VOLLMOND 5-2019
11 2019 Kultur aus dem Mondseeland D er verlassene Stadl nebenan, die Brenn- esselecke am Wie- senrand und die überwucherte Hecke neben dem Wanderweg. Sie alle sind schon selten geworden in unse- rer Landschaft. Von Christina BURDA Konsulent Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbun- des Oberösterreich: „Ja, Sta- del und Schuppen geben nicht nur unseren Wiesenlandschaf- ten ein hübsches Gepräge, sie sind auch in früheren Zeiten als Vorratsräume wichtig ge- wesen. Heute bieten diese oft sehr ansehnlichen Gebäude aus Holz allerlei Tieren einen will- kommenen Unterschlupf und oft auch Kinderstube. Unter seinen Dachvorsprüngen und in Nischen findet der Waldkauz oder gar die seltene Schleier- eule Platz und Einstand. Wenn Eulen Zugang zum Inneren ha- ben, helfen sie gleichzeitig, die Mäuse, die dort leben, zu de- zimieren. Gerade im Winter ist dieser Futterplatz wichtig für die Eulenvögel.“ „Aufräumen“ ist also nicht immer die beste Sache. Der leere Stadl wird vielleicht nicht mehr für Brennholz oder Trak- tor genutzt, aber gebraucht wird er allemal. Besonders tragisch sind Aufräum- und Abrissaktionen in falschen Jah- reszeiten. Da kann eine kleine Fledermauskolonie im Winter um ihre Herberge gebracht und dem sicheren Tod ausgesetzt werden oder auch eine schon sehr seltene Schleiereule über Nacht das Winterquartier ver- lieren und verhungern müssen. „Eine reichhaltige Tierwelt nutzt solche Stadel und Schup- pen. Viele Landschaften ver- lieren mit dem Verschwinden der Holzgebäude einen Teil ihrer Identität und Tiere ihren Lebensraum,“ bedauert Josef Limberger vom Naturschutz- bund. Nicht immer lassen sich Baumfällungen oder das Abtra- gen von Scheunen vermeiden. Da gilt es, sich Experten zu ho- len, um den Schaden möglichst gering zu halten. Naturwache- organ Thomas Ebner in Mond- see berät gerne und weiß, wo weitere Hilfe zu holen ist. In anderen Fällen kann man sogar helfen, seltenen Tieren wieder einen Lebensraum zur Verfügung zu stellen: Nist- hilfen für Mauersegler und Saustall oder letzter Rückzugsort für seltene Tiere? Unermüdlich für die Natur im Einsatz: Konsulent Josef Limberger. Im Bild mit der Schimpansenforscherin Jane Goodall. Bild: Oberösterreichischer Naturschutzbund Fledermäuse wie dieser Abendsegler suchen gerne in alten Stadeln Unterschlupf. Bild: Peter Angeli Schwalben, Brennesselecken für Schmetterlinge, Blühstrei- fen für Bienen oder ein paar Distelstauden für den Stieg- litz, die im Winter auch noch stehen bleiben dürfen. Eine of- fene Einflugstelle beim Dach- boden hilft Fledermäusen und auch seltenen Eulenvögeln. In Nistkästen überwintern gerne Siebenschläfer oder auch Ha- selmäuse. Auch für Hornissen oder Wespen ist das Leben in unseren aufgeräumten Gärten nicht ganz einfach geworden, sie sind kaum geduldete, aber sehr wichtige Insekten in unse- rer Landschaft. Es gilt, wieder genauer hin- zusehen, nachzudenken, zu überlegen, bevor gehandelt wird. Naturbeobachtungen kann man übrigens auf der Plattform www.naturbe- obachtung.at des Naturschutz- bundes melden und damit einen wichtigen Beitrag zur besseren Kenntnis der Tierwelt leisten. Expertinnen und Experten sind bei der Bestimmung von Foto- belegen, die Sie mit dem Han- dy machen können, behilflich. Es versteht sich von selbst, dass man als echter Naturbeob- achter achtsam in der Natur un- terwegs ist und Tiere in ihrem Alltag nicht stört…. Nicht jede Nische muss verbaut werden und so finden die Vögel schnell auch Plätze für ihre Nester. Bild: Miriam Burda
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