2016
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Frohe Weihnachten
cht, Heilige Nacht“ bekannt
dort wurde es innerhalb kurzer
Zeit bei der Bevölkerung sehr
beliebt. Gleich zwei Zillertaler
Familien trugen das Lied hinaus
in die Welt. Die Rainer-Familie
sang bereits in der Christnacht
1819 in der Fügener Kirche das
Lied beim Besuch von Kaiser
Franz I von Österreich und
Zar Alexander I von Rußland
im Schloß des Grafen Döhoff
(heutige „Bubenburg“, Fügen
im Zillertal).
Familie Strasser
Die Familie Strasser aus Lai-
mach im Zillertal betrieb neben
der Landwirtschaft noch einen
Handel mit Handschuhen und
zog dazu mit der ganzen Fami-
lie vonMarkt zuMarkt. Umden
Verkauf anzukurbeln, sangen
sie in hübscher Tracht geklei-
det vor ihrem Stand heimische
Lieder. Ein Lied weckte im-
mer besonders viel Aufsehen:
„Stille Nacht, heilige Nacht“.
Einer der Zuhörer war Franz
Alscher, Organist und Kantor
der katholischen Gemeinde
in Leipzig. Er bat die Familie
Strasser, dieses Lied bei der
Weihnachtsmette in der könig-
lich-sächsischen Hofkapelle
der Pleißenburg zu singen. Und
es löste Begeisterung aus. Von
da an durfte das Lied bei keiner
Aufführung mehr fehlen.
Ein Tiroler Volkslied
Bei einem Konzert der Fami-
lie Strasser hörte der Verleger
A.R. Friese aus Dresden das
Weihnachtslied und war sofort
begeistert. Wenig später ließ er
1833 unter dem Titel „Vier äch-
te Tyroler Lieder“ insgesamt
vier Lieder der Familie Stras-
ser aufzeichnen. Darunter auch
„Stille Nacht, heilige Nacht“.
Bis 1854 galt „Stille Nacht,
Heilige Nacht“ als Volkslied
aus dem Zillerthal. Die ei-
gentlichen Schöpfer Mohr
und Gruber kannte niemand
mehr. Die Familie Strasser hat
die Melodie der komponierten
Fassung ihrem Geschmack
entsprechend umgeformt und
so zu einer zurechtgesunge-
nen Form, die heute allgemein
üblich ist, gemacht. 1854 ließ
die Berliner Hofopernkapelle
in Salzburg nachforschen, wer
das Lied komponiert haben
könnte. Damals wurde wegen
des Aufbaus der Komposition
angenommen, dass das Lied
von Michael Haydn oder W.A.
Mozart stammen könnte.
Die Stille Nacht Kapelle
in
Oberndorf.




