VOLLMOND 5-2021
38 VOLLMOND 5/2021 dem passenden Song im Au- to: „Wann seh ich dich end- lich wieder?“. Rostock ist defintiv touris- tisch. Dementprechend wäre ein frühes Buchen von Hotel- zimmern durchaus klug. Bei der Einfahrt in die hoteleige- ne Garage dann eine sensatio- nelle Begegnung: ein vorbei- gehender Fußgänger blickt auf das Auto, deutet, das Fenster herunter zu lassen. Ach du liebe Güte, ist was kaputt??? Im besten ober- österreichischen Dialekt: „I hob ja scho a boa moi Autos mit an Soizburga Kennzeichn gsehng, oba an Vöcklabru- cker nu nie!“ Der junge Ros- tocker Student stammt aus Lenzing und hat sich enorm über die Zufallsbegegnung gefreut. Wir auch, denn seit Regensburg haben wir kein einziges österreichisches Au- tokennzeichen mehr gesehen. Im Hotel bekommen wir denn auch gleich einen guten Tipp: „Wenn an die Ostsee, dann nach Beckerwitz.“ Unser Plan, nun endlich den Hotels zu entsagen und unser selbst umgebautes Auto auf Cam- pingtauglichkeit zu prüfen, wird endlich wahr! Wie gesagt, wer glaubt, Massentourismus gibt’s nur im Süden, der täuscht sich. Die Ostsee ist im Sommer gut gebucht. Wir haben Glück und bekommen noch einen Stellplatz in Beckerwitz. Der Tipp war wirklich gut. Der Kies- und Steinstrand ist völ- lig naturbelassen, sogar ein selten gewordener Sandre- genpfeifer versorgt noch sei- ne Jungvögel direkt vor dem Campingplatz. Ein paar Meter weiter nis- ten hunderte Schwalben in den Höhlen der sandigen Steilwände, auf den Feldern wogt das reife Getreide und die Kühe liegen im Schatten von mächtigen Kopfweiden. Für Neo-Camper ist der Cam- pingplatz ein idealer Einstieg. Viele Familien, junge Leute, zumeist nicht weit weg zu- hause, entspannt und herz- lich, ohne großes Drama und die Currywurst vom Imbiss ist auch okay. Der Drang, weiter zu rei- sen, noch ein Stückerl wei- ter in den Norden bringt uns wieder auf die Piste. Ziel ist Kiel mit Besichtigungsstopp in Lübeck. Wir hätten es bes- ser umgekehrt gemacht. Kiel kann man sehen, muss aber nicht und für Lübeck sollte man sich mehr Zeit nehmen. Bemerkenswert ist der Wechsel der Landschaft. Während im Osten unzählig viele Alleen die Straßen säu- men, fehlen diese im Westen fast völlig. Entlang der Straßen immer wieder mal graue finstere Zeugen einer grauen finsteren Zeit, als man für eine Deutsch- land-Reise noch ein Visum brauchte und Menschen aus dem Osten Deutschlands, wenn überhaupt einen Pass der DDR hatten und ohnehin nicht reisen durften. Hier ein Erinnerungen in grau an graue Zeiten in Europa. Ein Grenz- wachturm der DDR, heute mitten im Land. Reetdachhäuser haben Tradition in Friesland, werden aber auch schon selten. Föhr ist auf jeden Fall eine Reise wert. FAHRTWIND
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