{"id":5119,"date":"2023-06-14T17:19:04","date_gmt":"2023-06-14T15:19:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/?p=5119"},"modified":"2023-06-14T17:25:14","modified_gmt":"2023-06-14T15:25:14","slug":"jetzt-weiss-ich-wo-der-bumper-nickel-wohnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/jetzt-weiss-ich-wo-der-bumper-nickel-wohnte\/","title":{"rendered":"Jetzt wei\u00df ich, wo der \u201eBumper Nickel\u201c wohnte"},"content":{"rendered":"\n<p>Serge lacht mich an, w\u00e4hrend er offensichtlich in seinem Hinterkopf zu rechnen beginnt. \u201eIch glaube, ich muss die 15. oder 16. Generation sein. So genau wei\u00df ich das nicht, spielt aber auch keine Rolle. Sicher ist, dass ich ein direkter Nachkomme des Bumper Nickel bin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBumper Nickel?\u201c frage ich nach:\n\u201eErfinder des grobschotigen Schwarzbrotes?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas fragen mich alle\u201c, lacht Serge\nsichtlich erheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir stehen in einem kleinen,\nverwilderten Innenhof mitten in Wissembourg, der kleinen Stadt an der\ndeutsch-franz\u00f6sischen Grenze und eines der Schmuckst\u00fccke des\nElsass. Wir haben kurz zuvor das wuchtige Fachwerkhaus direkt\ngegen\u00fcber der Peter und Paul geweihten Kathedrale bewundert. Da ist\nSerge aus dem riesigen Holztor getreten um ein Paket von DPD entgegen\nzu nehmen. \u201eSch\u00f6nes Haus\u201c, murmelten wir. \u201eErbaut im 13.\nJahrhundert\u201c, kl\u00e4rt uns Serge auf, offensichtlich erfreut \u00fcber\nunser Interesse: \u201eAb dem 14. Jahrhundert das beste Wirtshaus am\nPlatze und das viele Jahrzehnte lang.\u201c Und dann die \u00fcberraschende\nFrage: \u201eWollt ihr euch auch den Innenhof ansehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen. Treten ein in eine unerwartet gr\u00fcne Oase. Mit Weinreben an allen Hausmauern, bis hinauf zu den Dachrinnen. Wildnis wohin wir schauen und trotzdem gepflegt. Seit rund 55 Jahren lebt Serge in diesem Haus. Mit 19 Jahren, so erz\u00e4hlt er uns, hat er das Pflaster im Innenhof selbst verlegt. Stein f\u00fcr Stein. Die Pflastersteine stammen vom Hauptplatz von Wissembourg. Damals wurde begonnen, den Platz zu asphaltieren. Der junge Serge hat geistesgegenw\u00e4rtig gehandelt und viele der Pflastersteine gerettet. Immer nachts ist er mit einer Scheibtruhe losgefahren, um sich Pflastersteine zu holen. Bis er so viele Steine hatte, um damit den Innenhof auszulegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was hat das jetzt alles mit Bumper Nickel zu tun, werden Sie jetzt wissen wollen. Und ich sag\u00b4s Ihnen: Serge ist nicht nur ein begnadeter Pflasterer. Er ist auch ein Historiker. So wie sein Vater. Der war Geschichtsprofessor und hat auch die Chronik von Wissembourg aufgeschrieben. Haus f\u00fcr Haus hat er sich vorgenommen und penibel alle Besitzer und Bewohner recherchiert. So wei\u00df der Serge jetzt, dass vor 15 oder 16 Generationen seiner Familie in diesem Haus ab 1510 auch der \u201eBumper Nickel\u201c gewohnt hat. Der hie\u00df mit seinem b\u00fcrgerlichen Namen Nicolas Durant und war \u201edes B\u00e4ckers Sohn im Bruch\u201c. \u201eTats\u00e4chlich war der Nicolas so etwas wie der Dorftrottel\u201c, bringt es Serge auf den Punkt. Geld hat Nicolas nie gehabt. Trotzdem hat er jeden Tag seine Runden durch alle Gasth\u00e4user der Stadt gedreht. Er hat die G\u00e4ste mit seinen Bl\u00f6deleien und fantasierten Geschichte unterhalten. Und was die G\u00e4ste an Speis und Trank \u00fcber lie\u00dfen, das haben die Wirte f\u00fcr den \u201eBon-poor Nickel\u201c aufgehoben. So ist im Laufe der Zeit der B\u00e4ckerbub zu seinem Spitznamen \u201eBumper Nickel\u201c gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wissembourg kennt jeder den Bumper Nickel, obwohl kaum jemand wei\u00df, woher dieser Name kommt. Und wenn bei uns eine unglaubliche Geschichte passiert, sagen wir sprichw\u00f6rtlich, dass uns das alles ein bisserl an die Schildb\u00fcrger erinnert. In Wissembourg ist dieser Tollpatsch der \u201eBumper Nickel\u201c, der vor ziemlich genau 500 Jahren im Haus von Serge gewohnt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Rupert Lenzenweger<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"574\" src=\"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-1024x574.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5121\" srcset=\"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-1024x574.jpg 1024w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-768x430.jpg 768w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-1536x861.jpg 1536w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-730x409.jpg 730w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2-435x244.jpg 435w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bumper-Nickel-2.jpg 1918w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Serge (links) erz\u00e4hlte mir im Innenhof seiner \u00fcber 600 Jahre alten Hauses in Wissemborurg die Geschichte des legend\u00e4ren &#8222;Bumper Nickeln&#8220;.  Bilder: Rule und Bernadette Lenzenweger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serge lacht mich an, w\u00e4hrend er offensichtlich in seinem Hinterkopf zu rechnen beginnt. \u201eIch glaube, ich muss die 15. oder 16. Generation sein. 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