VOLLMOND 5-2019

Und, wie läuft`s? Auch die Nachbarn schauen gerne vorbei, wenn beim Fuchs gebrannt wird (Bild links). Der Schnapsbrenner selbst hat freilich nicht immer Zeit für ein Plauscherl. Wenn die Temperatur im Brennkessel passt, muss alles schnell gehen. Alle Bilder: Rule ern im Keller. Was ist da dran? Dass ihm das nicht passiert, brennt der Franz nur bei offe- ner Scheunentür. Für den Franz die Garantie dass er nüchtern bleibt, für die Nachbar der sichere Hinweis, dass beim „Fuchs in Stock“ der Gärkessel auf Hochtouren läuft. Und so bekommt der Franz regelmäßig Besuch von seinen Nachbarn, für die er hin und wieder auch Schnaps brennt. Vor allem aber wird beim Loibichler Obst aus dem eige- nen Garten verarbeitet. Dabei legt Franz auf Sortenreinheit großen Wert. Da die Birnen. Dort die Äpfel. Gemischt wird nix. Aus 1.000 Kilo Maische werden rund 55 Liter Schnaps. Manchmal ein bisserl weni- ger, dann wieder ein bisserl mehr. Je nach Zuckergehalt der Früchte. „Das heurige Obst- jahr ist Durchschnitt“, sagt der Franz. Nicht vergleichbar mit dem Vorjahr. So gute Früchte wie 2018 gibt’s so schnell nicht wieder. Genießbar ist der Schnaps nur dann, wenn er zwischen 38 und 42 %Alkohol hat. Bis es so weit ist, kommen zunächst ein- einhalb Liter Vorlauf. Und da- nach gibt’s noch den Nachlauf. Beides nicht zu gebrauchen. Obwohl, den Nachlauf kannst in die Autoscheibenwasch- anlage geben. Damit friert im Winter nix ein und die Scheibe macht er auch sauberer als je- des andere Mittel. Diesen Tipp hat der Franz ausnahmsweise nicht von seinem Opa, sondern von einem Pater aus dem Stift Reichersberg. Die Augustiner Chorherrn dort sind auch be- gnadete Schnapsbrenner. Und Sparmeister. Deshalb sind sie auch auf die Idee gekommen, mit dem Nachbrand in der Autoscheibenwaschanlage. In- zwischen wissen das auch die Polizisten in der Region und schöpfen kaum mehr Verdacht, wenn ein Auto aus dem Fuhr- park des Stiftes intensiv nach Alkohol riecht. „Aber in den ersten Jahren haben wir schon ein paar Mal blasen müssen“, hat ein Mönch dem Loibichler Franz lachend verraten. Schnaps wird in der ganzen Welt hergestellt und so lässt sich auch beim besten Willen nicht feststellen, wann und wo genau das erste Schnapserl der Weltgeschichte gebrannt wur- de. Aber es war ganz sicher nicht im Mondseeland, sondern wahrscheinlich eher in Alexandria wo nachweislich während der römischen Kaiser- zeit die Alchemisten in diese Richtung ex- perimentierten. Al- lerdings dachten die zunächst nicht daran, den Schnaps zu trin- ken. Sie betrachteten den Branntwein viel- mehr als ein medi- zinisches Allheil- mittel, vordringlich zum Einreiben. Die Anwendung hat sich grund- legend geändert, wohl aber nicht die Überzeugung, dass der Schnaps durchaus auch Medizin sein kann. Und es soll Leute geben, die schwören darauf, dass ein Stamperl Schnaps jeden Mor- gen auf nüchternen Magen die beste Voraussetzung für ein langes und gesundes Leben ist. Vorlauf, Nachlauf, Gradmesser und Kesseltemperatur. Beim Schnapsbrennen musst viele Dinge gleichzeitig im Auge haben.

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