DOPPELPUNKT Februar 2026

April 2024 Aktuelle Rundschau Seite 13 mich doch nach der letzten Stufe darum, ein Foto von ih- nen zu machen. Lange blieb auch ich nicht unmaskiert. Schon wenige Schritte von der Bahnhof- stiege entfernt, noch weit vor der Haltestation der Vapo- retto, wurden auf Dutzenden Ständen Masken aus vermut- lich chinesischer Produktion spottbillig angeboten. Das Angebot reichte von kleinen Augenmasken für zwei Euro über Masken, die dir einen Federbuschen auf den Kopf oder eine lange Nase vors Gesicht zaubern und acht Euro kosteten. Wer 15 Euro investierten wollte, konnte sich für eine komplette Ge- sichtslarve mit unzähligen Schellen entscheiden. Ich nahm eine schwarze Maske mit roten Federn im mittleren Preissegment, um mich damit für den Rest des Tages bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen. Mit der Maske kommt auch die Unbeschwertheit. Du lässt dich gefangen nehmen von der ausgelassenen Stimmung, die überall auf den Plätzen herrscht. Du staunst, welchen Aufwand manche Menschen betreiben, um sich in perfek- ter Verkleidung dem Karne- valstreiben hinzugeben und stellst überrascht fest, dass bei weitem nicht alle Menschen hinter den Masken aus Italien kommen, sondern alle Spra- chen diese Erde sprechen. Du kommst schnell in Kontakt, lernst dabei nicht nur Casa- nova und Revuetänzerinnen, sondern auch den Papst, Till Eulenspiegel, Prinz Eisen- herz oder einfach nur einen singenden Kaktus auf zwei Beinen kennen. Alle Grenzen sind aufgehoben, wenn sich am Markusplatz Menschen aller Nationen treffen um ge- meinsam den Karneval von Venedig zu feiern, dessen Entstehungsgeschichte bis in die Antike mit den damaligen Gebräuchen der Fastenzei- ten zurück reicht. Wenn wir im Geschichtsbuch blättern, dann erwähnt 1094 der Doge Vitale Falier erstmals dieses Fest, das ab dem 13. Jahr- hundert mit Masken gefeiert wurde. Im Spätmittelalter nahmen die Feierlichkeiten immer prunkvollere Formen an und fanden vor allem an den Fürstenhöfen statt. Im 18. Jahrhundert locker- ten sich die Sitten und fortan sorgten die Masken bei den Festen dafür, dass die ärmere Bevölkerung für die Zeit des Festes mit demAdel auf einer Stufe stand. Der Karneval bot die Möglichkeit auch für untere Schichten, sich zu ver- gnügen, die schweren Zeiten zu vergessen und die sozialen Unterschiede aufzuheben. Einer der bekanntesten Per- sönlichkeiten dieser Zeit war Giacomo Casanova, der in seinen Memoiren viele Ein- drücke dieses ausschweifen- den Jahrhunderts festhielt. Im Karneval hatte die arme Bevölkerung sogar die Mög- lichkeit, die Aristokratie zu verspotten. Unter Napoleon Bonapar- te endete die Blütezeit vor- läufig. Auch wegen der wirt- schaftlichen Schwierigkeiten. Der Karneval verlor seinen Reiz und Masken wurden eine Zeitlang verboten. Zu guter Letzt leistete sogar die Bevölkerung Widerstand und boykottierte öffentliche Ver- anstaltungen dieser Art. Trotzdem konnte der Kar- neval nicht vollständig aus- gemerzt werden, auch wenn er erst 1967 wieder Tradition wurde. Besonders Fellinis Von bunt und schrill, bis zum dezenten schwarz/weiß. Erlaubt ist, was gefällt. Alle Bilder: Rule Film Casanova sorgte 1976 für eine Wiederbelebung. Durch die Rückkehr zur tra- ditionellen Veranstaltung er- lebte auch das Theater Com- media dell’arte einen Auf- schwung, bei dem bis heute originale Masken und Kostü- me aufwändig nachgestaltet und vorgeführt werden. Mehr Bilder fin- den Sie auf www.flachgau.tv im Bereich Rei- sen. Rupert Lenzenweger

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