DOPPELPUNKT Juni 2018
Juni 2018 SOMMER IM FLACHGAU E s gibt wohl kaum je- mand, der bei einer Kugel Eis nicht schwach wird. Die kalte Köstlichkeit gehört zum Sommer wie das Salz zur Suppe, die Eier zu Ostern oder der Christbaum zu Weih- nachten. Wir baten ein Vanilleeis zum Inter- view. Wir haben Sie ausgewählt, weil Vanille nach wie vor die beliebteste Eissorte bei den Österreichern ist. Vanilleeis: „Ich weiß. Seit Eis geschleckt wird, bin ich die be- liebteste Sorte. Daran hat auch die Experimentierfreude der Hersteller nichts geändert. In- zwischen gibt es ja praktisch schon alles. Eis mit Ingwerge- schmack und sämtliche exoti- sche Früchte werden auch ver- arbeitet. So gesehen, sind die österreichischen Eisesser recht konservativ. Weil auf dem nächsten Rängen der Beliebt- heitsskala kommen Erdbeer- und Schokoladeneis. Nach die- sen Klassiker sind Haselnuss, Cookies und Mango. Die Sor- ten Stracciatella, Zitrone, Pista- zie und Banane runden die gro- ßen Zehn ab.“ Wie viel Eis wird in Öster- reich gegessen? Vanilleeis: „Jeder Österreicher isst durchschnittlich im Laufe des Jahres acht Liter Eis. Das sind in etwa 64 Kugeln. Jähr- lich wird mehr Eis gegessen. Vor allem auch deshalb, weil Eis inzwischen auch im Winter eine beliebte Nachspeise ist.“ Und das beste Eis kommt im- mer noch aus Italien? Auch wenn die meisten Eis- salons italienische Namen ha- ben. Das Eis wurde von den Chinesen erfunden. Und das bereits vor 5.000 Jahren. Da- mals haben die Chinesen be- gonnen, Schnee zu schlecken. Und weil es natürlich noch kei- ne Tiefkühltruhen gab, musste der Schnee immer frisch von den Bergen geholt werden und war dann natürlich auch nur ei- ne bedingte Zeit genussfähig. Um das Eis ein bisserl haltba- rer zu machen, wurde es in Erd- höhlen aufbewahrt. Das ers- te Eis war also ein reines Was- sereis. Erst 1.500 Jahre später haben die Chinesen damit be- gonnen, auch Honig, Wein, zer- stoßene Früchte oder exotische Gewürze unter den Schnee zu mischen. Damit kam etwas Ge- schmack in dieses Ureis. Mit dem Eis, wie wir es heute ken- nen, ist das aber natürlich noch nicht vergleichbar. Ein weite- rer großer Schritt war dann die Entdeckung, dass Salpeter eine kühlende Wirkung hat. Damit konnte auch bei etwas wärme- ren Temperaturen Eis erzeugt werden. Aber bitte nicht ver- gessen: Wir sind immer noch bei den Chinesen.“ Wie kam dann das Eis nach Europa? Vanilleeis: „Das hat uns vor rund 700 Jahren der berühmte Seefahrer Marco Polo von sei- ner Chinareise gebracht. Natür- lich hat er nur das Rezept mit- gebracht. Aber in Venedig wur- de dann damit begonnen, das Grundrezept der Chinesen zu verbessern. Und damit sind wir endlich bei den Italienern. De- nen ist es nämlich gelungen, aus dem Chinesenschnee eine schmackhafte Speise zu ma- chen. Den ersten Eissalon gab es aber dann trotzdem nicht in Italien.“ Sondern? Vanilleeis: „Die erste Eisdie- le wurde 1660 in Paris eröff- net. Das aber allerdings von ei- nem Italiener. Der hatte das Eis so weit verbessert, dass es ein- schlug wie eine Bombe und binnen kurzer Zeit eine der ge- fragtesten Spezialitäten in Paris war. Damit war auch schon der Siegeszug durch ganz Europa gestartet und von hier aus kam das Eis dann auch nach Ame- rika.“ Der endgültige Durchbruch kam wahrscheinlich mit dem Kühlschrank? Vanilleeis: „Eh klar. Als Carl von Linde im Jahr 1876 die erste Kältemaschine präsen- tierte war das auch der Durch- bruch bei der Eisproduktion. In ganz Europa begannen findige Konditoren und Tortenbäcker mit Speiseeis zu experimentie- ren. In England wurde die Eis- waffel erfunden und in Ameri- ka wurde das erste Eis am Stiel verkauft.“ Und wo gibt´s jetzt wirklich das beste Eis? Vanilleeis: „Darauf habe ich jetzt auch keine Antwort. Jeder sollte selbst sein Lieblingseis finden oder es sich selbst ma- chen. Weil inzwischen ist auch das dank moderner Technik problemlos möglich.“ Interview: Rupert Lenzenweger Kalter Begleiter durch heiße Tage Vanilleeis: „Das würde ich jetzt so gar nicht sagen. Aber fast al- le Leute denken bei Urlaub in Italien an Gelati. Dass dort das Eis besonders gut schmeckt, liegt auch an der ganzen Stim- mung die dort herrscht. Itali- en, die Leichtigkeit des Lebens ... ach Gott, da komme ich ja selbst ins schwärmen.“ Liegt es auch vielleicht dar- an, weil die Italiener das Eis erfunden haben? Vanilleeis: „Wer sagt Ihnen denn das?“ Das weiß man doch! Vanilleeis: „Da sind sie aber völlig falsch informiert. Kreis- ky würde sagen: Herr Journa- list lernen´s Geschichte?“ Wieso das? Vanilleeis: „Weil das Eis nie und nimmer aus Italien kommt.
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