VOLLMOND 2-2019

Gehen uns unsere Erdäpfel aus? W er dieser Tage in den Supermärkten heimische Erd- äpfeln sucht, könnte dies vergeblich tun. Weil die österreichischen Kartoffeln sind so gut wie ausver- kauft. Schuld daran ist der Drahtwurm, der im ver- gangenen Jahr rund ein Viertel der Erdäpfelernte vernichtet hat. Und in den nächsten Jahren könnte es noch schlimmer kommen. Der Drahtwurm hat die Kartoffeln so beschädigt, dass sie nicht mehr als Speiseware vermarktet werden können. Und auch die extreme Witterung hat die Ernte geschmälert. In einem normalen Jahr ernten Österreichs Kartoffelbauern 450.000 Tonnen. Alleine durch den Drahtwurm mussten 2018 einer Schätzung der Land- wirtschaftskammer Niederösterreich zufolge aber 112.500 Tonnen vernichtet werden. Diese Menge würde reichen, um 2,25 Milli- onen Österreicher ein Jahr lang mit Kartoffeln zu versorgen. 81 Prozent der heimischen Kartoffeln kommen aus Niederösterreich. Während 15 Prozent der Kartoffelfelder biologisch bewirtschaftet werden landen nur zehn Prozent Bio im Einkaufswagen. Der Rest wird exportiert. „Wir Konsumenten wünschen uns weniger Einsatz von Pflan- zenschutzmitteln, auch abseits von Bio. Das führte 2018 in Öster- reich dazu, dass ein Großteil der Erdäpfel-Ernte vom Drahtwurm befallen war und vernichtet werden musste. Wenn es heuer im Frühjahr keine heimischen Kartoffeln mehr gibt, hören wir al- lerdings nicht auf Chips oder Erdäpfelsalat zu essen. Wo- her die Erdäpfeln dafür dann kommen, hinterfragen wir meist nicht“, zeigt sich „Land schafft Leben“-Obmann Han- nes Royer besorgt. Erdäpfeln sind weltweit das viertwichtigste Grund- nahrungs- mittel. Wir Österreicher essen etwa ein Kilo pro Woche. Dazu kommen 5,6 Kilo, die wir pro Jahr als Kartoffelstärke essen. Etwa in Fertiggerichten, Konserven, Backwaren, Süßigkeiten und ähn- lichem. Immer mehr Kartoffeln nehmen wir in verarbeiteter Form, vor allem als Pommes Frites und Chips zu uns. Die Kartoffel ist ein besonders nährstoffreiches Lebensmittel und eine wertvolle Kohlenhydratquelle. Aber es gibt nach wie vor den Mythos, dass Kartoffeln dick machen. Dabei enthalten sie nur halb so viele Ka- lorien wie Reis, Brot oder Nudeln. Erst durch die Verarbeitung zu Chips und Pommes bekommt die Kartoffel ihr Fett ab und kann bei übermäßigem Konsum zum Dickmacher werden. Erdäpfel als Auslöser für Krebs? Wenn besonders kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Kartof- feln über 120 Grad erhitzt werden, entsteht der Stoff Acrylamid. Er gilt als „wahrscheinlich krebserregend“ und führte letztendlich zur genannten „Pommes-Verordnung“, die niedrigere Grenzwerte vorschreibt und klare Vorgaben zur Verarbeitung bestimmter Zu- taten gibt. Acrylamid lässt sich aber vermeiden. Beim Kochen in Wasser kann es nicht entstehen, weil dabei die Temperaturen nicht so hoch sind. Will man Kartoffeln im Backrohr knusprig backen, empfiehlt es sich, diese vorzukochen und nass zu machen. Acryl- amid entsteht vor allem bei Hitze und Trockenheit. Dieser und vie- le weitere Tipps zumAufbewahren und Zubereiten von Kartoffeln sind ab sofort neben allen Informationen rund um die österreichi- sche Kartoffelproduktion auf der Websei- te vwww.landschafftleben.at zu finden. Dort wird auch die Vielseitigkeit der Erd- äpfeln vom Saatgut bis zum Paket-Klebe- band aufge- zeigt.

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