Mai
MENSCHEN
AUS DEM MONDSEELAND
G
laubt man den Krimis mit Lokalbezug, egal ob Buch
oder Film, dann wird in unserer schönen Heimat ge-
mordet, was das Zeug hält.
Glücklicherweise liegt die Realität weit unter der fik-
tiven Mordrate. Doch in der Welt der Bücher ist es schon wieder
passiert: ein Mordsmord, dem gleich noch weitere folgen. Erdacht
hat sich den Krimi mit erheiterndem Lokalkolorit Victoria Wolf,
die Unterach schon lange als ihren Lebensmittelpunkt gewählt hat.
Die unter einem Pseudonym schreibende zierliche Pharmareferen-
tin hat sich mit ihrem Erstlingswerk einen Kindheitstraum erfüllt.
„Ich habe immer schon leidenschaftlich geschrieben. Als Ein-
zelkind war ich daheim auch oft mit mir selbst beschäftigt, in der
Schule hatte ich Lehrer, die mich sehr gefördert haben“, erzählt die
vierfache Mutter die ersten Zugänge zum Schreiben.
Mit einer vernichtenden Kritik in ihrer Zeit als Handelsschülerin
brach der Glaube an sich selbst und an das eigene Können allerdings
mit einem Schlag ab. Nur mehr in Tagebüchern lebte Victoria ihre
Schreibleidenschaft aus, mit dem Beruf und der Familiengründung
übernahmen andere Aufgaben diesen Platz. Die gelernte Drogistin
wollte eigentlich noch die Hebammen-Ausbildung „draufsetzen“
und hatte auch schon die Studienberechtigungsprüfung für Medizin
in der Tasche, doch das Leben wollte Victoria Wolf an einem anderen
Platz haben….
…. „bis sich bei einem Mentaltrainig dieser alte Kindheitstraum
meldete. Meine Trainer motivierten mich, dem Traum nachzugehen
und so wandte ich mich zuerst einmal an eine deutsche Autorin, die
ich bat, mein Mentor zu sein. So ganz gut lief die Zusammenarbeit
nicht und ich begann, weiter zu suchen. Zwischenzeitlich wurde das
Genre für mich klar: Ich las gerne Krimis und so dachte ich mir, mit
einem Krimi könnte ich gut einsteigen. Ich erfuhr von der Schreiba-
kademie Attersee und fand in Wolfgang Grosz und Wolfgang Mayr
die Partner, die mich bis zur Veröffentlichung meines ersten Krimis
wunderbar unterstützten.“
Wie darf man sich also die Schriftstellerei vorstellen?
„Ich arbeite ja als Pharmareferentin im Außendienst, bin also eine
Wochenend-Schreiberin, da unterstützt mich meine Familie. Dann ge-
lingt es schon, manchmal auch 50, 60 Seiten in einem Guss zu schrei-
ben. Ich arbeite strukturiert, ich habe einen Plot und mache mir ein Or-
ganigramm, damit ich den Überblick behalte. Trotzdem hatte ich zum
Ende hin etwas Panik, ob wirklich alle Fäden zusammenlaufen, das
Ende schlüssig ist.“
Was kommt „am Ende“ für die Autorin?
„Als ich das Organigramm von der Pinnwand abgenommen habe, hat-
te ich Tränen in den Augen, Erleichterung und Trauer waren da gleich
präsent. Man hat ja eine imaginäre ‚Familie‘ geschaffen, die jetzt plötz-
lich weg ist.“
Ist der Kindheitstraum jetzt ausgelebt?
„Ich habe beim Schreiben erfahren, dass diese starke Sehnsucht zu
Mord und
Salzkam
„Ich mache
mir ein
Ornigramm
um stets den
Überblick zu
behalten.“
„Als ich
fertig war,
hatte ich
Tränen in
den Augen.“
„Ich bin
gewisser-
maßen
verbal
inkontinent.“




