DOPPELPUNKT Februar 2026

FAHRTWIND mit seinem Todfeind Joker in friedlicher Einigkeit. Auf der anderen Seite des Gan- ges hatte Giacomo Casanova Platz gefunden. Eingehüllt in einem goldenen Kostüm. Die schwarzen Schuhe tru- gen große silberne Spangen und der wuchtige Hut war aus Samt. Das Gesicht hatte er hinter einer Maske mit einem langen Schnabel verborgen. Seine drei Begleiterinnen wa- ren nicht weniger fesch. Auch sie in schweren, mit Gold- pailletten verzierten Kleidern. Ihre Masken waren bunt und klein, verdeckten nur die Au- gen und betonten die gepuder- ten Nasen und grellroten Lip- pen. Als Casanova plötzlich eine große Flasche Prosecco von irgendwo herzauberte, zog eine der feinen Damen unter ihrem Reifrock goldene Becher hervor. Wahrschein- lich eh nur Plastikattrappen, aber von meinem Platz sahen die Becher imposant aus. Und obwohl die Fahrt bis zum Bahnhof Santa Lucia mitten im Herzen der Lagunenstadt nur rund zwanzig Minuten dauerte, schafften es Casa- nova und seine hübschen Be- gleiterinnen spielerisch, die große Flasche bis zur Ankunft des Zuges zu leeren. Schon vor dem Aussteigen habe ich Casanova und seine Verehrerinnen aus den Augen verloren. Eine Gruppe India- ner hat mir die Sicht verstellt, dann kamen auch noch un- erwartet Piraten dazwischen und schließlich wurde ich inmitten einer Horde wild kreischender Revuetänzerin- nen in kurzen Röckchen über die Stiegen am Ausgang des Bahnhofs Richtung Piazzale Roma geschoben. Wirklich unangenehm war mir das nicht und auch die Tänzerin- nen dürften an mir Gefallen gefunden haben. Baten sie Alle Masken verstehen es, sich perfekt in Szene zu setzen.

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