VOLLMOND 5-2019

Es ist so weit. Der Ofen ist angeheitzt, die Maische eingefüllt. Jetzt muss nur mehr der Deckel aufgesetzt werden. Eine Prozedur, die sich in den Tagen des Schnapsbrennens x-Mal wiederholt. Dazu muss zwischen Raubrand und Feinbrand der Kessel penibel geputzt werden. D ie Äpfel und Bir- nen sind bereits eingemaischt. In großen Fässern gärt das Obst kleingehackt vor sich hin. Franz nimmt den Deckel ab: „Rieche einmal“. Es riecht intensiv nach Obst und die Maische ist ganz zähflüssig. „Eigentlich könnte ich schon mit dem Schnapsbrennen be- ginnen“, plaudert Franz wei- ter. Aber noch hat er nicht Zeit dafür. Am Hof gibt es in diesen Tagen noch zu vie- le andere Arbeiten. Und zum Schnapsbrennen, da muss er Zeit haben, der „Fuchs in Stock“, in Sommerholz, hoch über dem Irrsee mit einem herrlichen Blick ins Mond- seeland bis hinein ins Dach- steinmassiv. Von Rupert LENZENWEGER Schnapsbrennen, das ist die große Leidenschaft des Franz Loibichler. „Die einen gehen jagern, ich verbringe meine Freizeit lieber beim Schnaps- kessel. Das ist halt mein Hob- by“, lacht der Franz und freut sich schon auf den Dezember. Da hat er Zeit zum Schnaps- brennen und verbringt vie- le Tage in der Scheune vor dem großen Kessel. Oft zum Leidwesen seiner Frau Kathi, weil: „Wenn der Franz beim Schnapsbrennen ist, brauchst mit dem Essen nicht auf ihn zu warten.“ Kein Wunder. Der Kessel bedarf ständiger Beob- achtung. Nur dann bekommst auch einen Schnaps der Extra- klasse. Die Temperatur muss stimmen. Die Maische sowie- so, eh klar. Du musst auf den Vorlauf aufpassen, aber auch auf den Nachlauf. Dazu musst immer den Gradmesser im Au- ge haben und zwischendurch musst auch wieder Holz ins Feuer schieben. Dazwischen müssen die schweren Fässer mit der Maische geschleppt und der Arbeitsplatz gereinigt werden. Auch wenn´s für den Franz ein Hobby ist. Tatsäch- lich ist Schnapsbrennen eine harte Arbeit. Bei den Loibichlers wird seit mehr als 70 Jahren Schnaps ge- brannt. Das beweist auch die alte Gerätebeschreibung aus dem Jahr 1948, die der Franz noch immer hat. Darin ist ge- nau die Größe des Kessels fest- gehalten, mit dem sein Opa mit dem Schnapsbrennen begon- nen hat. Der Kessel hatte einen Durchmesser von 44 und eine Gesamttiefe von 60 Zentimeter. Seit zwanzig Jahren hat der Franz einen neuen Kessel. Ein bis- serl größer als der vom Opa. Aber ge- brannt wird noch immer mit dem Wissen, das der Opa an den Enkel weitergeben hat. Weil für den Opa gab´s im Winter auch keine schö- nere Arbeit als das Schnapsbrennen. Und der Opa hat dem vor 50 Jah- ren noch kleinen Franz so manchen wichtigen Tipp mitgegeben. Zum Beispiel: „Wennst rauschig bist, hör´ sofort auf zum Schnapsbrennen. Denn da machst mehr kaputt als du wei- terbringst.“ Und damit wären wir auch schon bei dem Ge- rücht, dass die Schnapsbrenner oft rauschig werden bei ihrer Arbeit. So wie die Weinbau- Niederschrift zur „Vermessungsverhand- lung der Brennblase aus dem Jahr 1948“.

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