{"id":6140,"date":"2024-07-30T07:20:00","date_gmt":"2024-07-30T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/?p=6140"},"modified":"2024-07-30T09:03:49","modified_gmt":"2024-07-30T07:03:49","slug":"der-adler-aus-seekirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/der-adler-aus-seekirchen\/","title":{"rendered":"Der Adler aus Seekirchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Seekirchen ist die Heimat des erfolgreichen, 31 j\u00e4hrigen Skispringers Daniel Huber. Im Winter 2023\/2024 konnte er die kleine Kristallkugel f\u00fcr den Skiflug Weltcup holen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Salzburger Seenland ist Skispringen ein eher un\u00fcblicher Sport. Wie bist du dazu gekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber: <\/strong>Urspr\u00fcnglich war ich im Skiclub Seekirchen. Mein damaliger Trainer im Skiclub war auch mal Skispringer und hat uns gefragt, ob wir denn auch mal Skispringen m\u00f6chten. F\u00fcr meinen Bruder Stefan und mich war sofort klar: das probieren wir aus!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie alt warst du, als du zum ersten Mal auf den Sprungskiern gestanden bist, und wie war es?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Beim ersten Mal war ich acht Jahre alt. Am Anfang springt man auf kleinen Schanzen, da ist die \u00dcberwindung noch nicht so gro\u00df. Dann wird die H\u00f6he langsam gesteigert, und auch die \u00dcberwindung w\u00e4chst dann mit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie haben eure Eltern auf euren Wunsch reagiert, Skispringer zu werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber: <\/strong>Nat\u00fcrlich w\u00e4re ihnen ein Sport lieber gewesen, den man bei uns im Ort aus\u00fcben kann. Trotzdem haben sie uns immer unterst\u00fctzt und uns unglaublich viel herun gefahren. Oft sind wir direkt nach der Schule noch zum Training gefahren. Mittagessen hie\u00df f\u00fcr meinen Bruder und mich dann schnelles Essen aus Plastikdosen w\u00e4hrend einer langen Autofahrt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Thema Essen: Skispringer sind immer wieder in den Medien aufgrund ihres Gewichts. Wie empfindest du das?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Je leichter der Athlet ist, desto weiter fliegt er. Fr\u00fcher gab es deswegen wirklich oft Probleme, dass nur mehr auf das Gewicht geachtet wurde. Mittlerweile liegt aber zum Gl\u00fcck nicht mehr nur das Gewicht im Fokus, sondern die gesamte Athletik. Dass die Athleten mittlerweile viel ges\u00fcnder und fitter sind, l\u00e4sst sich unter anderem daran erkennen, dass die aktiven Skispringer immer \u00e4lter werden. Das gelingt uns Skispringern nur, wenn jeder sein eigenes Wohlf\u00fchlgewicht hat. Wir essen alle drei mal t\u00e4glich und auch Pizza oder Burger kommen manchmal auf den Teller.<\/p>\n\n\n\n<p><em>W\u00fcrdest du dich als Adrenalinjunkie bezeichnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Ja! Ohne diesen Adrenalinkick k\u00f6nnte ich mir das Leben derzeit noch nicht vorstellen. Wobei nicht nur das Adrenalin beim Sprung selbst viel hergibt, auch das ganze Rundherum -das Gewinnen, das Reisen, der Rummel &#8211; macht in gewisser Weise s\u00fcchtig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mittlerweile bist du ja ein sehr bekannter Skispringer. Wie geht es dir in deiner Heimat, wirst du oft erkannt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Seit ich dieses Jahr mit der kleinen Kugel heimgekommen bin, kommt es tats\u00e4chlich \u00f6fter vor, dass ich von Leuten angesprochen werde. Es freut mich, dass sich die Leute \u00fcber meinen Erfolg mit mir mitfreuen. Gerade in einem Heimatort, in dem Wintersport nicht so allt\u00e4glich ist, ist das nicht selbstverst\u00e4ndlich. Allerdings muss ich schon auch zugeben, dass diese Bekanntheit auch anstrengend sein kann. Ich bin nicht so oft daheim und m\u00f6chte die Zeit, wenn ich dann da bin, auch mit meiner Familie nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast eine elf Monate alte Tochter. Hat sich f\u00fcr dich etwas ge\u00e4ndert, als sie geboren wurde?