DOPPELPUNKT August 2024

Das Interview August 2024 Seite 15 S eekirchen ist die Heimat des erfolgreichen, 31 jährigen Skispringers Daniel Huber. Im Winter 2023/2024 konnte er die kleine Kristallkugel für den Skiflug Weltcup holen. Der Adler aus Seekirchen Im Salzburger Seenland ist Skispringen ein eher unüb- licher Sport. Wie bist du da- zu gekommen? Huber: „Ursprünglich war ich im Skiclub Seekirchen. Mein damaliger Trainer war auch mal Skispringer und hat uns gefragt, ob wir denn auch mal Skispringen möch- ten. Für meinen Bruder Ste- fan und mich war sofort klar: das probieren wir aus!“ Wie alt warst du, als du zum ersten Mal auf den Sprung- skiern gestanden bist? Huber: „Beim ersten Mal war ich acht Jahre alt. AmAn- fang springt man auf kleinen Schanzen, da ist die Über- windung noch nicht so groß. Dann wird die Höhe langsam gesteigert, und auch die Über- windung wächst dann mit.“ Wie haben eure Eltern auf euren Wunsch reagiert, Ski- springer zu werden? Huber: „Natürlich wäre ihnen ein Sport lieber gewesen, den man bei uns im Ort ausüben kann. Trotzdem ha- ben sie uns immer un- terstützt. Oft sind wir direkt nach der Schule noch zum Training ge- fahren. Mittagessen hieß für meinen Bruder und mich schnelles Essen aus Plastikdosen während einer langen Autofahrt.“ Thema Essen: Skispringer sind immer wieder in den Medien aufgrund ihres Ge- wichts. Wie empfindest du das? Huber: „Je leichter der Ath- let ist, desto weiter fliegt er. Früher gab es deswegen wirklich oft Probleme, dass nur mehr auf das Gewicht geach- tet wurde. Mittler- weile liegt aber zum Glück nicht mehr nur das Gewicht im Fokus, sondern die gesam- te Athletik. Dass die Athle- ten mittlerweile viel gesünder und fitter sind, lässt sich un- ter anderem daran erkennen, dass die aktiven Skispringer immer älter werden.“ Würdest du dich als Adre- nalinjunkie bezeichnen? Huber: „Ja! Ohne diesenAdre- nalinkick könnte ich mir das Leben derzeit noch nicht vor- stellen. Wobei nicht nur dasAd- renalin beim Sprung selbst viel hergibt, auch das ganze Rund- herum wie das Gewinnen, das Reisenoder der Rummel macht in gewisser Weise süchtig.“ Du hast eine elf Monate alte Tochter. Was hat sich seit ih- rer Geburt für dich geändert? Huber: „Wenn ich nach Hause komme umd mit meiner Toch- ter spiele, ist es ihr völlig egal, ob ich gerade gewonnen habe oder der Letzte bin. Diese Er- fahrung verleiht mir tatsäch- lich eine gewisse Leichtig- keit, sie zeigt mir ganz deut- lich, dass der Sport und der Wettkampf nicht das Wich- tigste ist. Und diese Leichtig- keit verhilft mir wiederum bei meinen Sprüngen.“ Wie bereitest du dich in der warmen Jahreszeit auf den Winter vor? Huber: „Im Frühling bin ich viel daheim. Im Som- mer springen wir auf Schan- zen mit Keramikspuren, die bewässert werden. Das funktioniert zwar schon, fühlt sich aber ganz anders an als ein Sprung im Schnee. Auch die war- me Luft trägt den Athleten ganz anderes als kalte. Sa- lopp gesagt: Je kälter die Luft ist, des- to mehr Feed- back bekommt man von ihr.“ Aufgrund deiner Verletzun- gen musstest du auch den Telemark umlernen. Ist das schwierig? Huber: „ Ich habe den Tele- mark sogar zwei mal umge- lernt. Das erste mal nach einer Kreuzbandverletzung, und nach meiner letzten Knieope- ration habe ich wieder „zu- rück gelernt“. Das machen wirklich nur sehr wenige Ski- springer, es ist als ob man als Rechtshänder plötzlich nur mehr mit der linken Hand schreiben darf.“ Interview: Elisabeth Dürnberger Bild: Albert Moser

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