Lego Michi und seine Welt der bunten Steine

Lego ist ein Spielzeug für Kinder. Richtig? Nein! Der Seekirchner Sonderschullehrer Michael Sillinger beweist das Gegenteil und zeigt, dass es für die bunten Steine keine Altersgrenzen gibt.

Er ist nämlich passionierter Legobauer – und diesem Hobby geht er nicht mittels Bauplänen nach, sondern „free style“. Also ohne Anleitung oder Skizze. Das macht er so gut, dass einige seiner Legobauwerke ausgestellt sind. Sein Nachbau von Franz Klammer hat es sogar bis nach Billund in Dänemark ins Lego House geschafft.

Aber von Anfang an: Michael Sillinger hat bereits in seiner Jugend viel Zeit mit den bunten Bausteinen verbracht. „Wir hatten einen Legozug daheim, den mein Papa für uns auf verschiebbare und teilbare Holzplatten gebaut hat. So hatten wir eine Landschaft, die immer wieder neu entstand – mit Häusern, Seen und endlosen Möglichkeiten“, erinnert sich der Lego-Fan, bei dem so der Grundstein für die große Lego-Begeisterung gelegt wurde. Dank seinem Sohn Moritz verfiel er vor einigen Jahren wieder dem Lego-Fieber. Sein Sohn war es auch, der Papa Michael überzeugte, sich bei der TV Serie „Lego Masters“ zu bewerben. „Ich hab mich nur beworben, weil ich dieses riesige Legosteinlager sehen wollte. Damit, dass ich wirklich in die Sendung aufgenommen werde, habe ich gar nicht gerechnet“, so Sillinger. In der Show wurde ihm ein Wiener als Partner zugelost. Gemeinsam mussten sie verschiedene Aufgaben erfüllen. „Die für mich persönlich schwierigste Aufgabe war, als Team einen echten Hund nachzubauen. Dass sich die Tiere dauernd bewegten und auch nicht die ganze Zeit vor Ort waren, hat die Sache sehr erschwert“, verrät Michael.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz belegten Michael und sein Partner den zweiten Platz in der Staffel der beliebten Fernsehshow.

Neue Bauprojekte

Nach den erfolgreichen TV-Auftritten wurde Michael auf der großen Legomesse „Bricking Bavaria“ in Friedrichshafen angesprochen – ob er ein Modell zum Thema Berge und Wintersport für die Ausstellung in Ischgl beisteuern wolle? Natürlich wollte er! Für den bekennenden Retro- und Skisportfan war auch das Thema sofort klar: er wollte Franz Klammer bei seinem Olympiasieg in Innsbruck nachbauen. Gesagt, getan – und nach mehreren Wochen Bauzeit konnte Franz Klammer in Ischgl ausgestellt werden. Michael „zweckentfremdet“ für seine Bauten die Legosteine oft, so besteht etwa Franz Klammers Skibrille aus Teilen, die ursprünglich für Autokotflügel und Fensterscheiben gedacht waren. Auch die Skischuhe waren ursprünglich Bauteile für Rosen.

Das Franz Klammer Modell sorgte sogar international für Aufsehen. Es wurde ihm angeboten, seinen Franz Klammer für ein Jahr lang in Billund, Dänemark, im Lego House auszustellen. Da die Präsentationsflächen dort aber anders sind, war es notwendig, das Modell nochmal in einem anderen Maßstab zu bauen. Jetzt ist Franz Klammer Teil der Masterpiece Gallery. „Man darf nur ein Mal im Leben ein Legomodell dort ausstellen – das ist sozusagen die höchste Auszeichnung, die man in der Lego-Welt erreichen kann“, erzählt Michael nicht ohne Stolz. Daran, mit dem Legobauen aufzuhören, denkt der 40 Jährige trotzdem nicht. „Ich habe sehr viele Ideen im Kopf, meistens entstehen viele Projekte gleichzeitig. Manchmal liegen Einzelteile auch sehr lange unfertig herum, bis mir die passende Idee kommt.” Auf die Frage, was er denn mit fertigen Projekten macht, lacht Michael. „Natürlich zerlege ich keines meiner Bauwerke. Es kommt aber schon häufig vor, dass ich mir Teile von fertigen Projekten für meine aktuellen Bauten ausleihe”.

Määhga cool

Ein aktuell großes Projekt, das bis April in Ischgl ausgestellt wird, ist ein Bauernhof – selbstverständlich ausschließlich aus Legoteilen. Besonders Kinder sind von diesem Modell fasziniert, gibt es doch an allen Ecken und Enden, zwischendrin und sogar unterirdisch liebevoll inszenierte Details zu entdecken. Bei diesem Projekt hat Michael auch einiges an Technik eingebaut. So kann etwa der Traktor ein- und ausfahren, oder der Waldarbeiter die Arme mit der Motorsäge bewegen. Das Motto des Lehrers ist klar: „Wenn man Lego frei und ohne Plan baut, können eigene Ideen umgesetzt weden. Das fördert die Kreativität ungemein. Es ermöglicht Bauten, die einmalig sind. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um den Spaß. Meine klare Empfehlung speziell an Kinder: baut Lego nach Lust und Laune, nach euren eigenen Ideen und Vorstellungen.”

Kein Tag ohne Lego

Wenn Michael in der Schule mit Kindern mit Beeinträchtigungen arbeitet, lässt er regelmäßig Lego in den Unterricht einfließen. „Es ist einerseits ganz spannend, dass viele meiner Schüler ganz eigene Ideen für die Verwendung von Legosteinen haben. Andererseits werden so immer wieder Erfolgsmomente für die Kinder geschaffen, wenn sie sehen, was sie gebaut haben.” Ein weiterer Vorteil von Lego ist, dass es zu jeder Jahreszeit passt. So hat Michael für seine Familie einen Lego-Adventkranz gebaut – selbstverständlich inklusive Zündhölzern und Flammen aus Lego. -9. 12. 2025-

Elisabeth Dürnberger

Das fast 100 Jahre alte Auto der Feuerwehr Seekirchen als Logo-Modell. Bild: Elisabeth Dürnberger

Franz Klammer als Ausstellungsstück im Lego-House in Dänemark. Bilder (2): Lego-House