VOLLMOND 6-2017

nachtslieder sangen, konnte ich es kaum abwarten, meine Geschenke auszupacken. Mit leuchtenden Augen holte ich aus den Päckchen, die das Christkind mir gebracht hat- te, hübsche Wollstricksachen, eine Puppenstube und einen kleinen Spielzeugkoffer mit handgeschnitzten Holztier- chen hervor. Dazu gab es ei- nen bunten Teller mit Äpfeln, Nüssen und Mutters leckeren Plätzchen. Doch wo waren meine heißersehnten Schuhe? Hatte das Christkind mir kei- ne gebracht? Enttäuscht wäre ich fast in Tränen ausgebrochen, hät- te mein Vater mir nicht auf- munternd zugezwinkert und mich auf das übriggebliebene Päckchen aufmerksam ge- macht. Mit einem Freuden- schrei holte ich daraus die warmen Schnürstiefel her- vor und probierte sie gleich an. Sie passten wie für mich gemacht und gefielen mir so gut, dass ich sie abends beim Zubettgehen nicht ausziehen wollte. Am nächsten Mor- gen beim Kirchgang durch Schnee und Matsch bestan- den sie ihre Dichtheitsprobe: Meine Füße blieben warm und trocken. Mein sehnlichs- ter Weihnachtswunsch war in Erfüllung gegangen. Entnommen aus dem 13. Band der Buch- reihe „Unvergessene Weihnachten“ , erschienen im Zeitgut-Verlag. Das Buch enthält 31 Erinnerungen aus guten und schlechten Zeiten. 192 Seiten, ISBN: 978- 3-86614-276-3, Eu- ro 9,90. VOLLMOND verlost ein Buch mit den unver- gessenen Weih- nachtsgeschich- ten. Wer mitspie- len möchte kann das im Internet unter www.flachgau24.at im Be- reich „Gewinnspiele“. 2017 Advent im Mondseeland 37 der Hufeisen in der Garage fragte meine Mutter meinen Vater ziemlich ratlos, was wir mit all den Hufeisen anfangen sollten. Mein Vater antwortete lachend: „Wart’s ab, Hufeisen bringen bekanntlich Glück.“ Den nächsten Tag nahm mein Vater sich frei und machte sich in aller Frühe in seinem alten klapprigen DKW, liebevoll „D.K. Wupp- dich“ genannt, mit einigen Hufeisen im Kofferraum auf den Weg zu den umliegenden Bauernhöfen. Die Bauern, die zu der Zeit bei ihrer Feldbe- stellung überwiegend Pferde als Zug- und Arbeitstiere und kaum Traktoren einsetzten, zeigten sich sofort am Ange- bot meines Vaters interessiert und versprachen, sich zwecks Beschaffung meiner Schuhe umzuhören. Am Tag vor Heiligabend war es soweit: Mein Vater konnte tatsächlich in einem Tauschgeschäft bei einem Bauern in der Nähe ein Paar gebrauchte Jungen-Schnür- stiefel in meiner Schuhgröße bekommen. Dass sie schon etwas abgenutzt aussahen, war unwichtig, die Hauptsa- che war, sie passten und wa- ren wasserdicht. Obendrein konnte mein Vater uns mit einem Gänsebraten überra- schen, den er ebenfalls gegen Hufeisen getauscht hatte. Heiligabend legte mein Va- ter die Stiefelchen, die er in Weihnachtspapier vom Vor- jahr hübsch verpackt hatte, hinter die anderen Geschenke halb versteckt unter den Weihnachtsbaum. Als das Glöckchen des Christkinds zur Bescherung klin- gelte, war ich als erste im Weih- n a c h t s z imme r. Sehr zur Freude meiner Großeltern sagte ich im Kerzen- licht ein Weihnachtsgedicht auf. Während wir Weih- Weihnachten“ chtswunsch

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