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Wenn ich nach Hause komme und mit meiner Tochter spiele, ist es ihr v\u00f6llig egal, ob ich gerade gewonnen habe oder der Letzte bin. F\u00fcr sie z\u00e4hlt nur, dass ich jetzt bei ihr hier bin. Diese Erfahrung verleiht mir tats\u00e4chlich eine gewisse Leichtigkeit, sie zeigt mir ganz deutlich, dass der Sport und der Wettkampf nicht das Wichtigste sind. Und diese Leichtigkeit verhilft mir wiederum bei meinen Spr\u00fcngen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was motiviert dich sonst noch?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Neben meiner Familie ist auch das gesamte Team super. Wir verstehen uns alle sehr gut und pushen uns gegenseitig. Es wird viel gelacht, wir haben Spa\u00df. Wenn ein Team so viel Zeit miteinander verbringt wie wir, w\u00e4chst es schon zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>S<em>tichwort Huberbrothers: Wettkampf oder Bruderschaft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber: <\/strong>Mein Bruder Stefan und ich haben gemeinsam das Skispringen begonnen und waren nat\u00fcrlich immer in einer Art Wettkampf. Aber wir haben uns stets gegenseitig unterst\u00fctzt und gepusht. Mittlerweile hat er zwar mit dem Skispringen aufgeh\u00f6rt, ist aber nach wie vor einer meiner engsten Vertrauten im Sportbereich, auf dessen Ansicht und Tipps ich sehr viel Wert lege. Auf ihn kann ich mich immer verlassen, er steht mir mit Rat und Tat zur Seite.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie oft bist du unterwegs?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> \u00dcber 200 Tage im Jahr bin ich nicht daheim. Mitte November bis Mitte April bin ich jedes Wochenende wo anders. Ein bisschen gew\u00f6hnt man sich schon an das Reisen und den Jetlag, anstrengend ist es aber dennoch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du bist beruflich schon viel herum gekommen. Nutzt du das aus, um Sightseeing zu machen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Ich bin zwar schon oft zum Beispiel in Japan oder Amerika gewesen, gesehen habe ich bisher aber so gut wie gar nichts. Unser Terminkalender ist voll, meist sehen wir nur die Hotels und Trainingseinrichtungen. Daher fahre ich auch gerne mit meiner Familie auf Urlaub \u2013 dann genie\u00dfe ich es aber umso mehr, wenn diese Zeit einfach nur unverplant ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie bereitest du dich im in der warmen Jahreszeit auf den Winter vor?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber: I<\/strong>m Fr\u00fchling bin ich viel daheim, da gibt es eine l\u00e4ngere Pause. Ab Ende April startet wieder die Vorbereitung. Im Sommer springen wir auf Schanzen mit Keramikspuren, die bew\u00e4ssert werden. Das funktioniert zwar schon, f\u00fchlt sich aber nat\u00fcrlich ganz anders an als ein Sprung im Schnee. Auch die warme Luft tr\u00e4gt den Athleten ganz anderes als kalte. Salopp gesagt: Je k\u00e4lter die Luft ist, desto mehr Feedback bekommt man von ihr.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aufgrund deiner Verletzungen musstest du auch den Telemark umlernen. Ist das schwierig?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber:<\/strong> Ich habe den Telemark sogar zwei mal umgelernt. Das erste mal nach einer Kreuzbandverletzung, und nach meiner letzten Knieoperation habe ich wieder \u201ezur\u00fcck gelernt\u201c. Das machen wirklich nur sehr wenige Skispringer, es ist als ob man als Rechtsh\u00e4nder pl\u00f6tzlich nur mehr mit der linken Hand schreiben darf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Deine Karriere zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass du nicht nur H\u00f6henfl\u00fcge hast. Du schaffst es aber nach jedem Tiefschlag, wieder aufzustehen und st\u00e4rker daraus hervorzugehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Huber: <\/strong>Ja. Bei meiner letzten Knorpelverletzung hat mir der Arzt direkt vor der OP mitgeteilt, dass er mir nicht garantieren k\u00f6nne, dass ich je wieder Skispringen kann. Das war echt kein sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Umso mehr ist mir mein Erfolg im letzten Winter wert und ich bin wirklich stolz auf meine Leistung. Ans Auffh\u00f6ren denke ich noch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Interview: Elisabeth D\u00fcrnberger<\/em>, <em>Bild: Albert Moser<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seekirchen ist die Heimat des erfolgreichen, 31 j\u00e4hrigen Skispringers Daniel Huber. Im Winter 2023\/2024 konnte er die kleine Kristallkugel f\u00fcr den Skiflug Weltcup holen. 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