfer hängen höher und damit kann ich die Leute in den ersten Reihen sogar sehen. So ein enger Kontakt zum Publikum macht natürlich auch mit einem Schauspie- ler etwas.“ Sie sind ja nicht nur beim Jedermann engagiert, son- dern auch bei der Jungen Bühne Mondsee. Salopp 12 VOLLMOND 4/2025 Das INTERVIEW Bild: Rule
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