VOLLMOND 5-2019

E ines ist sicher: Heute wäre die „Elektrische Lokalbahn“ zwischen Attersee und Mondsee eine Touristenattraktion. Aber wie so oft wurde auch sie ein Opfer des Fortschrittsglaubens, der die Zukunft einzig und allein auf der Straße sah. Und so wurde genau vor 70 Jahren die Bahn aufgelassen. Freilich, die Erbauer der 3,3 Kilometer langen Bahn haben 1907 nicht nur an eine Touristenattraktion gedacht. Sie wollten in erster Linie die Attersee-Schifffahrt mit der Mondsee-Schifffahrt verbin- den und damit einen durchge- henden öffentlichen Verkehr von Mondsee bis nach Vöck- labruck schaffen. Diese Reise begann von Vöcklabruck weg mit den „Kammerer Hansl“, der heute nach wie vor ein gut frequentierter Nahverkehrszug ist. Dann hieß es in Kammer am Attersee umsteigen auf das Schiff und zwischen Unterach und See am Mondsee verkehrt dann die „Elektrische“. Rund fünf Monate wurde 1907 an der Bahn gebaut, die am 18. August (Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I.) zum ersten Mal fuhr. Bis zum ersten Weltkrieg lief es wirtschaftlich prächtig. Die zwei Triebwagen beförderten nicht nur Touristen und Fahrgäste aller Art, son- dern auch die Post und in klei- nem Ausmaß sogar verschiede- ne Güter. Nach dem Weltkrieg lief es nicht mehr ganz so gut und als in den 1930er Jahren die ersten Autobusse aufkamen, wurde die Konkurrenz schier übermächtig. Nach dem zwei- ten Weltkrieg waren die Fahr- gäste der Elektrischen in erster Linie Schüler und mit Ende der Sommersaison 1949 wurde die Bahn schließlich gänzlich ein- gestellt und Autobusse über- nahmen den Verkehr. Fünf Stationen waren ent- lang der Strecke und die End- station in See am Mondsee glänzte durch eine besondere Architektur. Diese Station wur- de als so genannter „Norwe- gischer Pavillon“ aus Holz er- richtet und war auch mit einem Bewirtungssaal ausgestattet. Mehr Infos zu dieser Lokalbahn gibt´s im Unterachter Heimat- buch und auf www.atterwiki.at unter „Elektrische Lokalbahn Unterach-See“. Einen Link dazu finden Sie auch auf www.flachgau.tv Fünf Stationen waren entlang der Strecke und die Endstation in See am Mondsee war als so genannter „Norwegischer Pavillon“ aus Holz ausgeführt und mit einem Bewirtungssaal ausgestattet. Allerdings wurde der Pavillon bereits zehn Jahre vor dem Ende der Bahn abgerissen. Die Elektrische beim Unteracher Kirtag 1947. Als die Bahn 1907 ihren Betrieb aufnahm, wurden die zwölf Tonnen schweren Triebwä- gen zunächst mit dem Zug nach Kammer transportiert und von dort mit dem Schiff nach Unterach gebracht, wo sie am Dorfplatz auf die Schienen gestellt wurden. Beide Bilder: www.atterwiki.at Vor 70 Jahren fuhr der letzte Zug in Unterach

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