{"id":6653,"date":"2026-02-10T06:18:00","date_gmt":"2026-02-10T05:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/?p=6653"},"modified":"2026-02-06T10:13:31","modified_gmt":"2026-02-06T09:13:31","slug":"mit-casanova-zum-karneval-nach-venedig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/mit-casanova-zum-karneval-nach-venedig\/","title":{"rendered":"Mit Casanova zum Karneval nach Venedig"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIst dieser Platz noch frei?\u201c Noch ehe ich antworten konnte, sa\u00df Clown Pepitto am Platz neben mir und belegte damit wahrscheinlich den letzten freien Sitz im ganzen Zug von Treviso nach Venedig. Obwohl an einem Sonntag Morgen normalerweise kaum jemand mit diesem Zug f\u00e4hrt, war er diesmal zum Bersten voll. Und alle hatten wir nur ein Ziel: den Karneval in Venedig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6685 alignleft\" src=\"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mehr-Bilder-300x274.jpg\" alt=\"\" width=\"147\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mehr-Bilder-300x274.jpg 300w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mehr-Bilder-435x397.jpg 435w, https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Mehr-Bilder.jpg 645w\" sizes=\"(max-width: 147px) 100vw, 147px\" \/><\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/bilderserien\/mit-casanova-beim-karneval-in-venedig\/\">Zur Bilderserie geht\u2019s hier&gt;&gt;&gt;<\/a><\/h4>\n<p>Pepitto war nicht allein unterwegs, aber seine Familie hatte sich im Zug aufgeteilt. Jeder war ausgeschw\u00e4rmt um noch irgendwo einen Sitzplatz zu ergattern. Ich schaute mich um. Praktisch alle meine Mitreisenden waren maskiert. Mir gegen\u00fcber sa\u00df Batmann mit seinem Todfeind Joker in friedlicher Einigkeit. Auf der anderen Seite des Ganges hatte Giacomo Casanova Platz gefunden. Eingeh\u00fcllt in einem goldenen Kost\u00fcm. Die schwarzen Schuhe trugen gro\u00dfe silberne Spangen und der wuchtige Hut war aus Samt. Das Gesicht hatte er hinter einer Maske mit einem langen Schnabel verborgen. Seine drei Begleiterinnen waren nicht weniger fesch. Auch sie in schweren, mit Goldpailletten verzierten Kleidern. Ihre Masken waren bunt und klein, verdeckten nur die Augen und betonten die gepuderten Nasen und grellroten Lippen. Als Casanova pl\u00f6tzlich eine gro\u00dfe Flasche Prosecco von irgendwo herzauberte, zog eine der feinen Damen unter ihrem Reifrock goldene Becher hervor. Wahrscheinlich eh nur Plastikattrappen, aber von meinem Platz sahen die Becher imposant aus. Und obwohl die Fahrt bis zum Bahnhof Santa Lucia mitten im Herzen der Lagunenstadt nur rund zwanzig Minuten dauerte, schafften es Cassanova und seine h\u00fcbschen Begleiterinnen spielerisch, die gro\u00dfe Flasche bis zur Ankunft des Zuges zu leeren.<br \/>\nSchon vor dem Aussteigen habe ich Casanova und seine Verehrerinnen aus den Augen verloren. Eine Gruppe Indianer hat mir die Sicht verstellt, dann kamen auch noch unerwartet Piraten dazwischen und schlie\u00dflich wurde ich inmitten einer Horde wild kreischender Revuet\u00e4nzerinnen in kurzen R\u00f6ckchen \u00fcber die Stiegen am Ausgang des Bahnhofs Richtung Piazzale Roma geschoben. Wirklich unangenehm war mir das nicht und auch die T\u00e4nzerinnen d\u00fcrften an mir Gefallen gefunden haben. Baten sie mich doch nach der letzten Stufe darum, ein Foto von ihnen zu machen.<br \/>\nLange blieb auch ich nicht unmaskiert. Schon wenige Schritte von der Bahnhofstiege entfernt, noch weit vor der Haltestation der Vaporetto, wurden auf Dutzenden St\u00e4nden Masken aus vermutlich chinesischer Produktion spottbillig angeboten. Das Anbot reichte von kleinen Augenmasken f\u00fcr zwei Euro \u00fcber Masken, die dir einen Federbuschen auf den Kopf oder eine lange Nase vors Gesicht zaubern und acht Euro kosteten. Wer 15 Euro investierten wollte, konnte sich f\u00fcr eine komplette Gesichtslarve mit unz\u00e4hligen Schellen entscheiden. Ich nahm eine schwarze Maske mit roten Federn im mittleren Preissegment, um mich damit f\u00fcr den Rest des Tages bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen.<br \/>\nMit der Maske kommt auch die Unbeschwertheit. Du l\u00e4sst dich gefangen nehmen von der ausgelassenen Stimmung, die \u00fcberall auf den Pl\u00e4tzen herrscht. Du staunst, welchen Aufwand manche Menschen betreiben, um sich in perfekter Verkleidung dem Karnevalstreiben hinzugeben und stellst \u00fcberascht fest, dass bei weitem nicht alle Menschen hinter den Masken aus Italien kommen, sondern alle Sprachen diese Erde sprechen. Du kommst schnell in Kontakt, lernst dabei nicht nur Casanova und Revuet\u00e4nzerinnen, sondern auch den Papst, Till Eulenspiegel, Prinz Eisenerz oder einfach nur einen singenden Kaktus auf zwei Beine kennen. Alle Grenzen sind aufgehoben, wenn sich am Markusplatz Menschen aller Nationen treffen um gemeinsam den Karneval von Venedig zu feiern, dessen Entstehungsgeschichte bis in die Antike mit den damaligen Gebr\u00e4uchen der Fastenzeiten zur\u00fcck reicht. Wenn wir im Geschichtsbuch bl\u00e4ttern, dann erw\u00e4hnt 1094 der Doge Vitale Falier erstmals dieses Fest, das ab dem 13. Jahrhundert mit Masken gefeiert wurde. Im Sp\u00e4tmittelalter nahmen die Feierlichkeiten immer prunkvollere Formen an und fanden vor allem an den F\u00fcrstenh\u00f6fen statt.<br \/>\nIm 18. Jahrhundert lockerten sich die Sitten und fortan sorgten die Masken bei den Festen daf\u00fcr, dass die \u00e4rmere Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Zeit des Festes mit dem Adel auf einer Stufe stand. Der Karneval f\u00f6rdert die M\u00f6glichkeit f\u00fcr untere Schichten, sich zu vergn\u00fcgen, die schweren Zeiten zu vergessen und die sozialen Unterschiede aufzuheben.<br \/>\nEiner der bekanntesten Pers\u00f6nlichkeiten dieser Zeit war Giacomo Casanova, der in seinen Memoiren viele Eindr\u00fccke dieses ausschweifenden Jahrhunderts festhielt. Im Karneval hatte die arme Bev\u00f6lkerung sogar die M\u00f6glichkeit, die Aristokratie zu verspotten.<br \/>\nUnter Napoleon Bonaparte endete die Bl\u00fctezeit vorl\u00e4ufig. Auch wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Karneval verlor seinen Reiz und sogar Masken wurden eine Zeitlang verboten. Zu guter Letzt leistete die Bev\u00f6lkerung sogar Widerstand und boykottierte \u00f6ffentliche Veranstaltungen dieser Art.<br \/>\nTrotzdem konnte der Karneval nicht vollst\u00e4ndig ausgemerzt werden, auch wenn er erst 1967 wieder Tradition wurde. Besonders Fellinis Film Casanova sorgte 1976 f\u00fcr eine Wiederbelebung. Durch die R\u00fcckkehr zur traditionellen Veranstaltung erlebte auch das Theater Commedia dell\u2019arte einen Aufschwung, bei dem bis heute originale Masken und Kost\u00fcme aufw\u00e4ndig nachgestaltet und vorgef\u00fchrt werden. -25. 2. 2025-<br \/>\n<em>Rupert Lenzenweger<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karneval_in_Venedig\">Mehr \u00fcber den Karneval von Venedig finden Sie hier&gt;&gt;&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIst dieser Platz noch frei?\u201c Noch ehe ich antworten konnte, sa\u00df Clown Pepitto am Platz neben mir und belegte damit wahrscheinlich den letzten freien Sitz im ganzen Zug von Treviso [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":6654,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false}},"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Strawanzer-Venedig.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/paDzeQ-1Jj","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6653"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6653"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6653\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7304,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6653\/revisions\/7304"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verlag-doppelpunkt.at\/flachgauTV\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}