VOLLMOND 4-2026
VOLLMOND 4/2026 5 AKTUELLES aus dem Mondseeland Hier hat Mozart nie gelebt ... … wohl aber Heinrich Schiff. Der war nicht nur ein international bekannter Cellist und Diri- gent, sondern hatte auch hintergründigen Humor, wie eine Tafel auf seinem ehemaligen Wohn- haus im Ortszentrum von Unterach beweist und die darauf hinweist, dass in diesem Haus ga- rantiert nicht Mozart gelebt hat. „Diese Tafel ist typisch für Schiff. Damit wollte er au- genzwinkernd den Kult um Mozart und seine Schwester Nannerl, der überall im Salz- kammergut anzutreffen ist, auf die Schaufel nehmen“, sagt Sebastian Bonhoeffer, der jetzt in diesem Haus wohnt. Den zehnten Todestag Schiffs hat Bonhoeffer zum Anlass genommen, Mitte Juli im Le- derermayerhaus in Unterach eine Sonderausstellung über den Musiker zu gestalten. Viele Fotos und persönliche Gegenstände des Künstlers erzählten dabei das Leben des Musikers auf bunte Wei- se. Apropos bunt: Die Farbe Rot hatte es Schiff ein Leben lang angetan. Er fuhr einen roten Porsche und als er rote Instrumentenkoffer für seine Cellos ergattern konnte, freu- te er sich geradezu kindlich darüber. Auch solche kleine Anekdoten wurden bei der Ausstellung erzählt. A b 1986 hatte der gebore- ne Gmundner etwa zehn Jahre lang seinen Lebensmit- telpunkt in Unterach. Zu die- ser Zeit unterrichtete er auch am Mozarteum in Salzburg. Mit viel Begeisterung und Freude versuchte er den Stu- denten sein Können und Wis- sen weiter zu geben. Viele der damaligen Schüler spielen in- zwischen bei den besten Or- chestern. Und das weltweit. Die Unteracher haben Heinrich Schiff als einen ge- selligen Mitmenschen kennen gelernt, der menschlichen Genüssen nie abgeneigt war und die Zigarette zwischen seinen Lippen war beinahe so etwas wie ein Markenzeichen. Auch beim Cello spielen legte er den Glimmstängel oft nicht weg, sondern steckte ihn zwi- schen Zeige- und Mittelfinger. Trotzdem führte er den Bogen mit einem perfekten Strich über die Saiten, wie ihn nur ganz wenige Cellisten beherr- schen. Dass der Umgang mit künstlerischen Genies nicht immer leicht ist, mussten auch Freunde, Studenten und Mitmenschen von Schiff im- mer wieder feststellen. Und auch er selbst dürfte es ge- wusst haben, sagte er doch 1993 bei einem Zeitungsinter- view: „Mein Temperament ist für andere unberechenbar, ich finde mich nett.“ Wie gesagt: Humor hatte der Herr. Sebastian Bonhoeffer gestaltete die Sonderausstellung über den Musiker Heinrich Schiff. Auf diese roten Cellokästen war Heinrich Schiff ganz beson- ders stolz. Bild und Repro: Rule
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