VOLLMOND 3-2026

PANOPTIKUM 30 VOLLMOND 3/2026 FUNDSTÜCK Kleine Dinge, von denen wir oft gar nicht wissen, dass wir sie noch haben F ür junge Menschen kaum vorstellbar, aber es gab eine Zeit, da war nicht klar, wie es mit der Telefonie weitergeht. Analog, also mit Wählscheibe oder höchstens Tasten. Oder di- gital, von dem Experten behaupteten, dass wir damit in ein neues Zeitalter kommen könnten. Genau in dieser Zwischenzeit, das war etwa Mitte der 1980er Jahre, brachte Casio den „Quick Dialer 50“ auf den Makt und spann- te damit erstmals einen Bogen zwischen den zwei Techniken. Basis dafür war das damals völlig neue Mehr- frequenzwahlverfahren bei modernen Tele- fonapparaten. Ältere Semester können sich sicherlich noch an das Piepsen und Pfeifen er- innern, das man sich anhören musste, ehe die Verbindung zustande kam. Genau da hakte der Quick Dialer ein. Einfach ausgedrückt nahm er dem Telefon das Pfeifen und Piepsen ab, in- dem er selbst diese Töne von sich gab. 50 Kontakte konnten auf dem Gerät gespei- chert und dann abgerufen werden, indem der kleine Lautsprecher des Quick Dialers direkt Telefonbuch im Hosensack an das Mikrofon des Telefons gehal- ten wurde. Dass der kleine Apparat auch noch als Rechner benutzt wer- den konnte, ist heute selbstverständ- lich. Für die damalige Zeit war es schlichtweg eine Sensation. Es war zugleich der Startschuss für die ja- panische Marke Casio, die heute aus der Unterhaltungselektronik nicht mehr wegzudenken ist, vor gut 40 Jahren aber als unbekannter Exot plötzlich in Europa auftauchte. Dass der Casio Quick Dialer 50 heute ein völlig sinnloses Gerät ist, und höchstens noch als Taschen- rechner benützt werden kann, stört Sammler von elektronischer Tech- nik aus den 80er- und 90er-Jahren nicht. Der Casio Quick Dialer gilt als rares Sammlerstück und erzielt in funktionsfähigem Zustand gemeinsam mit Originalverpackung und Be- schreibung recht respektable Preise. Rupert Lenzenweger Sagen wir so: Der Onkel Franz und sein Spezi Albert haben auch schon lustigere Zeiten erlebt. Damals, als es am Stammtisch beim Egger-Wirt noch um wirklich wichtige Dinge ging. Etwa um die Preise und die Angebote am Wochenmarkt oder auch darum, wie dick die Wurst- radeln bei der Essigwurst aufge- schnitten sein müssen. Wobei, das ist für den Franz jetzt wieder nicht ganz so wichtig, weil die perfekte Essigwurst kann eh nur die Tante. Auf Reisen ist er auch schon ge- gangen, der Onkel Franz. Einmal musste er nach Wien und erlebte eine wahre Odyssee. Das war aber alles nix gegen das, was den Onkel Franz im sechsten Buch erwartet. Er muss sich den großen Dingen stellen: Et- wa der Wirtschaftskrise oder einer Betrügerin, die ihn mit dem Onkeltrick hinters Licht führen möchte. Mit einem millionenschweren halbame- rikanischen Marketingexperten, der großkot- zig ungefragt am Stammtisch Platz nimmt und letztendlich von der Kellnerin Resi als Sohn des Gemischtwarenhändler enttarnt wird. Bei all diesen Vorkommnissen ist es gut, dass der Onkel Franz noch seinen Hausverstand hat, der ihn stets im richtigen Moment misstrauisch werden lässt und in schwierigen Situationen sagt, wo es lang geht. Was? Sie kennen den Onkel Franz gar nicht? Dann sollten Sie aber rasch Bekanntschaft mit ihm schließen. Weil der Onkel Franz ist für das Innviertel in etwa das, was die Tante Jolesch für die Wiener ist. Der Autor Klaus Ranzen- berger aus Braunau hat vor zwölf Jahren den Onkel Franz erfunden. Der ist ein typischer Innviertler mit all seinen Ecken und Kanten, mit einem guten Kern und einem großen Her- zen, vor allem aber mit einer kräftigen Portion Humor der ansteckend ist und den Leser im- mer wieder schmunzeln lässt. Der Onkel Franz und der Hausverstand oder Nix Genaues weiß man nicht. Klaus Ranzen- berger, Verlag Innsalz, 160 Seiten, ISBN 978- 3-903496-51-4, 22 Euro. Auf den Hausverstand von Onkel Franz ist jederzeit Verlass

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