VOLLMOND 5-2019

Oktober NACHGEHAKT Klimakrise und Tourismus? Das Mondseeland will nachhaltig verändern ... T ourismus ist in unserer Region ein entscheiden- der Wirtschaftsfaktor und be- stimmt unser aller Leben. Mit teilweise verstörenden Bildern aus Hallstatt zieht die Frage auf: Wollen wir das? Auch in der Mondseer Tourismuspla- nung werden neue Konzepte entwickelt. Für Bustourismus dessen einziges Ziel ein halb- stündiger Aufenthalt zum Be- such der Basilika ist, wurde ohnehin noch nie Werbung gemacht, so der Geschäfts- führer des Tourismusverban- des Mondsee-Irrsee, Thomas Ebner. Die Analysen der Gäs- teströme zeigen, dass beson- ders Familien aus Städten in die Region reisen, solche, die aufgrund ihres Budgets auch anderswo hin reisen könnten. Sie zieht vor allem die Natur und die Landschaft ins Mond- seeland. Was soll man also an- bieten? Wandern, Action, Rad- fahren? Wie wird sich das An- gebot entwickeln? Schon jetzt zeigen Studien der beiden wissenschaftlichen Ins- titute am Mondsee, so Thomas Ebner, dass der Klimawandel längst angekommen ist: Die erforderliche Durchmischung des Mondsees im Frühjahr und Herbst passiert nicht mehr, weil sich der See im Frühling zu schnell erwärmt. Die Aus- wirkungen auf die Qualität des Wassers und seiner Lebewesen ist messbar. Der schöne Wald, der zur Landschaft gehört, hat Klimastress. Große wie kleine Waldbesitzer sind permanent mit Waldarbeiten beschäftigt: Schneedruckschäden, Borken- käferbekämpfung – der Wald muss sich wandeln, damit er überleben kann. E s geht, so Thomas Ebner, der auch als Naturwache- organ tätig ist, längst nicht mehr um einzelne Themen, son- dern um ein Gesamtkonzept. Nicht nur für den Tourismus, für uns selbst. Es gilt, sensibel mit der Land- schaft und der Natur umzuge- hen, Rückzugsgebiete für Lebe- wesen zu erhalten und sogar neue zu schaffen. Dabei soll gar nicht überall der Tourismus profitieren. Bereiche, die für Besucher sogar gesperrt wer- den, um den Lebensraum als solchen zu bewahren. An an- deren Stellen, etwa am Irrsee, werden Bereiche für Naturbe- obachtung bewusst gestaltet. Die Vogelbeobachtungshütte am Nordmoor soll Bewusst- sein schaffen, ebenso der neue Aussichtsturm am Kulmspitz. Dieser kann ab sofort bestie- gen werden, die offizielle Ein- weihung ist für das Frühjahr geplant. S ind die Mondseeland-Be- wohner da Zuseher? Statis- ten? Ganz im Gegenteil. Mit dem Projekt „Mit dem Aroma unserer Natur“ soll Bewusst- sein geschaffen werden, was es bei uns alles gibt, wie alles zu- sammenhängt. Endziel des Tou- rismusverbandes ist, als erste Region im deutschsprachigen Raum das internationale Güte- siegel „Green Destination“ zu erhalten. Mit einem Budget von rund 200.000 Euro soll ab No- vember ein neuer Weg zu einem nachhaltigen Leben mit Touris- mus in der Region einziehen. Lesen Sie dazu auch die Reportage auf den nächsten Seiten. Von Christina BURDA ... und könnte so die erste deutschsprachige „Green Destination“ werden Natur beobachten, ohne die Tiere zu stören. Das ist möglich. Etwa so wie hier im Nordmoor am Irrsee, wo diese Vogelbeobachtungs- station errichtet wurde. Bild: Miriam Burda

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0