Riki Jausz und die Sprache der Farben
Auf den ersten Blick wirken ihre Bilder bunt, schrill, fast ein bisschen verrückt. Doch wer sich Zeit nimmt, entdeckt viel mehr. In den Arbeiten von Riki Jausz steckt Tiefe, Gefühl – und ein Stück ihrer eigenen Emotionen, Erfahrungen und Erlebnissen.
Tiere tauchen immer wieder als Motive auf. Diese stehen für sie sinnbildlich für Fähigkeiten und Schwächen – quasi ein Spiegel der Seele. Oft verbindet sie in ihren außergewöhnlichen Bildern Mensch und Tier zu Mischwesen. Grenzen verschwimmen, alles ist in Bewegung, die Bilder lassen noch viel Platz für Fantasie. Auch die runden Formen, das Fließende, zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Kunst.
Riki Jausz ist Künstlerin und Lehrerin für Kunst und Gestaltung an einer Mittelschule. Ihr künstlerisches Zuhause ist ihr Atelier, ihr persönlicher Rückzugsort, ein Ort voller Historie und Geschichte. Es ist im Obergeschoss des ehemaligen Krankenhauses in Mondsee untergebracht. Seit etwa fünf Jahren erfüllt Riki die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten mit neuem Leben und frischen Farben. Hier kann sie alles liegen und stehen lassen. Nichts muss sofort fertig sein, jedes Kunstwerk hat Zeit zu Entstehen. Und das kann dauern. Oft „steckt“ die Künstlerin im Entstehungsprozess fest, so wartet ein Bild schon mal mehrere Tage, bis die passende Idee für die Fortsetzung gekommen ist. Kein Wunder also, dass bei Riki stets mehrere Bilder gleichzeitig in Arbeit sind.
Ihre Spezialität sind große Bilder. Diese Arbeiten sind auch körperlich fordernd. Nicht selten sitzt sie stundenlang davor und betrachtet das Bild. Manchmal im Spiegel, um einen zusätzlichen Blickwinkel zu erhalten. „So entdecke ich selbst Details, die mir ansonsten gar nicht aufgefallen wären“, lacht die Wahl-Mondseerin. Sie arbeitet mit Leinen, Stoff und Acryl. Viele der Werke ergänzt sie mit Stickereien oder Nähten mit der Nähmaschine. Dieser spielerische 3D Effekt, der dadurch entsteht, verleiht den ohnehin außergewöhnlichen Bildern noch zuäzlich das „gewisse Etwas“.
Die ursprünglich aus Hall in Tirol stammende Riki malte bereits als Kind gern. Als Jugendliche entdeckte sie, dass sie mit ihren Bildern Gefühle verarbeiten kann. „Ich habe eine eigene Welt in mir. Mit meinen Bildern kann ich einem Teil davon Ausdruck verleihen.“ Heute ist sie ausgebildete Maltherapeutin und weiß, wie stark sich das Unterbewusste über Kunst ausdrücken kann.
Besonders gerne denkt die Lehrerin an ihr Kunststudium in Linz zurück. „Dort habe ich eine für mich ganz neue Freiheit entdeckt“, erzählt sie. „Es war eine sehr intensive Zeit. Jeder durfte sein, wie er ist. Keine Bewertungen, kein ständiges aneinander Messen. Eine Zeit, um zu sich selbst zu finden.“
Im Sommer verbrachte Riki einen Monat in Krumau in einem vom Land Oberösterreich geförderten Gastatelier. Eine inspirierende Zeit, in der sie sich vollends auf neue Werke konzentrieren konnte. Doch selbst wenn ein Werk einmal abgeschlossen ist – lange hält das Gefühl von Fertigsein nicht an. Kurz ist da Zufriedenheit, dann zieht es sie gedanklich schon wieder zum nächsten Bild. „Dieser Prozess hört nie auf.“ Eines ihrer Lieblingszitate, welches aus „Alice im Wunderland“ stammt: „Ich weiß nicht recht, wer ich jetzt bin. Ich weiß nur, wer ich heute Morgen war, aber seither habe ich mich ein paar mal verwandelt.“ So fühlt sich auch ihre Kunst an – nie ganz greifbar, immer im Fluss und stets im Wandel. -15. 12. 2025-
Elisabeth Dürnberger
