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2016
Viele Schaulustige
ließen sich die Bergung des Einbaums nicht
entgehen.
Einbäume mit 14 Meter Län-
ge waren am Mondsee nichts
außergewöhnliches. Die am
Attersee waren noch größer,
weil dort sind auch die Wellen
höher. Die Steinzeitmenschen
haben die Einbäume so lan-
ge gemacht, dass sie über drei
Wellenlängen reichten. Dann
waren sie richtig stabil.“
Klingt alles ganz überlegt.
Einbaum:
„War es auch. Wir
Einbäume sind zwar einfa-
che aber sehr brauchbare und
durchdachte Wasserfahrzeuge.
Wir sind lange haltbar, liegen
stabil im Wasser - wie ja auch
der Bürgermeister bei seiner
Jungfernfahrt mit mir feststel-
len konnte
(der Einbaum lacht,
Anmerkung der Redaktion)
-
und wir sind das ideale Gefährt
zum Fischen. Unser Rumpf
ist bis an den äußersten Rand
völlig glatt. Da bleibt kein Fi-
schernetz hängen. Deshalb
sind ja wir Einbäume mit den
Steinzeitmenschen nicht aus-
gestorben, sondern werden seit
rund 8.000 Jahren im Salzkam-
mergut von der Grundform her
noch immer benützt. Das gibt
es sonst übrigens nirgends in
Europa.“
Jetzt kommt man ja nicht als
Einbaum auf die Welt. Was wa-
ren Sie denn vorher?
Einbaum:
„Eine mächtige
Mondseeland-Tanne, aus de-
ren Stamm der Rohling für den
Einbaum geschnitten wurde.
Sieben Meter lang, 90 Zen-
timeter Stockmaß. Wolfgang
Lobisser hat mit Hauptschülern
dann aus mir den Einbaum ge-
schnitzt. Zunächst mit der Mo-
torsäge, aber die Detailarbeiten
haben sie dann mit Stein- und
Bronzewerkzeugen gemacht.
Genauso wie die Menschen
in der Pfahlbauzeit. Gut eine
Woche haben sie so an mir he-
rumgeschnitzt. Dann hatte ich
diese Form. In der Steinzeit ist
das nicht so schnell gegangen.
Da wurde einen Sommer lang
an einem Einbaum gearbeitet.
Aber die hatten natürlich nur
Stein- und Bronzewerkzeuge
und, naja, die Einbäume wa-
ren auch wesentlich größer als
ich.“
Was wird jetzt mit Ihnen ge-
schehen?
Einbaum:
„Ich glaube, dass
sich in Mondsee schon ein Plat-
zerl für mich finden wird. Da
vertraue ich ganz auf Johan-
nes Pfeffer, dem Obmann vom
Heimatbund Mondseeland und
sein Team. Ich lasse mich über-
raschen, weil ich selbst habe ja
Zeit...“
Interview: Rupert Lenzenweger
nter Wasser?“




