VOLLMOND 5-2025
4 VOLLMOND 5/2025 UNSERE LESER am Drücker vollmond@doppelpunkt.co.at STANDPUNKT S ein Körper ist ein run- der Schilling, auf dem Kopf trägt er eine spitze Mütze und seine dünnen grünen Füße stecken in rie- sigen roten Schuhen. D er Sparefroh ist 65 Jahre alt und in diesen sechseinhalb Jahrzehnten hat er mehrere Genera- tionen begleitet. Wenn wir als Kinder Glück hatten, hat uns der Sparefroh in der Weltsparwoche vor der Türe der Bank empfangen. Hand in Hand durften wir dann zum Schalter mar- schieren, wo aus unseren Sparbüchsen die im Laufe des Jahres gesammelten Schillinge geleert und als Guthaben auf unser Spar- buch gebucht wurden. D er Sparefroh persön- lich überreichte uns dann kleine Geschenke: Farbstifte und Lineale, Schraubenziehersets, Ta- schenlampen, Schlüsselan- hänger oder Radiergummis und Stofftiere. Jedes Jahr lagen schon Wochen vor dem Weltspartag die Ge- schenke in den Auslagen der Banken und wir hatten lange Zeit uns zu über- legen, wofür wir uns ent- scheiden sollten, wenn uns der Sparefroh den großen Korb mit den kleinen Ga- ben hinhält. N atürlich haben wir ge- wusst, dass der Spare- froh nicht echt ist und im Kostüm ein Mensch steckt. Wahrscheinlich war es die zarteste Bankbeamtin in der Filiale. O b auch heute noch die Kinder vom Spare- froh persönlich empfangen werden, kann ich jetzt nicht sagen. Ich weiß nur von meinen Enkeln, dass sich das Angebot an Geschen- ken für´s Sparen ziemlich verkleinert hat. Ü berhaupt hat das Spa- ren nicht mehr den Stellenwert, den es in unse- rer Kindheit hatte. Dass Autos und Möbel auf Pump gekauft werden, ist längst selbstverständlich. Aber auch immer mehr kleinere Anschaffungen wie Fernse- her, Computer oder Smart- phone werden mit Krediten finanziert. Es soll sogar Leute geben, die ihre neue Kleidung monatelang in Raten abstottern. Und weil Kleinvieh auch Mist macht, wachsen manchen Men- schen wegen vieler kleiner Raten die Schulden über den Kopf. D er Sparefroh mag nicht mehr so allgegenwär- tig sein wie früher. Aber sein Leitsatz „spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ ist aktueller denn je. Rupert Lenzenweger Hand in Hand mit Sparefroh Auf der Suche nach dem letzten Nektar... … betitelt unser Leser Georg Steiner aus Nußdorf am Attersee dieses Foto, das ihm kürzlich in seinem Garten gelungen ist. „Die letzten Blüten des Storchenschnabel ziehen noch viele Insekten an und auch diese Biene konnte sich kaum von den Blüten trennen“, lässt uns der Fotograf wissen. Sind Ihnen auch schon so hervorra- gende Schnappschüsse gelungen? Dann lassen Sie uns die Bilder zukommen, damit wir sie auch unseren Lesern zeigen können. Fotos in möglichst großer Auflösung an: vollmond@doppelpunkt.co.at
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