VOLLMOND 5-2025
VOLLMOND 5/2025 37 Ehemalige DDR-Propaganda die keinen Zweifel daran lassen wollte, wohin die zukünftige Reise geht. Bilder: Rule (2), rbb Wo das Sandmännchen wohnt A m 22. November 1959 hatte „das Sandmännchen“ seinen ersten Auftritt auf ostdeutschen Bildschirmen. Die Fernsehansagerin Käthe Zille hatte die Premiere am Vorabend angekündigt: „Um 18.55 Uhr kommt unser Sand- männchen und wird den kleinen Zuschauern Gute Nacht sagen.“ S either hat sich viel getan. Die DDR ist seit 1989 wieder mit der Bundesrepu- blik zu einem Deutschland vereint. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle Brüche gekittet sind. Nach wie vor sprechen viele von „herüben“ über die von „drüben“ und nennen sie Ossis. Nur das Sandmännchen hat das nicht berührt. Das lieben auch die Kinder aus West- deutschland und lassen sich vom kleinen Mann mit der Zipfelmütze gerne ins Bett schicken. Weil den Sandmann gibt es noch immer und er ist damit die älteste Serie, die es auf deutschsprachigen Fern- sehsendern gibt. Das ist auch im „N´ostalgie Museum“ in Leipzig nicht zu übersehen, wo man es sich zur Aufgabe gemacht hat, den früheren DDR-Alltag so echt wie möglich darzustellen. D ie Zeitreise im Muse- um im altehrwürdigen „Steibs Hof“ beginnt gleich mit einigen Fragen, die für keinen Westdeutschen und schon gar nicht für einen Ös- terreicher leicht zu beantwor- ten sind: Wo ist das Tal der Ahnungslosen? Wer sind die Wald- und Wiesenbeatles und was ist eine Bückware? Inmitten der 30.000 „os- talgischen“ Exponate finden sich die Antworten vielleicht, denn ein Charme des Muse- ums liegt darin, dass bewusst auf das Arrangement der Ex- ponate mit Hinweis- oder Er- läuterungstexten verzichtet wurde. Du stolperst also hi- nein, in ein buntes Sammel- surium längst vergangener Zeiten. Du nimmst Platz im DDR-Wohnzimmer der 60er Jahre, bewunderst die Sim- son-Mopeds und bestaunst dieAKAelectronic, die in der DDR angeblich Kult war und den Haus- frauen als die „kleine flotte Bie- ne unter den Teppichkehr- ma s c h i n e n “ ans Herz ge- legt wurde. D as Skurrile endet auch im Museums- shop nicht. Dort gibt’s „Russenbrot“ aus der Dose. In Gläser eingelegte Sol- eier und „das Kapital“ von Karl Marx nicht als Buch, sondern als Radiergummi. Gewissermaßen eine Ideolo- gie zum Ausradieren… Rupert Lenzenweger Mehr Reportagen von einer Reise mit dem Wohnmobil zum nördlichsten Punkt Mitteleuro- pas finden Sie auf www.flachgau. tv im Bereich Reisen. Der STRAWANZER
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