Wenn der finstere Nachthimmel zum Farbspektakel wird

Wenn wir in den Nachthimmel schauen, ist er kohlrabenschwarz mit unzählig vielen mehr oder weniger glitzernden Sternen. Wenn Heinz Wasenegger in den Himmel schaut, taucht er ein in ein Farbenmeer, das keine Grenzen zu kennen scheint. Freilich, so ganz einfach ist auch für den Heinz dieser Besuch in einer ganz anderen Welt nicht.

Heinz Wasenegger ist Hobby-Astronom. Mit einem kleinen Observatorium in Lämmerbach. Das ist praktisch der hinterste Winkel von Hintersee. Hier ist die Luft klar, die Nacht stockrabenfinster und störende Lichtquellen gibt es nicht. Dazu hält der Wind das Tal vor Nebel frei. Ideale Bedingungen zum Beobachten der Sterne. Nur durch das Teleskop zu schauen, genügte Wasenegger aber bald nicht mehr und er begann damit, die Himmelserscheinungen auch zu fotografieren. Erst laienhaft, dann immer professioneller und inzwischen sind seine Bilder kaum mehr von jenen Fotos zu unterscheiden, die in den besten Sternwarten der Welt aufgenommen werden.

Bis hierher war es aber ein weiter Weg. „Ich habe ja praktisch bei null begonnen und mir das Wissen selbst angeeignet“, erzählt Heinz Wasenegger und erinnert sich an seine ersten Bilder, die in der Coronazeit entstanden.

Die Herausforderung dabei ist, dass die begehrten Motive der Astro-Fotografen mit freien Auge nicht zu sehen sind und nur über die genaue Eingabe der Koordinaten gefunden werden können. Und erst nach langen Belichtungszeiten entstehen vom Orionnebel oder der Andromedagalaxie so wunderschönen Bilder, wie jene, die noch bis zum 7. April im Kulturzentrum KUBIQ in Thalgau zu bewundern sind.

Die Andromedagalaxie ist die nächstgelegene Galaxie mit einer Billionen Sterne und wird in rund vier Milliarden Jahren mit der Erde kollidieren. Derzeit ist die Galaxie noch 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Damit macht Heinz Wasenegger mit jedem fotografischen Spaziergang über den Nachthimmel auch eine unglaubliche Zeitreise. „Wenn ich mir vorstelle, dass das Licht, das ich heute Nacht mit meiner Kamera einfange, aus der Zeit vor 2,5 Millionen Jahre stammt, dann läuft es mir schon manchmal kalt den Buckel hinunter“, sagt Wasenegger.

Mit normaler Fotografie hat das Hobby von Wasenegger nichts zu tun. Die Bilder entstehend durch Teleskope mit Brennweiten zwischen 1200 und 6000 Millimeter. 500 einzeln Fotos braucht es, bis ein fertiges Bild entstehen kann. „Der Computer legt diese 500 Fotos übereinander und errechnet daraus das ideale Bild“, erzählt Wasenegger, der rund 30 Nächte im Jahr vor seinen Teleskopen und den Computerbildschirmen verbringt. „Die meiste Zeit nimmt dann die Nachbearbeitung der Bilder in Anspruch. Dabei orientiere ich mich an den Referenzdaten der Nasa“, plaudert der Hobby-Astronom aus dem Nähkästchen.

Rupert Lenzenweger