DOPPELPUNKT Februar 2026

Der STRAWANZER S alzburg?Du kommst wirklich aus Salz- burg?“, fragt mich Mario Salvi ganz verwundert. Ohne eine Antwort abzuwarten er- zählt er weiter, dass er vor we- nigen Monaten einen Kunden aus Salzburg hatte. „Zunächst wollte er, dass ich ihm eine al- te Türe restauriere. Dann sind zwei daraus geworden und schließlich habe ich sechs Tü- ren restauriert. Und noch zwei Truhen und zwei Schränke“, lacht Mario und verrät: „Das war der beste Auftrag in den vergangenen Jahren.“ Mario Salvi ist Restaurator und seine Werkstatt befindet sich am Ortsrand von Ca- poliveri. Der Ort gilt als die schönste Stadt auf der Insel Elba und liegt auf der Halb- insel Calamita mit herrlichem Blick auf das Meer. Wir kommen zufällig vor- bei an der Werkstatt, vor der alte Möbel stehen. Auch ein Vespa-Roller scheint auf sei- ne Restaurierung zu warten. Als ich das Moped näher in Augenschein nehme, bittet mich Mario in seine Werk- statt. Die ist gerammelt voll mit Werkzeugen aller Art. Sessel und Bänke stapeln sich neben Tischen, Schränken und Regalen. Mario zeigt mir ein völlig zerstörtes Gestell, von dem ich vermute, dass es einmal ein Liegestuhl gewe- sen sein könnte. „Das kommt aus Österreich“, erzählt er mir in fast perfektem Deutsch: „Die Stühle da oben auch. Echte Thonet.“ Das sind aber längst nicht alle Raritäten, die Mario um sich schart. Im Nebenraum finden sich russi- sche Ikonen, Heiligenfiguren von einemAltar in Frankreich und das Stück einer Kirchen- kanzel, von der er gerade das Geländer restauriert. Wenn er mit dem Kanzel- geländer fertig ist, muss er ein altes Röhrenradio wie- der zum Laufen bringen. Er hat es einer guten Bekannten versprochen. Dann wartet ein Bauernkasten aus dem 18. Jahrhundert auf seine geschickten Hände und ein Tisch braucht ein neues vier- tes Bein, das vor wenigen Jahren dem Holzwurm zum Opfer gefallen ist. Der Restaurator hoch über dem Meer Dazu muss aber Mario erst einmal die Drechselbank nach vorne holen. Weil die steht momentan hinter der Bandsäge, der Fräse, dem Schweißgerät und der gro- ßen Hobelbank, in die das Geländer der Kirchenkanzel eingespannt ist. „Naja, und vielleicht braucht mein Kun- de aus Salzburg überraschend auch noch etwas. Weil der re- noviert derzeit ein altes Haus. Und frage nicht, was da für Sachen auftauchen können“, lacht der Restaurator. Und wann will er die alte Vespa vor dem Haus renovie- ren, will ich wissen. „Wieso soll ich die renovieren? Die habe ich seit meiner Jugend und ich fahre nach wie vor jeden Tag damit. Die funktio- niert bestens, da brauche ich nichts zu machen.“ Als ich Mario nach einer Visitenkarte frage, versteht er mich zunächst nicht. Aber dann: „Fotografiere doch einfach mein Geschäft von draußen, dann weißt du alles, was du wissen musst, falls du mich einmal brauchen soll- test. So wie der andere Salz- burger …“ Rupert Lenzenweger Unübersehbar: In dieser Werkstatt wird gearbeitet. Oder: Perfekter kann ein kreatives Chaos gar nicht sein. Bilder: Rule Egal ob Holz, Metall oder Porzellan. Bei Mario Salvi erhält alles wieder einen neuen Glanz.

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