VOLLMOND 6-2020

36 VOLLMOND 6/2020 WEIHNACHTEN im Mondseeland Heimische Christbäume in Oberhofen E inen Christbaum kaufen und damit auch gleich- zeitig etwas Gutes tun? In Oberhofen ist das möglich. Denn der ÖAAB Oberhofen bietet beim Troadkast´n wieder Christbäume an. Die Bäume stammen aus dem Kobernaußerwald und sind dort nicht nur gesund und ungedüngt in natürlicher Umgebung aufgewachsen, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt ge- schlägert worden. Damit ist garantiert, dass die Bäume auch weit über das Weihnachtsfest hinaus ihre Nadeln nicht verlieren und ein Schmuck für jede Wohnung sind. Der ÖAAB unterstützt mit dem Erlös aus dem Christ- baumverkauf bedürftige Personen und soziale Projekte in der Region. Der Christbaumverkauf findet ab sofort jeden Tag von 9 bis 17 Uhr statt. „Wir haben allerdings nur eine gewisse Menge an Bäumen. Sind die verkauft, werden keine Bäume mehr nachgeliefert“, sagt Troad- kast´nwirt Hans Endesgrabner der gerne auch tele- fonisch Auskunft über das noch vorhandene Angebot gibt. Tel.: 0664/4233933. -PR- I m hungrigen Jahr 1946 erzählte uns eine Nachbarin, dass einst zu Friedenszeiten der Hund ihrer Bekannten am Heiligabend einen Kranz Fleischwurst um den Hals gehangen bekommen habe, damit auch er merken sollte, dass heute ein besonderer Tag ist. Ich – damals achteinhalb Jahre alt – sagte hinterher zu meiner Mutter, dass ich gern „denen“ ihr Hund sein würde. Und meine Mutter antworte- te: „Ich auch.“ Im darauf folgenden Jahr 1947 erinnerte ich mich wie- der an den Hund mit dem gro- ßen Kranz Fleischwurst um den Hals, denn es war ein gro- ßer Hund. Auch 1948 träumte ich von diesem Kranz, ob- wohl ich wusste, mein Weih- nachtstraum konnte aufgrund der allgemeinen Ernährungs- lage nicht in Erfüllung gehen. Aber zu Weihnachten 1949 ging mein Wunsch in Erfül- lung: Ich bekam ein Ringel- chen Fleischwurst. Zwar war es nicht viel größer als eine Bockwurst, aber die Notjahre hatten mich Bescheidenheit gelehrt. Ich war glücklich. Ich beschloss, meine Kost- barkeit erst zu essen, wenn wir aus der Mitternachts- mette heimkamen, damit ich die Vorfreude richtig auskos- ten konnte. Und so geschah es dann auch. Für Vater und Mutter schnitt ich ebenfalls eine Kostprobe ab, die bei meinem Vater Begehrlich- keit nach mehr auslöste. Aber Mama hatte nur diesen einen Kranz gekauft. Den Hinweis meines Vaters, dass ich Brot zur Wurst essen sollte, lehnte ich mit der Begründung ab, dass der Hund ja auch kein Brot brauchte. Im folgenden Jahr war mein Wurstkranz deshalb schon wesentlich größer und ich konnte freigiebiger sein. Und schließlich war er spä- ter so groß, dass wir alle eine zusätzliche Nachtmahlzeit hatten. Wir aßen den Ringel gleich kalt, denn das Feuer im Küchenherd war nach der Mette längst ausgegangen. Und wer hatte schon Lust zu warten, bis die Wurst heiß ist? Diese Wurstnachtmahlzeit gehörte so nach und nach zu unserem Weihnachten. Das blieb so, bis ich mein El- ternhaus verließ. Selber ha- be ich nie mehr einen Kranz Fleischwurst gekauft, denn in der Familie meines Mannes war es Brauch, dass man nach der Mette Sauerkraut aß, in welches pro Person eine Pol- nische (Wurst) und ein Stück- chen Schinkenspeck hinein- gekocht wurden. Dazu wurde Brot gereicht. Das Sauerkraut wurde vor dem Kirchgang angekocht, es kö- chelte auf dem a u s g e h e n d e n Feuer weiter und war noch schön heiß, wenn wir aus der Christ- mette nach Hause kamen. Diesen schönen Brauch habe ich auch in unsere junge Fa- milie übernommen. Unsere Kinder wuchsen damit auf und kannten es nicht anders. Als es keine Mette mehr gab, wurde das Sauerkraut unser Abendessen, das sich gut schon mittags nebenbei vor- bereiten ließ. Die Geschichte wurde dem Band 14 der Reihe „Unver- gessene Weihnachten“ ent- nommen. Erschienen im Zeitgut-Verlag, Berlin, ISBN: 978-3-86614-280-0, € 10.90. Die Weihnachtswurst Eine Kurzgeschichte von Anna Körn

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA1MzE0